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Lennart Burke ist bereit © Alexander Champy McLean
Mini-Transat

Die Spannung steigt

Lennart Burke ist beim Mini-Transat 2021 gemeldet. So sieht sein Sommer vorm Start über den Atlantik im September aus.

von
Kerstin Zillmer
in
4 Minuten

Der Countdown läuft. Heute, am 15. Juni, ist Lennart Burke offiziell bei der Mini-Transat 2021 gemeldet. Am 26. September 2021 geht er in Les Sables d’Olonne an den Start und segelt auf seinem 6,50-Meter-Mini „Vorpommern“ von Frankreich über den Atlantik – allein. Auf der ersten Etappe geht es in acht bis zehn Tagen nonstop zu den Kanaren.

Auf La Palma hat Lennart drei Wochen Pause, kann sich erholen und Reparaturen am Boot durchführen. Am 29. Oktober startet dann die zweite Etappe über den Ozean nach Guadeloupe in der Karibik. Etwa 15 Tage sind geplant. Die Ankunft wird Mitte November sein. Wir haben mit Lennart Burke in Lorient gesprochen.

„Das ist der Mini-Spirit: mit einfachen Mitteln über den Atlantik“

float: Lennart, wie sieht dein Zeitplan für den Sommer aus?

Lennart Burke: Die Aufregung steigt schon ein bisschen. Aber ich fühle mich gut vorbereitet.

Gerade bist Du in Lorient und machst Refits an deinem Boot. Du hattest bei den letzten Vorbereitungsrennen Probleme mit dem Autopiloten der „Vorpommern“. Was gibt es alles zu tun an deiner Pogo 3?

Mein Autopilot und mein AIS haben ein bisschen gesponnen. Wir haben herausgefunden, dass es nicht an den Geräten selbst lag. Es war ein Kontaktproblem. Wir tauschen einige Kabel aus und überprüfen und erneuern Stecker und Kontakte. Emma, mein Autopilot, bekommt einen neuen Motor eingebaut. Der Rest ist in Ordnung.

Du nennst deinen Autopiloten liebevoll Emma. Was unterscheidet ihn von denen bei einer Vendée Globe?

Wer seinen Autopiloten gut bedienen kann, ist klar im Vorteil. Weil du dich dann besser auf das Trimmen der Segel konzentrieren kannst und mehr Ruhe zum Schlafen und Essen hast. Letztlich ist der Einsatz natürlich auch eine Frage des Energiemanagements. Abhängig von der Sonneneinstrahlung ist, wieviel Energie ich für den Autopiloten habe. Und wieviel ich ihn einsetzen kann.

Der Autopilot ist technisch gedeckelt

Bei der Mini-Transat sind die Autopiloten technisch gedeckelt. Unser Autopilot steuert nur nach Kompass oder Windrichtung. Er bekommt keine weiteren Daten wie Krängung oder die Wellenbewegung eingespeist. Das ist ja der Mini-Spirit: mit einfachen Mitteln den Atlantik überqueren.

Lennart Burke
Die Vorpommern mit den neuen Segeln von Quantum Sails © Alexander Champy McLean

Du hast seit März einen komplett neuen Satz Segel von Quantum Sails. Wie kommst du mit ihnen klar?

Es macht viel Spaß, die neuen Segel auszuprobieren und rauszufinden, wie ich sie am besten trimme. Ich glaube, dass ich da noch viel mehr rausholen kann als bisher. Ich konnte sie bereits bei den drei Vorbereitungsrennen fahren und bei den Trainings. Aber ich konnte nicht so richtig zeigen, wie gut sie segeln, weil ich ja Probleme mit der Elektronik hatte.

Was liegt noch an?

Ich tausche noch das komplette Tauwerk aus. Dann geht das Boot noch mal in die Werft. Wir machen ein neues Antifouling, und am Kiel muss noch ein bisschen Kosmetik gemacht werden. Jetzt gönnen wir der Vorpommern noch mal ein neues Kleid. Das machen aber zum größten Teil Profis. Dann muss ich alles noch mal ausprobieren.

Welche Segel hast du denn an Bord?

In der Mini-Transat sind wir auf sieben Segel begrenzt: die Sturmfock, das Großsegel, ein reffbares Vorsegel, das Cableless Code Zero, einen Spi max, Spi medium und A5.

Im Juni kommst Du noch mal nach Deutschland. Du triffst Sponsoren und Freunde. Wie sieht deine Finanzierung aus?

Wir sind recht gut abgesichert, ich konnte noch weitere Sponsoren finden im Winter. Und mit eurer Unterstützung kann ich auch das Startgeld finanzieren. Ich freue mich riesig, dass ihr mich beim Startgeld unterstützt, und hoffe, dass noch ein paar Leute mitmachen.

Ab Mitte Juli bist Du wieder in Lorient und bringst das Boot ins Wasser. Das letzte Vorbereitungsrennen vor dem Start ist die Mini Gascogne von Le Verdon-sur-Mer durch die Biscaya nach Getxo in Spanien. Das ist ein Vorgeschmack auf die Transat und eine letzte Prüfung des Materials, bevor es ernst wird.

Beim letzten Rennen werde ich alles auf Herz und Nieren testen und belasten. Dann hoffe ich, dass wir nichts mehr machen müssen.

Lennart Burke
Lennart Burke tauscht noch das komplette Tauwerk aus vor dem Start © Alexander Champy McLean

Und dann musst du ja auch schon packen. Was nimmst du mit?

Ich habe mich mit dem Essen ganz gut eingegroovt. Ich nehme pro Tag zwei Tüten vorgekochtes Essen mit, eine Tüte Gefriergetrocknetes und noch ein paar Snacks drumherum. Für die erste Etappe werde ich erst mal für zwölf Tage und für die zweite für 20 Tage einkaufen. Vor dem Start passe ich es vielleicht noch mal an. Außerdem wird natürlich auch ausreichend Wasser gebunkert.

Dann habe ich noch eine kleine Tasche mit gut ausgewähltem Werkzeug. Alles was man zum Spleißen braucht und kleinere Ersatzteile dabei. Sikaflex darf natürlich nicht fehlen! Auch an Medizin mangelt es nicht. Wir haben von der Klassenvereinigung eine lange Liste bekommen. Von Antibiotika bis zum Pflaster ist so einiges dabei.

Wie gut bist Du vorbereitet?

Letztes Jahr habe ich viele Meilen gesammelt und konnte gut mit meiner Vorpommern zusammenwachsen und viele Erfahrung sammeln. Die Mini-Transat ist natürlich noch mal etwas ganz anderes als die Qualifizierungsrennen, hier geht es stärker um Schlafmanagement und wie gut du das Leben an Bord gestaltest.

Vor allem ankommen!

Taktisch kommt es darauf an, viel Ausdauer zu haben und permanent guten Speed zu fahren. Man darf nicht zu stark pushen. Denn es ist wichtig, das alles heil bleibt. Geht etwas kaputt, schwindet die Chance zu gewinnen.

Lennart Burke
Klaren Kopf bewahren und ruhig bleiben, ist seine Devise © Alexander Champy McLean

Und wie gehst du es persönlich für dich an?

Ich will es ruhig angehen. Ich ziehe das Ding durch, will ankommen, einen klaren Kopf bewahren, alles regelmäßig kontrollieren und nicht zu viel Druck machen.
Körperlich halte ich mich fit, ernähre mich gut, versuche vor allem mir selbst zu vertrauen und meinen Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ruhe und Gelassenheit ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg. Und eins mit dem Boot zu werden. Das gelingt mir sehr gut.

Was erhoffst du dir von dem Rennen?

Ich will vor allem ankommen. Manchmal vergisst man, wie groß die Herausforderung ist, auf einem 6,50-m-Regattaboot im Rennmodus alleine den Atlantik zu überqueren. Wenn du im Ziel ankommst ohne weitere Probleme, hast du schon richtig was geleistet. Und dann eine gute Platzierung zu machen, ist wirklich das i-Tüpfelchen! Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Lennart Burke
Die Strecke, die Lennart beim Mini-Transat segeln wird © Mini-Transat

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