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Tipps

Fäden lügen nie. Teil 1.

Segeltipps von Oliver Ochse

von in
2 Minuten

Der Segelberater Oliver Ochse präsentiert auf float ab jetzt jeden Monat einen Segel-Tipp.

Der Wahl-Mallorquiner ist erfahrener Segler und Trainer auf verschiedensten Booten: Jollen, Kielbooten, Regattayachten. Viele Jahre managte er in Pollensa auf Mallorca als Stationsleiter die Segelschule Surf & Sail. Inzwischen arbeitet Oliver als selbstständiger Segellehrer, Segeltrainer und -berater und gibt seine umfangreichen Segelkenntnisse auf deutschen Bootsmessen, in Seminaren und natürlich in der Praxis weiter.

Als Segellehrer unterrichtet er auf kleinen Kielbooten am Gardasee, bietet die MasterClass für fortgeschrittene Segler an und ein Hafen-Training unter Motor. Er skippert Kielyachten auf Ostsee und Mittelmeer, und als Personal-Trainer schult er Eigner und Crews auf ihren Yachten weltweit. Dazu kommt das Projektmanagement einer geschwindigkeitsoptimierten Regattayacht, auf der Gäste unter anderem bei der legendären Copa del Rey einbuchen können.

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Steuerfäden© Kerstin Zillmer

Teil 1 – Fäden lügen nie

Steuerfäden nennt man die vorderen, unteren Fäden in der Fock oder Genua eines Bootes mit zwei Segeln. Im Idealfall sind im Vorliekbereich einer Fock drei Fadenpaare jeweils an Steuerbord und Backbord übereinander angebracht. Das untere Fadenpaar befindet sich etwa zwei bis drei Meter über dem Deck und, je nach Verbindung der Fock mit dem Vorstag, etwa 20 bis 50 cm hinter dem Vorliek der Fock. Dabei sollte es sich immer um ein Pärchen handeln, nämlich ein Faden an Backbord und einer an Steuerbord. Im Idealfall ist dann noch einer rot und einer grün oder blau. Dieses Fadenpaar muss so angebracht sein, das der Steuermann die Fäden von seiner Standard-position am Steuer sehen kann.

Die Steuerfäden helfen dem Steuermann oder der Steuerfrau dabei, den „Hoch am Wind“-Kurs zu finden. Bei diesem Kurs ist das Vorsegel maximal – der Windstärke entsprechend – festgezogen und belegt.

Fahren Sie so lange an den Wind, luven also an, bis der Lee-Faden, die dem Wind abgewandte Seite, in die horizontale Lage steigt. Jetzt luven Sie weiter an, bis auch der Luv-Faden horizontal und parallel steht. So ist erst einmal alles prima.

Jetzt besteht Ihre Aufgabe darin, den Luv-Faden immer mal wieder etwas steigen zu lassen, also anzuluven und dann wieder leicht abzufallen, bis die Fäden wieder parallel sind. Dies gilt für den gesamten Am-Wind-Kurs.

Wenn sich die Windrichtung ändert, und damit der Einfallwinkel des Windes, werden auch die Steuerfäden reagieren und Ihnen anzeigen, was Sie tun müssen:

Anluven: Wenn der Lee-Faden nicht horizontal parallel steht.
Abfallen: Wenn der Luv-Faden nicht horizontal parallel steht.
Hängen beide Fäden untätig herunter, luven Sie wieder an, bis sich die Fäden bewegen.

Im Windbereich unter 4 Knoten Wind zeigen Steuerfäden aus Wolle nur noch unzureichend an. Dann ist es hilfreich, ein weiteres Fadenpaar aus leichtem Magnetband in die Segel zu kleben.

Welche Rolle die Fäden weiter oben im Segel spielen und wie der selbstständig mitdenkende Mitsegler, auch Vorschoter genannt, den Holepunkt danach einstellt, das beschreibe ich im nächsten Artikel zu „Fäden lügen nie“.

Die Website des Segelberaters.

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