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Guter Start mit Glitzerwasser für die 33 Seglerinnen und Segler der Vendee Globe © Jean-Louis Carli/Alea#VG2020
Vendee Globe

Die Vendée Globe der Superlative

Mit dem knappsten Finish seit 1990 endete die Vendée Globe. Hier die spannendsten Zahlen aus 30 Jahren.

von
float Redaktion
in
4 Minuten

Noch vor vier Jahren war die Vendée Globe außerhalb von Frankreich fast nur unter Segel-Fans bekannt. Mit Boris Herrmann als erstem deutschen Teilnehmer und 116 Tagen täglicher Live-Berichterstattung auch auf englisch ist die alle vier Jahre veranstaltete Weltumseglung endgültig international. Heute verabscheideten sich die Organisatoren endgültig, und sie zeigten sich höchst zufrieden: „Sie sehen es nicht, aber wir lächeln unter der Maske.“

Die neunte Auflage hatte schon mit einer Reihe von Rekorden begonnen: Nie zuvor war die Liste der Kandidaten (37 zu 34 im Jahr 2016) so groß. Daraus resultierte die Rekordflotte von 33 Startern (bisheriger Rekord: 30 Segler 2008).

Clarisse Cremer
Clarisse Cremer segelt über die Ziellinie © Adrien Francois/Alea #VG2020

Und mit sechs Skipperinnen gab es die größte Gruppe von Teilnehmerinnen in der Renngeschichte. Mit 25 Booten in der Wertung und zwei weiteren Skipperinnen, die das Ziel außerhalb der Wertung erreichen konnten, war auch die Zahl der „Finisher“ nie so hoch wie 2020/2021.

Unterboten wurde auch der zwei Jahrzehnte alte Frauen-Rekord der Vendée Globe: Clarisse Crémer war mit ihrer Segelzeit von 87 Tagen, 2 Stunden, 24 Minuten und 25 Sekunden sieben Tage schneller als Ellen MacArthur bei ihrem Rekord im Jahr 2001.

Sieben Tage Abstand zwischen Platz 1 und 2

Yannick Bestaven ist mit 48 Jahren der älteste Skipper, der eine Vendée Globe gewonnen hat. Francois Gabart bleibt der Jüngste: Er war 29 Jahre alt, als er im Jahr 2013 gewonnen hat.

Der Abstand von zwei Stunden und 31 Minuten zwischen dem Erstplatzierten Yannick Bestaven und dem Zweiten, Charlie Dalin, ist der kleinste zeitliche Abstand in der Geschichte der Vendée Globe. Er ist noch geringer als der zwischen François Gabart und Armel Le Cléac’h im Jahr 2013 mit drei Stunden und 17 Minuten.

Jean Le Cam wird feierlich in Les Sables dolonnes empfangen
Yannick Besthaven gewinnt die Vendee Globe 2020/2021 mit 48 Jahren © Jean-Lous Carli/Alea #VG2020

Der größte Abstand zwischen dem ersten und zweiten Platz gab es zwischen Christophe Auguin und Marc Thiercelin bei der Vendée Globe 1996/1997. Sie lagen sieben Tage, 11 Stunden 22 Minuten auseinander.

Bei dieser Vendée Globe waren ursprünglich 18 „Bizuths“ unter den 33 Teilnehmern, also Skipper, die erstmals teilgenommen haben. Das entspricht 54,5 %. Vier der Neulinge mussten vorzeitig aufgegeben: Nicolas Troussel, Sébastien Simon, der mit im Southern Ocean gesunkenem Boot havarierte Kevin Escoffier und Isabelle Joschke.

Die Foils schnitten gut ab, wenn sie funktionierten

Vor vier Jahren steckten die Foils noch in ihren Kinderschuhen, wurden eher experimentell betrachtet. Bei dieser Auflage waren sie größer und solider. Die jüngste Foil-Generation platzierte sich gut: Charlie Dalin kreuzte die Ziellinie als Erster und Thomas Ruyant erreichte sie als Vierter, bevor die Zeitgutschriften für die Retter von Kevin Escoffier ins Spiel kamen.

Doch es war nicht leicht für die beiden Imoca-Yachten jüngster Generation. Sie hatten aus unterschiedlichen Gründen Probleme mit ihren Backbord-Foils. In den Rennphasen, in denen sie ihre Steuerbord-Foils in günstigen Segelbedingungen nutzen konnten, waren ihre Foiler höchst effektiv. Dass einige der modernsten Schiffe im Rennen aufgeben mussten, lag nicht an ihren Foils.

Bewährte Boote platzierten sich bestens

Die neunte Auflage verzeichnete mit nur 24 Prozent die niedrigste Ausfallquote in der Renngeschichte. Auffallend waren die guten Ergebnisse von Booten der Generationen 2016 und 2008 im Gesamtklassement. Yannick Bestaven auf „Maître CoQ“ hat die Vendée Globe auf einem Boot mit Foils von 2016 gewonnen.
Louis Burton segelte auf Platz 3. Er war der mit Armel Le Cléac’hs Vendée-Globe-Siegerin „Banque Populaire“ unter dem Namen „Bureau Vallée 2“ im Einsatz. Jean Le Cam hat mit den geraden Schwertern seiner „Yes We Cam!“ von 2008 Platz 4 erkämpft.

Boris Herrmann
Boris Herrmann auf seiner Seaexplorer © Jean-Marie Liot/Alea

Und Boris Herrmann hätte das Rennen auf seiner „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ (ein Foiler von 2016) auf dem Podium abgeschlossen, wenn nicht die Kollision mit einem Fischerboot an seinem letzten Abend auf See gewesen wäre.

Ein Blick auf 30 Jahre

115 Skipper aus 20 Ländern sind seit 1990 bei der Vendée Globe gestartet. Davon sind 49 mehrmals gestartet; aber nur zehn von ihnen haben alle Weltumsegelungen auch erfolgreich beendet. Den Teilnahmerekord halten Jean Le Cam und Alex Thomson mit jeweils fünf Starts.

Bei insgesamt 198 Starts haben 114 Segler das Rennen erfolgreich beendet. Das sind 57,5%. Das heißt: 42,5% haben aufgegeben. Arnaud Boissières kam viermal in Folge erfolgreich an. Bei Armel Le Cleac’h sind es dreimal in Folge – mit zwei zweiten Plätzen und einem Sieg.

Van den Heede
Jean-Luc Van den Heede gewinnt das Golden Globe Race als ältester Teilnehmer © Jean-Marie Liot/Alea

Jean-Luc Van den Heede – der auch das Golden Globe Race gewann, und zwar als ältester Teilnehmer – kam zweimal in Folge an (auf Platz 3 und 2). Alain Gautier schaffte es zweimal in Folge, einmal als Sieger. Michel Desjoyeaux siegte zweimal im Abstand von acht Jahren.

Die erfolgreichsten und vom Pech verfolgte Skipper

Am häufigsten erfolgreich angekommen bei einer Vendée Globe sind Arnaud Boissières und Jean Le Cam (jeweils viermal). Es folgten ihnen Jean Pierre Dick, Mike Golding, Armel Le Cleac’h und Dominique Wavre mit drei Ankünften.

Jean Le Cam wird feierlich in Les Sables dolonnes empfangen
Jean Le Cam © Jean-Marie Liot/Alea

Die vom Unglück am ärgsten verfolgten Skipper der Vendée Globe sind Kito de Pavant (sein Boot kollidierte 2017 mit einem UFO) und Bernard Stamm – mit je drei Starts und drei Aufgaben. Gefolgt von Patrick de Radigues, Thierry Dubois und Javier Sanso, die je zweimal starteten, aber nicht ins Ziel kamen.

Die erfolgreichsten Skipper waren Michel Desjoyeaux (zwei Starts, zwei Siege) und Titouan Lamazou, Christophe Auguin und François Gabart mit einem Sieg bei der ersten und einzigen Teilnahme.

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