float Magazine

© Eva Lütkenhaus
Kalender für Seenotretter

Eva liebt die Stille

Jens Brambusch schreibt im Mai über Eva Lütkenhaus im Foto-Kalender 2020 zu Gunsten der Seenotretter.

von
Jens Brambusch
in
3 Minuten

Sie liebt diesen Moment, in dem der Motor verstummt und die Segel den Wind einfangen. Die Winschen knarzen noch einmal, leise ächzen die Schoten. Und dann ist da nichts als das Plätschern des Wassers am Bug, dieses Gefühl von unendlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Allein mit der Natur, mit Wind und Wetter. Nichts könnte schöner sein.

Wie konnte sie das nur vergessen? Als Kind verbrachte Eva fast jedes Wochenende, alle Ferien auf einem Segelboot in Holland. Ihr Vater hatte eine „Waarship“ nach einem Bausatz selbst gebaut, eines jener kurzkieligen Holzboote mit Bermudarigg, die so bekannt sind für die Niederlande. 5,70 Meter Wohligkeit. Wenn Eva an diese Zeit zurückdenkt, dann hört sie ein Pfeifen. Es ist das Pfeifen des Wasserkessels auf dem Herd in der engen Kajüte. Sie muss nur daran denken, dann hat sie wieder dieses herrliche Aroma von frisch gebrühtem Kaffee in der Nase. Aber dann verlor sie vorübergehend das Interesse am Segeln.

Als Eva 2013 heiratete, schenkten die Freunde dem Paar eine Jolle. Sie legten sie an den Möhnesee am Rande des Sauerlands. Aber schon bald wurde Eva der See zu klein. Sie wollte zurück an die See. Ihren Mann hatte sie da bereits mit dem Segelvirus infiziert. Mit einer Friendship 22, dem „VW-Bulli unter den Segelbooten“, wie Eva sagt, segelten sie in Friesland, erkundeten das IJsselmeer und die Nordsee. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

„Paikja“ tauften sie ihre Bavaria 35 exclusive, benannt nach der Hauptfigur des Films „Whale Rider“. Einem Mädchen, das beweisen muss, stark genug zu sein, um ihren Stamm zu führen, indem es mit Walen schwimmt.

Die erste Nacht vor Anker an Bord der „Paikja“ verbrachten Eva und ihr Mann im Grevelinger Meer, einer ehemaligen Meeresbucht an der niederländischen Küste, dem größten Salzwasserbinnensee Europas. Im westlichen Teil des Meeres liegt eine Inselgruppe, die in ihrer Anordnung an ein Atoll erinnert. Archipel heißt sie.

Die Sehnsucht, die Welt unter Segeln zu erkunden

Hier entstand auch das Foto von dem Sonnenaufgang. Die Sonne begrüßte den neuen Tag mit einem spektakulären Farbenspiel und malte den Horizont in allen erdenklichen Rottönen an. Momente wie diese sind es, die in Eva die Sehnsucht wecken. Die Sehnsucht, die Welt unter Segeln zu erkunden.
In der kommenden Saison soll es der Ärmelkanal mit seinen Inseln sein. In Etappen wollen Eva und ihr Mann die „Paikja“ im Frühjahr nach Oostende segeln, damit sie den Sommer für das Revier zwischen den Kanalinseln und Frankreich haben.

Aber das ist erst der erste Schritt zu ihrem großen Traum: Aussteigen! Auf Zeit oder vielleicht auch für immer. Mindestens aber für ein Jahr. „Es muss nicht die ganz große Tour werden“, sagt Eva. Von den Kanaren in die Karibik steht nicht auf dem Programm. Vielmehr reizt sie das Mittelmeer. Und natürlich die Sonnenuntergänge dort.

Eva Lütkenhaus
Eva Lütkenhaus © Eva Lütkenhaus
Jens Brambusch
Jens Brambusch © Jens Brambusch

Jens Brambusch

Jens Brambusch war Reporter bei der Financial Times Deutschland und dem Wirtschaftsmagazin Capital. Einige seiner Reportagen wurden mit Journalistenpreisen ausgezeichnet. Mitte 2018 beschloss Brambusch, dem Journalismus den Rücken zu kehren und auf ein Boot zu ziehen. Seitdem segelt er im Mittelmeer. Auf Brambusch macht blau gibt er Einblicke in sein neues Leben. Für float schreibt er Geschichten und Reportagen.
Sein Segelaussteigerbuch Träum weiter! ist auf Deutsch und Englisch erschienen. Mit dem Krimi Die Stalkerin hat er seinen ersten Krimi geschrieben. Natürlich spielt Segeln darin auch eine Rolle.

Wie der Segelkalender in die Welt kam

Im November 2018 nahm sich die Facebook-Gruppe fb-segeln-liebt DGzRS vor, den Seenotrettern mit einer Spendenaktion zu danken. Aus den schönsten Sonnenauf- und -untergängen, aufgenommen von Hobbyfotografen mit Liebe zum Meer und auf Facebook geteilt, wurde gemeinschaftlich ein Kalender gestaltet und zugunsten der Seenotretter verkauft. Alle Akteure steuerten ehrenamtlich das bei, was sie konnten: Bilder, Texte und Lektorat, Gestaltung und Versand.

Sieben float-Autoren haben sich mit Beiträgen an dem tollen Projekt beteiligt. Wir spielen ihre Beiträge auf float über das Jahr aus. Die Kalender wurden zum Preis von 12,50 Euro verkauft, davon wurden 10 Euro gespendet. Die Spende wurde auf der boot Düsseldorf an die Seenotretter der DGzRS übergeben. Der 2. Vormann der „Hermann Rudolf Meyer“, Andreas Brensing, nahm die respektable Spendensumme von über 4.330 Euro entgegen.

Wie der Segelkalender der Gruppe entstand, lest ihr in unserem Beitrag 12 Sonnen, morgens und abends.

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