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In diesem Fass überquert der 72-jährige Jean-Jacques Savin den Atlantik © TESA In diesem Fass überquert der 72-jährige Jean-Jacques Savin den Atlantik © TESA
Atlantiküberquerung

Diogenes hat es geschafft!

Jean-Jacques Savin hat nach 122 Tagen und 9 Stunden den Breitengrad ins karibische Meer erreicht und sein Ziel erreicht.

Kerstin Zillmer
von in
3 Minuten

Er ist der mit Abstand speziellste Atlantiküberquerer seit langem. Jean-Jacques Savin, 72, driftet seit vier Monaten in einem Holzfass über den Atlantik um den Rekord seines Vorbild Alain Bombard zu brechen. Der hatte es 1952 mit einem Schlauchboot bis in die Karibik geschafft. Gestern hat Jean-Jacques ihn überholt. Seine Mission ist erfüllt, berichtet er stolz aus seinem Weinfass. Der Abenteurer hat gestern Abend um 22 Uhr nach 122 Tagen und 9 Stunden den Breitengrad in die Karibik überquert.

Jean-Jacques Savin

Projekt TESA © Savin

Jean-Jacques Savin

Jean-Jacques Savin in der Tonne © Savin

Vier Monate auf 6 qm im Atlantik

Der Fass-Kapitän machte sich am 26. Dezember von der Insel El Hierro auf den Kanarischen Inseln auf den Weg, um den Atlantik nur mit Hilfe der Drift zu überqueren. Abenteuerlust und Freiheitsdrang waren sein Motor in den vier Monaten, die er völlig allein in seinem für das Meer präparierten Weinfass verbrachte. Das Fass mit einem Durchmesser von zwei Metern war in einer französischen Küferei in Arès (Gironde) gebaut worden und ist knapp drei Meter lang. Um seetauglich zu sein, war es mit Epoxy laminiert und leuchtend Orange angestrichen worden.

Platz genug ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. Auf 6 qm hat Savin einen Schlafplatz, eine Sitzecke, eine Küchenzeile, einen Kartentisch und etwas Stauraum. Für ein Bad war kein Platz, das nimmt er täglich im Atlantik. Rundherum kann er aus kleinen Bullaugen alles beäugen, was um ihn herum passiert. Wenn zum Beispiel Tanker seinen Weg kreuzen und er gerade noch davon kam. Bullauge im Boden, durch das er die Fische beobachten kann.

Das Essen wird knapp

Sein großes Vorbild Alain Bombard, ist bekannt durch seine wissenschaftlichen Studien zur Überlebensfähigkeit von Schiffbrüchigen. Er hatte sich im Selbstversuch 1952 mit einem Schlauchboot über den Atlantik gewagt. 65 Tage war er unterwegs, angeblich ohne Trinkwasser und Lebensmittel an Bord seines Gummiboots. Ernährt habe er sich von Fischen, deren ausgepresste Flüssigkeit er als Trinkwasser genutzt habe. Auf seinem 4,50 Meter langen Schlauchboot hatte er weder GPS noch Satellitenortung, anders als sein Schüler. Bombard landete auf Barbados.

Ich habe angefangen zu rationieren

Jean-Jacques Savin kann nun seit einer Woche keine Fische mehr fangen, denn seine Harpune hat keine Pfeile mehr. Fische stellen seine Hauptmahlzeit dar, er pökelt sie an der Sonne seiner Tonne, um sie nicht völlig roh essen zu müssen. Statt der wichtigen Omega-3-Fettsäuren bleiben ihm jetzt nur noch ein paar Dosen Tunfisch. Auch nach 4.700 km (geradlinig gerechnet) ist dieser alte Mann immer glücklich. Er badet jeden Tag und schreibt wunderschöne Nachrichten aus seiner Tonne.

Endlich in der Karibik angekommen, plant Jean-Jacques, das Foto seiner GPS-Vermessung zu veröffentlichen, um seine Ankunft zu verbriefen. Wenn er in etwa einer Woche in Küstennähe ist, will er ein Frachtschiff finden, das ihn mit seinem Fass transportieren kann. Im Idealfall wird er so nach Martinique gefahren, wo seine Freundin und Freunde auf ihn warten.

Jean-Jacques Savin

Die letzten Seemeilen mit einem Frachter © Hudson Hintze

Warten auf einen Frachter wie ein Anhalter

Es gibt allerdings keine Möglichkeit für ihn, ein Notsignal zu senden, das sicherstellt, dass er von den Rettungsdiensten betreut wird. „In diesem Fall würden wir das Fass versenken. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass es auf den Grund des Wassers geht“, sagt er. Zumal sein „Begleiter“, wie er ihn nennt, Gegenstand von Ausstellungen bei Festivals und anderen Veranstaltungen sein soll, wo der Held sich feiern lassen möchte. Es sei ihm gegönnt!

Jean-Jacques Savin

Der Held im Weinfass © Hudson Hintze

Es haben auch schon andere früher auf verrückte Weise den Atlantik überquert. So berichtete float über zwei junge Finnen, die mit einem 4,30 m langen Motorboot mit dem passenden Namen Psycopaatilla über den Atlantik fuhren, vom Kurs abkamen, von einem Frachtschiff aufgenommen wurden, sich wieder aussetzen ließen, dann mit ihrem Boot kenterten und zum Schluss tatsächlich ankamen. Auch eine tolle Geschichte.

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