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In diesem Fass überquert der 72-jährige Jean-Jacques Savin den Atlantik © TESA In diesem Fass überquert der 72-jährige Jean-Jacques Savin den Atlantik © TESA
Atlantiküberquerung

Diogenes sticht in See

Der 71-jährige Franzose Jean-Jacques Savin ist heute zu seiner Atlantiküberquerung in einer Tonne aus Holz gestartet.

Kerstin Zillmer
von in
4 Minuten | 4 Kommentare

Er tut es wirklich! Jean-Jacques Savin ist heute von El Hierro aus in seinem Holzfass in See gestochen, oder besser: losgedriftet. Ende November lief die Nachricht über die Medienkanäle, dass ein 71-jähriger Franzose in einem marinisierten Weinfass nur mit der Strömung über den Atlantik treiben will. Das hielten manche für eine witzige Medienkampagne der französischen Küferei, die das Fass gebaut hat und das Projekt begleitet.

Andere hielten es schlicht für Altersschwachsinn, gepaart mit einer großen Portion Naivität. Denn auch wenn der Mann ein ehemaliger Fallschirmspringer und Triathlet ist, hat er bisher keine Erfahrung mit Atlantiküberquerungen. Und schon gar nicht in diesem skurrilen Gefährt.

Jean-Jacques Savin

Der Fasskapitän legt ab © Savin

„Das Wetter ist toll. Ich habe einen Seegang von einem Meter und bewege mich mit zwei oder drei Kilometern pro Stunde“, sagte Jean-Jacques Savin telefonisch der Nachrichtenagentur AFP, nachdem er von El Hierro aufgebrochen war. „Meine Kapsel verhält sich bisher sehr, sehr gut.“ Bis Sonntag sind günstige Windverhältnisse vorhergesagt.

Wie wird sich das Fass im Laufe der Reise in der Welle verhalten? Es hat zwar einen Kiel, aber gerät der Fasskapitän in einen Sturm, wird er sich in seiner Tonne wie im Schleudergang fühlen. Wird die Packung mit der Medizin gegen Seekrankheit ausreichen? Kennt er auch alle anderen Tricks gegen Seekrankheit?

Jean-Jacques Savin

Savins Fass verlässt El Hierro © Google Maps / Spot LLC

Jean-Jacques Savin wird sicher kein Klaustrophobiker sein, denn seine Reise wird etwa drei Monate dauern. Seine Behausung für diese Zeit ist drei Meter lang, 2,10 m breit und wiegt 450 kg. Damit er sieht, wohin er dümpelt, hat er kleine Bullaugen einbauen lassen. Und damit er nicht von Containerschiffen einfach über den Haufen gefahren wird, hat er das dicke runde Ding leuchtfarben angestrichen.

Jean-Jacques Savin

Letzte Vorbereitungen vor dem Start © Savin

Transat in der kleinsten Tonne

Platz genug ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. So hat Salvin in seiner Tonne einen Schlafplatz, eine Sitzecke, eine Küchenzeile, einen Kartentisch und etwas Stauraum. In einem letzten Video vor seiner Abfahrt – gedreht in Restinga, dem südlichsten Punkt der Kanaren-Insel El Hierro – zeigt Savin, wie er in den kommenden drei Monaten an Bord leben wird: Seinen Vorrat an Nahrungsmitteln für einen Monat bewahrt er in einem großen Schapp auf, direkt neben der Spüle und dem kardanisch aufgehängten Kocher. Zwei 3-kg-Flaschen Gas, so schätzt der Fass-Pilot, werden für die geplanten drei Monate Drift bis in die Karibik ausreichend sein. Zwiebeln und Knoblauch hängen lose im Netz von der Decke.

Jean-Jacques Savin

Projekt TESA © Savin

Jean Jaques Savin

Jean Jaques Savin in der Tonne © Savin

Gegenüber der Pantry, an der Steuerbordwand, hat Savin seine Schlafliege platziert. Mit Gurten kann er sich selbst fixieren, damit er bei rollender See nicht aus dem Bett fällt. Direkt daneben ist sein Navigationstisch mit Pad, Satellitentelefon und GPS. Am hinteren Ende des traditionell aus Holz gefertigten und mit Epoxy laminierten Fasses ist die Bordelektrik untergebracht. Direkt davor ist der „Salon“ mit einem bequemen Sitz direkt unter dem Bullauge in der Heckbordwand.

Über zwei parallel stehende Leitern geht es, wie bei einem U-Boot hinaus an die frische Luft. Licht kommt durch komplett verschließbare Bullaugen ins Fass. Für ein Bad war kein Platz, da muss wohl die Pütz reichen. Einen Fernseher hat er auch, nämlich ein Bullauge im Boden – mit Blick ins Meer direkt unter dem Boot. Das Programm: der Atlantische Ozean von null bis 24 Uhr.

Savin führt durch sein Fass

Der ehemalige Fallschirmspringer kennt sicher das Gefühl, nicht zu wissen, wo genau man landet. „Wohin es geht, weiß ich nicht genau, Barbados oder Guadeloupe“, sagte der Triathlet der französichen Nachrichtenagenur AFP. Er wolle „das Gefühl von Freiheit“ erleben und „den Reichtum und die Tierwelt des Meeres bewundern“.

UPDATE: Stimmt die Richtung noch?

Jean-Jacques Savin hat zu Neujahr eine Botschaft aus der Tonne gesendet. Alles erdenklich Gute für dieses Jahr 2019 wünscht er allen. Seit acht Tagen treibt der Franzose nun in seiner signalfarbenen Tonne im Atlantik. Auf dem Lifetracker hat sich Jean-Jacques Postion aber schon ungünstig nach Nordwesten verschoben.

Er wird derzeit vom Südostwind auf die Südwestseite des Azorenhochs getrieben und damit nicht in Richtung Karibik. float-Autor Sebastian Wache von Wetterwelt sieht das Projekt schon jetzt zum Scheitern verurteilt. Mehr dazu im float-Update Message from the Barrel.

Großes Vorbild ist Alain Bombard

Savins großes Vorbild ist Alain Bombard, bekannt durch seine wissenschaftlichen Studien zur Überlebensfähigkeit von Schiffbrüchigen. Er hatte sich im Selbstversuch 1952 mit einem Schlauchboot über den Atlantik gewagt. 65 Tage war er unterwegs, angeblich ohne Trinkwasser und Lebensmittel an Bord seines Gummiboots. Ernährt habe er sich von Fischen, deren ausgepresste Flüssigkeit er als Trinkwasser genutzt habe.

Jean-Jacques Savin

Der Blick auf den Atlantik © Savin

Bombard landete auf Barbados. „Aber ich heiße nicht Alain Bombard“, kontert Savin. „Ich wäre damals nicht mit ihm losgefahren.“ Wie er sich ernähren wird, werden wir sicher noch erfahren. Wenn der Jean-Jacques nach Silvester noch immer in Feierlaune ist, kann er auch seinen 72. Geburtstag an Bord seiner Tonne begehen. Am 14. Januar ist es soweit, wo auch immer der abenteuerlustige Franzose im Fass sich dann befindet.

Dem Fass folgen

Jean-Jacques Savins jeweils aktuelle Position auf dem Atlantik zeigt der Live-Tracker.

4 Kommentare

andreas /

Nun, ich denke da ebenso etwas kritisch:
Die Tonne hat nur EINE Öffnung, durch die ein Mensch passt; alles andere sind Mini-Bullaugen.
Was passiert, wenn gerade diese Lunke hängt, fest sitzt oder sonst nicht zu öffenen ist?

Antwort
Reinhard Fuß /

Im Erfinden von Blödsinn zur Selbstdarstellung sind die 1,5kg menschliche Hirnmasse in der gesamten belebten Schöpfung nicht zu übertreffen -Chapeau!

Antwort

Und wie kommt er wieder in sein Faß, wenn er es unterwegs – aus welchen Gründen (und deren gibt es mehrere), mal verlassen muß? Muß, meine ich! Das Dingens hat ja nichtmal ’ne „Badeleiter“! Ich habe die Seefahrtsbehörden schon wesentlich besser durchdachte Projekte verhindern sehen! Aber ein Fallschirmspringer ist für den Staat (welchen auch immer) halt eine „Vertrauensperson“ und wird kritiklos „durchgewunken“, selbst wenn er in naivester Weise sein Leben riskiert (und das potentieller Retter gleich mit – Armeeideologie …) Da sollte wenigstens ein Begleitboot mit …
sancta simplicitas

Antwort
Stefan Gerhard /

Wenn JJ Savin mal muss? Da gibt es nur die Pütz, wie in unserem ersten Artikel zu lesen: https://bit.ly/2PLD8Ci

Antwort

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