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Kein Hinkommen für deutsche Eissegler: DN-Fahrer letztes Wochenende in Polen © Arek Rejs
Eissegeln

Frostige Zeiten für deutsche Eissegler

Corona ruiniert die Eissegel-Saison. Trotz klirrender Kälte sind nur ausländische Seen segelklar. Und reisen ist verboten.

von
Michael Krieg
in
4 Minuten

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Der Flottenchef der DN-Eissegler in Deutschland, Bernd Zeiger, bat die Aktiven, von Zeit zu Zeit auf die europäische Website der Klasse zu schauen – wenn schon kein Eissegeln auf den heimischen Gewässern möglich ist. Das Ergebnis ist ernüchternd: Obwohl reichlich Eis im Osten, im Süden und im Norden auf den Seen unserer Nachbarn vorhanden ist, gibt es für die meisten Länder keine Chance zum Reinkommen.

Es schneit Absagen

Langfristige Reisebeschränkungen machen die Einreise unmöglich. „Leider gibt es in Sachen Eissegeln nicht viel Neues“, erklärte DN-Landessekretär Zeiger gegenüber float, „auch wenn es kalt aussieht.“ Die Eissegel-Szene steht trotz passender Bedingungen vor einer weiteren Saison ohne internationale Wettbewerbe. Denn: „International sind die WM, die Europameisterschaft und auch die Nordamerikanische Meisterschaft abgesagt.“

Eissegler der DN-Klasse in Wolzig
Aus besseren Zeiten: Eissegler der DN-Klasse in Wolzig © Deutsche DN-Eissegel-Flotte

In den Nachbarländern in Europa sieht es aus Sicht der deutschen Eissegler nicht besser aus. „Nach Dänemark kommen wir nicht rein. Die Schweden trainieren zwar ein bisschen, und dort kämen wir auch rein. Aber zurück müssten wir in Quarantäne“, so Zeiger. „Das tut sich wohl keiner an“, schätzte er die Lage für die DN-Eissegelflotte gestern im Gespräch mit float ein.

Hoffnung auf lokales Eis

Das gleiche Dilemma gilt auch für Polen, berichtet Zeiger. „Die dürfen sogar offizielle Regatten veranstalten. Drei Wochenenden haben die gesegelt, zwei in Masuren und letztes Wochenende in Warschau.“ Tschechien dagegen ist geschlossen, Österreich zugeschneit.

  • EisseglerDN-Eissegler letztes Wochenende in Polen © Arek Rejs
  • EisseglerDN-Eissegler letztes Wochenende in Polen © Arek Rejs
  • EisseglerDN-Eissegler letztes Wochenende in Polen © Arek Rejs
  • EisseglerDN-Eissegler letztes Wochenende in Polen © Arek Rejs

Wie sieht es bei uns aus? Man hoffe auf „lokales Eis“, beispielsweise auf der Schlei oder in Plön. Hier waren, so unsere Beobachtung, Anfang Februar noch traditionelle Segler unterwegs – ganz ohne Kufen. In den vergangenen Jahren war für die Eissegler stets die Reise in weit entfernte Reviere notwendig, immer dem Eis hinterher. Bei den augenblicklichen Windverhältnissen ist es trotz Kälte im Moment kaum vorstellbar, dass die Gewässer sofort zufrieren. Und vor allem auch schneefrei sind.

Die größte Hürde aber ist: Man muss aufs Eis kommen, da nach einer Landesverordnung in Schleswig-Holstein die Vereine geschlossen sind, so wie im letzten Frühjahr. Auch der Wittensee südlich von Eckernförde, sonst traditionell ein Eissegler-Revier, ist zu. „Es kann nur besser werden“, hofft Zeiger.

Warten, warten, warten

Die Europameisterschaft ist also abgesagt. Das gebietet schon die Fairness. In dieser Saison lässt sich keine chancengleiche und sichere Veranstaltung organisieren, da nicht alle aktiven Regatta-Eissegler frei zum möglichen Austragungsort reisen können. Ganz abgesehen davon, welche Schwierigkeiten es nach der Rückkehr nach Hause gibt.

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DN-Eissegler letztes Wochenende in Polen © Arek Rejs

Noch hat man international die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, die eine oder andere Veranstaltung doch stattfinden zu lassen. Der DN-EuroCup ist – nach der Verschiebung der Europameisterschaft 2021 ins nächste Jahr – noch nicht endgültig abgesagt.

Attila Pataky, der Kommodore der europäischen Flotte und Sekretär des Landesverbands Ungarns, scheint noch optimistisch: So soll möglichst mindestens ein europäisches Event in dieser Saison stattfinden. Daher wurde entschieden, den DN-EuroCup 2021 auf Mitte März zu verschieben. Ende Februar soll dann die endgültige Entscheidung fallen.

Zoom statt EM in der Monotype-XV-Klasse

Für die andere große Eissegler-Klasse, die Monotype XV, sind die Wetter- und Reisebedingungen nicht anders. Das Governing Committee der internationalen Monotype XV Ice Yacht Racing Association hat entschieden, die Europameisterschaft erst 2022 in Polen auszutragen.

Eissegler XV
Europameisterschaft der XV-Klasse © Archiv International XV Ice Yacht Racing Association

Der Kommodore der Flotte, Bernhard Rost, nennt die zunehmend schärferen europäischen Reiseregeln als Grund für die Absage. Die Ausbreitung der Virusmutationen mache die Aussichten für die nächste Zukunft bis März sehr negativ, so Rost. Nur der Baltic-Cup respektive der European Cup sollen Stand heute ausgerichtet werden. Man werde sich wohl auf rein virtuelle Treffen per Zoom-Video beschränken, so der schwedische Klassenchef.

Noch Optimismus bei den Eis-Optis

Auch Stanisław Macur, Junior-Programmanager bei IDNYRIA, der internationalen Organisation der DN-Eissegler, schwenkt für den Augenblick die weiße Fahne. Es sieht nicht gut aus für die WM und EM der Jüngstenklasse.

Eissegler
Der Eis-Opti, eine kleine Version des DN-Segelschlittens © Arek Rejs

Der mit Opti-Rigg auf einer kleinen Version des DN-Segelschlittens gesegelte Wettbewerb sollte eigentlich ab 15. Februar in Estland stattfinden. Jetzt wurde der Welt- und Europacup der Junioren um drei Wochen auf die zweite Märzwoche verschoben – vorerst und vorläufig. Noch gibt es also Optimismus bei den Eis-Optis.

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