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Das Team von Leo Sampson arbeitet an der Tally Ho © Leo Sampson
Refit-Projekt

Die Weihnachtsplanken

Leo Sampson und seine Crew lernen beim Aufplanken schnell dazu. Neue erfundende Werkzeuge helfen dabei.

von
Tommy Loewe
in
6 Minuten

Pünktlich zu Weihnachten hat es in Sequim geschneit, und es sieht in Leo Sampsons Werft ein bisschen aus wie im Stall zu Bethlehem. Nur dass es hier keine Kühe und Esel gibt, sondern Hühner, Hunde und Pancho, die Papageiin, die um die „Tally Ho“ herumlaufen.

Und hier gibt es nicht nur einen Zimmermann, sondern sechs – und eine Zimmerfrau namens Rosie. Eine echte Botschaft gibt es auch: Helft euch gegenseitig. Denn dann ist das Refit-Projekt viel mehr als nur der Bootsbau eines Enthusiasten, der es schafft, ein paar Leute vor Ort zum Mitmachen zu bewegen. Dann werden tausende Follower ihn weltweit mit Spenden unterstützen.

Tally Ho Schnee
Die Werft im Schnee © Leo Sampson

Die Restaurierung der Tally Ho ist kein karitatives Projekt. Und doch ist Leo Sampson ein Beispiel dafür, was man mit Willen und Empathie schaffen kann und dies auch medial transportieren kann. Leo wird, so sein Plan, den Gaffelschoner Tally Ho vielen Menschen zur Verfügung stellen. Nicht nur, um darauf das Seefahrer-Handwerk zu erlernen, sondern auch für ein friedliches, fröhliches Miteinander.

Ein gutes Team baut ein gutes Schiff

Die Hühner, die im Schiffsrumpf herumlaufen, lassen die Crew zwar von Noahs Arche fantasieren, aber das war’s dann auch schon mit der Bibel. Die Schöpfung, die hier stattfindet, ist ein grundsolides Schiff, gut durchdacht und von geschulten und motivierten Schiffszimmerleuten gebaut. Es sieht so aus, als hätte Leo Sampson sein ideales Team gefunden, das ihm lange treu bleiben wird. Leo gibt ihnen in seiner aktuellen Video-Episode den Raum, sich selbst vorzustellen.

Tally Ho Huhn
Huhn Nummer 1in der Arche Noah © Leo Sampson

Pete, der Profi

Pete kennt sein Handwerk von vielen Schiffsbaustellen wie kein anderer. Der Freelancer, der etwas knorrig wirkt, bindet mit Geduld und trockenem Humor die unerfahreneren Volunteers in sein Team ein, das die Beplankung vom Kiel ausgehend nach oben übernimmt.

Tally Ho Schnee
Pete setzt die Bolzen © Leo Sampson

Zusammen mit Rowan macht er die Bolzen für die Verbindung von Knie und Balkweger und setzt sie ein. Einige bleiben noch frei. Hier werden später die Rüsteisen (die Chainplates) gegengebolzt, die die Kraft aus dem Rigg aufnehmen. Das sollte eigentlich Pete erklären doch der ist in den Weihnachtsurlaub geflüchtet jetzt muss Leo ran.

Rosie, die Lernende

Es wird viel gelacht auf der Baustelle, wo die Tally Ho neu entsteht. Rosie, die bisher einzige Frau im Team und auch die erste Auszubildende, hat schöne Holzhocker gebaut. Sie ist stolz, jetzt an diesem großen Projekt zu arbeiten. Sie lernt dabei von Pete und Leo Bootsbau von der Pike auf.

Tally Ho Rosie
Rosie stellt sich lachend vor © Leo Sampson

Im Moment ist sie für die saubere Ausführung der Laschen (der Buttblocks) aus Purple-Heart-Holz zuständig, die hinter den Plankenstößen sitzen. Ausmessen, schneiden, fräsen, anpassen, bohren und festnieten – alles ist fest in Rosies Hand. In ihrer Freizeit streift sie gern durch den Wald der Olympic Peninsula, dem großen Nationalpark an der Westküste des Bundestaats Washington.

Traum-Ort für Daniel und Matt: die Olympic Peninsula

Die Halbinsel hat es auch Matt und Daniel angetan. Die beiden Brüder aus Washington gehen für ihr Leben gerne gemeinsam campen. Matt freut sich über die Volunteer-Stelle bei Leo. So kann er auf „seiner“ Halbinsel leben und etwas Sinnvolles tun. Seinen jüngeren Bruder Daniel hat er mitgebracht.

Gemeinsam bilden sie jetzt das Niet-Team. Matt hat alle 4000 Nieten an der Maschine gestanzt. Jetzt üben sich beide im Wettstreit, wer die schönsten Nietköpfe hämmert. Daniel findet es „super-befriedigend“, so sagt er, an dieser wichtigen Arbeit beteiligt zu sein.

  • Tally Ho RosieDanny, der jüngere Bruder von Matt © Leo Sampson
  • Tally Ho RosieMatt mit Planke Nummer 6 © Leo Sampson
  • Tally Ho RosieZusammen bilden sie das Niet-Team © Leo Sampson

Ein Koch wird Schiffszimmerer

David ist eigentlich Koch, er kommt aus der Bay Area nahe San Francisco. Die Liebe zum Holzhandwerk hat ihn aus der hektischen, heißen Küche gelockt und ihn nach vielen Projekten zu Tally Ho geführt.

Ein Tischler-Job in Seattle bringt ihm etwas Geld ein, und sein Arbeitgeber stelt ihn freundlicherweise für die Arbeit an Tally Ho frei. Hier hämmert, schleift und poliert er, dass es eine Freude ist. Im Moment schneidet David das überstehende Teerfilz von den glänzenden Bronze-Wrangen und Knien, nachdem sie fest gebolzt sind, um das Innere des historischen Schiffs aufgeräumt und sauber aussehen zu lassen.

Tally Ho David
David und die Planke © Leo Sampson

Rowan, der Lichtkünstler

Und der fröhliche Rowan aus Brooklyn? Nachdem er vor anderthalb Jahren ein Praktikum bei Leo absolviert hatte, fuhr mit seinem Mini-Van durchs Land und arbeitete an verschiedenen Projekten mit. Jetzt zog es ihn wieder nach Sequim, wo er in der Tally-Ho-Werkstatt gut gelaunt einfache Handlanger-Jobs macht. Seine Liebe gilt Laser-Lightshows. Er träumt davon, Klänge, die bei der Arbeit entstehen, mit einer kleinen Magic Box in Bildprojektionen zu verwandeln.

  • Tally Ho RosieRowan und Huhn © Leo Sampson
  • Tally Ho RosieRowans Licht-Zauberkasten © Leo Sampson
  • Tally Ho RosieRowan schlägt Bolzen ein © Leo Sampson

Nachbarschaftshilfe

Dass es beim Refit-Projekt Tally Ho nicht nur um Bootsbau geht, zeigen uns zwei andere Davids und Daniels. Als es die Zylinderkopfdichtung von Matts geliebtem 1994er Mazda (Ford B3000) zerreißt, bittet Leo die beiden um Rat.

Als alte Ford-Experten schreiten die Zwillinge gleich zur Tat. Und nach einem sonnigen Nachmittag ist Matts Pickup-Truck wieder einsatzfähig. Für Daniel ist der Einsatz selbstverständlich, denn er schätzt die Tally-Ho-Crew: „Was ihr hier macht, hat einen riesigen positiven Einfluss auf viele Menschen in der ganzen Welt“, sagt er. „Das ist ein viel größeres Ding als nur Tally Ho.“ Schön, wenn Leute so denken.

Die Kunst des Nietens

Aber es geht natürlich auch um Bootsbau in der aktuellen Video-Episode. Leo Sampson erklärt, was Klinkscheiben (also Clench Rings) sind. Das sind die Scheiben, die innen auf die Nieten aufgeschlagen werden. Über sie wird der Nietkopf gestaucht, um die Hölzer fest zu verbinden. Erst hat Leo sie bei seiner Lieblingsgießerei, der Port Townsend Foundry, fertigen lassen. Doch das war zu aufwändig und auch zu teuer.

Tally Ho Klinkscheiben
Pancho, Leo und die Klinkscheiben © Leo Sampson

Dann hat Leo seinem Bekannten Kyle Smith ein Muster in die Hand gedrückt. Dessen Vater Roger ist Inhaber von RD Smith Manufacturing, einem Feinmechaniker-Betrieb in Indiana. Dort wird mit CNC-Drehbänken arbeitet. Drei Tage später kam bereits das erste Paket mit 500 Klinkscheiben aus Kupfer – vermutlich zum Selbstkostenpreis, wenn Leo überhaupt dafür zahlen mußte.

Leo, der Spezialwerkzeug-Erfinder

Bei einem so speziellen Projekt wie dem Tally-Ho-Refit fehlen immer wieder Werkzeuge. Leo muss sie neu erfinden und dann bauen.
So entwickelte er eine beeindruckende Evolution der Nieten-Gegenhalter (englisch Bucking Iron oder Dolly genannt). Vom einfachen bleigefüllten Eisenrohr, das dann Griffe bekam, ging es über einstellbare Stahlrahmen mit langem Hebel bis zu speziell angefertigten Schraubzwingen. Sie ermöglichen es, einen Job, der bisher zwei Bootsbauer erforderte, alleine zu erledigen.

  • Tally Ho RosieVom bleigefüllten Eisenrohr mit Griffen ... © Leo Sampson
  • Tally Ho Rosie... über einstellbare Stahlrahmen mit Hebel... © Leo Sampson
  • Tally Ho Rosie... zu speziellen Schraubzwingen © Leo Sampson

Auch der Bolzenschneider wurde zum State-of-the-Art-Werkzeug. Damit werden die Nieten auf die optimale Länge über der Klinkscheine gestutzt. Das spart viel Zeit – ein wesentlicher Faktor, an dem schon so manches Restaurations-Projekt gescheitert ist.

Der Chef plankt mit

Und dann sieht man Leo Sampson doch wieder selbst beim Plankensägen, hobeln und ansetzen. Rosie liefert ihm die entsprechenden Schmiegen – den Winkel, wie die Planke an die vorige ansetzt. Dazu nimmt sie die Maße mit dem Schmiegstock an den einzelnen Spanten ab und überträgt sie in ein Buch, nach dem Leo die Planken sägt. Das ist optimale Arbeitsteilung.

  • Tally Ho RosieSägen im Dunkeln © Leo Sampson
  • Tally Ho KlinkscheibenBugbandbolzen sitzt in der Mitte © Leo Sampson
  • Tally Ho RosiePlanke Nummer 5 oben © Leo Sampson

Zu Weihnachten sind schon 31 der gut 100 Planken fest installiert. Es ist eher ein Marathon als ein Sprint. Durch Training und Optimierung der Arbeitsläufe wird das Team immer schneller. Gut dass die Planken so flexibel sind und sie keine Dampfkiste brauchen.

Tally Ho Klinkscheiben
Abendstimmung © Leo Sampson

Nach diesem Spirit wird Tally Ho bis Ostern voll beplankt sein. Doch jetzt haben sich alle ein paar ruhige Weihnachtstage gegönnt.

Hier könnt ihr Leo Sampsons Refit-Projekt Tally Ho unterstützen.

Christmas Planking Special! (EP88 / Tally Ho / Boatbuilding)

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