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Eiszeit an Bord Eiszeit an Bord in der Marina Kas © Jens Brambusch
Überwintern auf dem Boot

Eiszeit an Bord

Segelaussteiger Jens Brambusch überwintert an Bord seiner Moody 425 an der türkischen Südküste. Nicht immer ist alles eitel Sonnenschein.

Jens Brambusch
von in
7 Minuten

Dieses Jahr soll der Winter härter sein als alle vorherigen. Sagt Elaine. Die Britin überwintert das vierte Jahr in Kaş. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten leben die beiden von Überführungstörns. So einen kühlen und nassen Winter hätte sie noch nicht erlebt, sagt Elaine, die bibbernd vor dem Heizlüfter unter Deck sitzt. Sobald wieder Geld in der Kasse sei, wolle sie eine Diesel-Heizung einbauen. Derweil verkriecht sie sich nachts unter einer elektrischen Wärmedecke. Die fünf Euro, die ein durchlaufender Heizlüfter verbraten würde, spart sie lieber.

Eiszeit an Bord

Ismael aus Istanbul radelt durch die Marina Kaş © Jens Brambusch

Ich liege in Kaş, dem südlichsten Punkt der Türkei. Viele Segler, die auf ihren Yachten überwintern, kommen hierher. Wie Mark, der Südafrikaner, der Schotte Jim, Aannscha und Barry aus Australien – oder Ismael aus Istanbul. Die ersten Winter auf seiner Wanda hatte er in Datça verbracht, 120 Seemeilen weiter westlich. Aber dort ziehen im Herbst und Winter heftige Stürme die Ägäis entlang. In Kaş ist es vergleichsweise mild. Trotzdem verirren sich nur wenige Gastlieger in den Wintermonaten hierher. Die letzten kamen Ende November, ein amerikanisches Paar, auf dem Weg mit ihrer Yacht nach Ägypten.

Im Winter ist das Mittelmeer ungemütlich, ein unberechenbares Biest. Wind und Wetter sind kaum kalkulierbar, Fahrtensegeln kann zum Fiasko werden. Schwer vorstellbar, dass die Region um Kaş im Sommer ein Schwachwindrevier ist. Die Windvorhersagen sind oft unzuverlässig. Selbst die geschütztesten Ankerbuchten können zur Falle werden, wenn plötzlich Böen mit bis zu zehn Windstärken aus dem eben noch spiegelglatten Wasser ein Wellenbad machen.

Eiszeit an Bord

Schöne, aber kalte Sonnenuntergänge © Jens Brambusch

Vier Jahreszeiten in 24 Stunden

Das Wetter verläuft wie im Zeitraffer. Vier Jahreszeiten in 24 Stunden. Morgens, wenn die Sonne hinter den Ausläufern des Taurusgebirges aufsteigt, liegt die Temperatur noch im Keller. In der Nacht fällt sie im Januar nicht selten auf drei bis vier Grad. In wolkenlosen und windstillen Phasen ist tagsüber ein Sonnenbad in kurzer Hose und T-Shirt aber möglich. Das Wasser ist immer noch angenehm warm. Bei unserem Weihnachtsausflug sprangen wir in der Ankerbucht vor lykischen Felsengräbern über Bord. An schönen Tagen geht es raus aufs Meer, ein paar Stunden segeln, ankern, grillen an Bord. Mal nur mit einem Boot, mal mit zweien oder dreien.

Eiszeit an Bord

Zusammen segeln, ankern und grillen an Bord © Jens Brambusch

Die Bedingungen auf dem Wasser ändern sich schnell. Als ich Anfang Januar zusammen mit einem Freund, der mich besuchte, das neue Jahr mit einem kleinen Schlag begrüßte, hatten wir herrliches Segelwetter. Sonne und Wind. Nachmittags saßen wir in einem Café und genossen die Sonne. Dann kam die Sintflut. Schlagartig verfinsterte sich der Himmel, Blitze zuckten durch die tiefschwarzen Wolken, in Böen pfiffen die Masten wie ein schäbiger Shantychor, begleitet vom Trommeln des Regens auf dem Deck.

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