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Familie Zapp auf der Avontuur Familie Zapp ist seit 18 Jahren mit ihrem Oldtimer unterwegs © Christoph Bogner
Weltreise

Familie Zapp unter Segeln

Nach 18 Jahren Weltreise segelt die sechsköpfige Familie Zapp mit ihrem Oldtimer auf dem Frachtsegler Avontuur zurück nach Hause.

Kerstin Zillmer
von in
5 Minuten

Der Graham-Paige steht am Kai bereit. Cornelius Bockermann überprüft den genauen Sitz des Ladegeschirrs, bevor der Oldtimer auf sein Schiff, den Frachtsegler Avontuur, gekrant wird. Dort wird der Wagen in der Ladeluke gesichert und gelascht – selbst stärkster Sturm und Seegang werden ihn nicht bewegen. Aber das Auto ist ja auch schon einiges gewohnt: Sechs Personen hat es achtzehn Jahre um die ganze Welt kutschiert.

  • Familie Zapp auf dem Frachtsegler AvontuurZur Verschiffung bereit © Christoph Bogner
  • Familie Zapp auf dem Frachtsegler AvontuurFamilie Zapp hat den Kran organisiert © Christoph Bogner
  • Familie Zapp auf dem Frachtsegler AvontuurDer Graham-Paige wird nach Südamerika gesegelt © Christoph Bogner
  • Familie Zapp auf dem Frachtsegler AvontuurCornelius Bockermann sichert den Oldtimer für die Fotofahrt © Christoph Bogner

Am Anfang wollten Herman und Candelaria Zapp das neue Jahrtausend mit einer Tour durch ihre Heimat Argentinien begrüßen – in ihrem neuen Oldtimer, einem Graham-Paige von 1928. Aus geplanten sechs Monaten wurden achtzehn Jahre, und aus zwei Personen wurden sechs. Ihre vier Kinder kamen unterwegs auf die Welt: Der 16-jährige Pampa in den USA, der 13-jährige Tehue in Argentinien, Paloma, die 11-jährige, in Kanada, und der 9-jährige Wallaby in Australien.

Was ein Weltreisender zwei Tage vor der Rückreise denkt

97 Länder haben sie bereist. Nun kehrt die Familie nach Argentinien zurück. Für das letzte Stück ihrer Reise wollten sie sich einen großen Traum erfüllen und unter Segeln den Atlantik überqueren. Auf einem Frachtsegler. Auf der Avontuur.

Ich habe gelernt, dass Du dem Universum Platz in deinem Leben lassen musst, damit es dich überraschen kann.

Zwei Tage, bevor sie in Teneriffa ablegen, telefoniere ich mit Herman Zapp. Was er von der langen Reise für sich mitnimmt, will ich wissen. „Ich habe gelernt, dass Du dem Universum Platz in deinem Leben lassen musst, damit es dich überraschen kann. Niemals hätte ich gedacht, dass wir 18 Jahre lang unterwegs sein werden. Aber jetzt sind wir hier.“ Für Herman hat sich während der Weltreise ein zweiter Traum erfüllt: Zu reisen war der eine, eine Familie zu gründen der andere. „Du verpasst nichts, wenn Du gemeinsam unterwegs bist: nicht den ersten Schrei, nicht das erste Lächeln und nicht die ersten Schritte. Wir können uns nichts Schöneres vorstellen.“ schwärmt Herman.

Familie Zapp auf dem Frachtsegler Avontuur

Gemeinsam unterwegs sein ist das Schönste für die Zapps © Christoph Bogner

Es gibt keinen Alltag unterwegs. Mal stehen sie früh auf, mal später. Mal sind sie unterwegs, mal bleiben sie. Mal sind es abenteuerliche Tage, mal ruhige, an denen sie ins Museum gehen. In diesem Jahr waren sie bereits in neun Ländern: Holland, Belgien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, in Italien, Griechenland, Spanien, Marokko und nun sind sie auf Teneriffa. 18.000 Kilometer schaffen sie im Jahr. Das ist nicht so viel wie ein durchschnittlicher Autofahrer, weiß Herman, denn der fährt fast das Doppelte.

Den Oldtimer hat Familie Zapp verlängern lassen

An einem Tag reisen sie, dann bleiben sie zwei bis drei Tage am gleichen Ort. Dort verbringen Zeit mit den Leuten, von denen sie eingeladen werden. Fast nie übernachten sie im Auto. Den Graham-Paige haben sie extra verlängern lassen, damit alle sechs hineinpassen. „Wenn wir bei Familien zu Besuch sind, stellen sie uns ihren Freunden vor und zeigen uns ihr Leben, wir kochen und essen zusammen.“ Manchmal ist das Auto auch in der Reparatur, und dann bleiben sie eben länger. Wenn die Zapps doch mal im Auto schlafen, liegen die Eltern unten und die Kinder oben, im aufklappbaren Campingdach. Nicht viele sind, so wie Familie Zapp, mit vielen Kindern auf Reisen.

Familie Zapp auf dem Frachtsegler Avontuur

Unten schlafen die Eltern, oben die Kinder © Christoph Bogner

Eines ist sicher: Der Unterricht der Kinder bei Candelaria. Sie gehen im Fernunterricht in Argentinien zur Schule. Das Besondere ist, dass die Kinder vieles vom Lernstoff direkt vor Ort erleben können: Geografie, Gesellschaft, Sprache, Religionen. „Wir waren in Nepal und die Kinder sollten sagen, welcher der höchste Berg der Welt ist. Sie haben draufgezeigt und gesagt: Der da!“ erinnert sich Herman.

Viel Platz für Spielzeug ist in dem alten Wagen nicht. Jeder hat eine Kiste für Bücher und Spielsachen. Mal erscheint es den Kindern wenig, mal viel, je nachdem in welchem Land sie gerade unterwegs sind.

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