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fallback hero image Wo die Holzspäne aus den Maschinen fliegen © Unsplash
Refit-Projekt

Wo die Holzspäne aus den Maschinen fliegen

Wie ein Wald wachsen die Spanten von Tally Ho in die Höhe. Wir erfahren, wo Leo seine Leute findet, und welche Fachkräfte er vermisst.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Es ist geschafft! Mit Hilfe der beiden Volunteers Renaud und Rowan hat Leo vor kurzem den gesamten neuen Vorsteven aufgebaut und fest gebolzt. War ein hartes Stück Arbeit – aber jetzt passt alles haargenau zusammen und ist mit dicken Silizium-Bronze-Bolzen verschraubt, das hält für die nächsten 100 Jahre.

Nun geht es an die restlichen Spanten

Zeit, den nächsten Bau-Abschnitt anzugehen: die restlichen Spanten bauen und aufstellen. Seit zwei Jahren ist Leo nun schon damit beschäftigt, den 1908 gebauten Lotsenkutter „Tally Ho“ wieder seetüchtig zu machen.

52 Videos haben seit Anfang her in schöner Regelmäßigkeit den jeweiligen Baufortschritt verbreitet und das Projekt derart bekannt gemacht, dass freiwillige Helfer Schlange stehen. Leo genießt den beneidenswerten Luxus, auf erfahrene Mitarbeiter zurückgreifen zu können und zugleich neue anzulernen.

Tally Ho
Die Albert Strange Association unterstützt das Projekt finanziell © Leo Sampson

Finanzierung durch Crowd Funding

Die Albert Strange Association finanziert einen Teil der Kosten durch Crowd Funding, nur so lässt sich solch eine Mammut-Aufgabe stemmen. Unverzichtbar sind aber auch wohlwollende Freunde – und natürlich der nimmermüde und wohl organisierte Motivator selbst: Leo.

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Sogar seine Freundin Cecca steht freiwillig hinter dem Projekt zurück: Irgendwann muss sie wieder zurück nach England, und auch für den wackeren Renaud ist es nach vier lehrreichen Wochen Zeit, „Au Revoir“ zu sagen.

Über allem thront das gewaltige Gerippe

Doch schon betreten neue Volunteers den Bauplatz: Finn, immer gut gelaunt und bereits erfahren mit der „Tally Ho“, sowie Patrick, ein Senior aus Portland. Sie waren schon bei der ersten Frame-Raising-Party dabei. Leos alter Freund Joe aus Bristol kümmert sich derweil ums Filmen.

Tally Ho
Finn ist wieder da... © Leo Sampson
Tally Ho
... und Patrick auch. © Leo Sampson
Tally Ho
Jordan © Leo Sampson
Tally Ho
Julian © Leo Sampson

Neu dabei sind Jordan aus Brighton und Julian aus Seattle. Beide haben das Projekt schon lange auf den Videos verfolgt und beschlossen, jetzt endlich selbst mitzuwirken. Außerdem an Bord: Matthew aus San Francisco, der dort für gewöhnlich Software entwickelt. Der Büroarbeiter ist begeistert von der körperlichen Betätigung mit Holz, von Maschinen, aus denen die Holzspäne fliegen. Und von dem über allem thronenden gewaltigen Gerippe der „Tally Ho“, das langsam aber sicher von einem vermoderten Wrack zu einem neuen Schiff mutiert.

Tally Ho
Matthew © Leo Sampson
Tally Ho
Filmen gehört dazu © Leo Sampson

Wie stellt man einen Trunnel her?

Doch bis zum Relaunch, dem zweiten Stapellauf, ist es noch ein weiter Weg. Zu Schulungszwecken hat Leo einige Spanten in verschiedenen Arbeitsschritten vorbereitet. So können die Neuen unter Anleitung der erfahrenen Team-Mitglieder alle Arbeitsschritte fast parallel lernen. Dazu gehören auch unverzichtbare Nebenarbeiten: das Reinigen einer Schiffssäge, den Bau von Trunnels (Holznägel) und das Schärfen der Klingen des Dickenhobels (78 Schrauben).

  • Tally HoDer Rohling © Leo Sampson
  • Tally Howird rund geschliffen © Leo Sampson
  • Tally HoIn Stücke geschnitten © Leo Sampson
  • Tally Hozum Schluss noch eingeschlitzt © Leo Sampson
  • Tally Ho... und fertig sind die Holznägel © Leo Sampson

In der ersten Woche wird mit halber Kraft gearbeitet, um das Lernen zu erleichtern. Jedes Spant besteht aus zwei Hälften, die jeweils aus zwei bis drei Teilen versetzt gelascht werden, die Berührungsflächen mit Bleimennige eingestrichen und mit den Trunnels verbunden. Die halten besser als Stahl oder Bronze.


direkt zum Video

Leo hat vorher alles dokumentiert

Zunächst werden die Patterns (Schablonen) vom Schnürboden abgenommen und auf das Krummholz aus Live-Oak (Virginia-Eiche) gelegt, um möglichst den Faserverlauf im Schwung des Rahmenspant-Abschnitts zu haben. Dann grob mit der großen Kettensäge ausgesägt – hierin sind Finn und Leo die Spezialisten.

Der Feinschnitt erfolgt auf der großen Schiffs-Bandsäge, Hölzer auf Dicke hobeln, anpassen, zusammensetzen, mit Holznägeln vernageln und mit dem Bandschleifer glatt schleifen. Jetzt können die fertigen Spantenhälften in den Rumpf eingesetzt, ausgerichtet die Füße genau angepasst und ganz zum Schluss befestigt werden.

Ziemlich viele Arbeitsschritte – doch Leo hat vorher genau dokumentiert, wann-wer-was macht und wann der Arbeitsschritt fertig sein soll. Nach den ersten fünf Tagen zieht er das Arbeitstempo langsam an und selbst Rohan kommt schon an seine Grenzen. Er sagt‘s mit einem Lächeln – ist wohl nur ein Witz.

Tally Ho
Morgen-Briefing © Leo Sampson

Für Tea Time bleibt immer genug Zeit

Nach der ersten Woche stehen die Spantenpaare Nr. 5 und Nr. 9 komplett! Im Morgen-Briefing schwört Leo sein Team darauf ein, den Takt noch einmal zu erhöhen: Ab nächster Woche ein Spantenpaar pro Tag, doch das ist kein Problem bei seiner guten Vorbereitung.

Zum Glück bleibt trotzdem immer Zeit, die britische Tea Time zu zelebrieren. Zum Abschluss der ersten Woche gibt es dann aber doch einen Sekt. Die spannende zweite Woche der Frame Raising Party kann kommen.


direkt zum Video

Wo sind die Frauen?

Trotz des tollen Projekts und guten Stimmung im Team sei die Frage erlaubt: Warum gibt es eigentlich keine Frauen auf der Werft? Man sieht sie allenfalls kochen. Am Anfang dieses Videos spricht Leo das selbst an: Er wolle keinesfalls den Anschein erwecken, dass bei ihm im Geiste der 1950er-Jahre Männer-dominiert gearbeitet wird.

Tally Ho
Und wieder kocht eine Freundin... © Leo Sampson

Tja, wo also sind sie? Überall auf der Welt gibt es gute Bootsbauerinnen, manche leiten ganze Werften. Warum nur taucht keine bei Leo auf? Vielleicht werden wir es ja noch erleben, der Stapellauf ist schließlich erst für Sommer 2021 angesetzt.

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