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Bild von Heinke Boehnert © Heinke Boehnert
Maritime Kunst

Eine gewisse Tiefe

Alte Segel und viel Farbe sind Heinke Böhnerts Material

Michael Krieg
von in
3 Minuten

Nein, herkömmliche Marinemalerei ist das nicht, was die inzwischen weltweit anerkannte Künstlerin Heinke Böhnert auf die Leinwand zaubert. Es sind keine detailgetreuen, penibel ausgearbeiteten Schiffsdarstellungen, keine Hafenszenen mit ein- oder auslaufenden Dampfern vergangener Epochen. Ihre kraftvolle Malerei ist im Gegensatz zu exakt naturalistischen Motiven frei und expressionistisch, also die „Kunst des gesteigerten Ausdrucks“, wie ein Lexikon den Begriff Expressionismus treffend definiert.

Böhnerts Credo: 50 % Talent, 50 % Schwein!

Heinke Böhnert strahlt selbstbewusst, als sie beim Interview in Hamburg auf der dem Bootsmessen-Kunstforum „art maritim“ nach ihrem beruflichen Werdegang befragt wird. Sie male, so erzählt sie, seit sie einen Stift oder Pinsel halten kann. Und sie ergänzt, dass sie irgendwie ebenso so lange auch segelt. Ihr Credo: 50 % Talent, 50 % Schwein! Und das drücke es eigentlich ganz gut aus, sagt sie. Denn ohne Talent komme man ja nicht ganz hin, das gehöre einfach dazu. Aber die andere Seite sei, dass man auch immer auf die richtigen Leute kennen, auf die richtige Idee setzen und auch ein bisschen Persönlichkeit haben müsse, um irgend etwas hinzukriegen, fügt sie hinzu. Und alles das ist der Hamburgerin zweifellos gegeben.

Die vielen Galerien, die ich habe, habe ich mir irgendwie auch ersegelt. Das sind auch die Spots am Wasser, die zu meinen Bildern passen.“

Ihr Talent hat sie nicht in einem klassischen Kunststudium zur Reife gebracht. Sie wollte sich nicht verbiegen lassen, sagt sie. Aber ihre ausgesprochene Neugierde und Lockerheit, ihre Ideen und der Mut zur Farbe und dazu, Farbe zu bekennen, haben sie vorangetrieben. In die bis zu 15 Farbschichten bringt Böhnert ihre gesammelten alten, ausgemusterten Segelstücke ein. Durch den Materialmix bekommen die überwiegend großformatigen Werke unverwechselbare Strukturen und eine gewisse Tiefe. Wie die Bilder genau zustande kommen, wie die verschiedenen Materialien collagiert werden, bleibt das Geheimnis der Künstlerin.

Heinke Böhnert

Heinke Böhnert © Michael Krieg

Von der Küche ins Hotel Atlantic

Ihre ersten Bilder sind noch in der häuslichen Küche entstanden. Es gab kaum Platz zum Kochen, weil alles voller Farbe war. Schon damals wollte sie unbedingt. Das anfängliche Chaos war vorprogrammiert, der Weg steinig. Als ihre Kinder etwas größer waren, ließ sie sich durch nichts mehr aufhalten. Heinke Böhnert nennt sich selbst farbsüchtig. Es gibt nichts Schöneres für sie, als ins Atelier zu gehen, um ihre Ideen umzusetzen. „Ich vergesse Zeit und Raum, wenn ich dabei bin und ich bin dauerhaft glücklich mit dem, was ich so tue.“

Seglerisch hat sie im Norddeutschen Regatta-Verein an der Außenalster die klassische Karriere durchlaufen, unter anderem im 420er, dann 470er. Sie war gut und wurde vom Deutschen Segler-Verband unterstützt, war in Kiel und auf Mallorca. Tolle Jahre, wie sie sagt. Beim Segeln hat sie dann auch die offenbar richtigen Leute getroffen. „Die vielen Galerien, die ich habe, habe ich mir irgendwie auch ersegelt.“ Und zwar weltweit, zum Teil durch die Vereine, darunter in Sydney und Newport. „Das sind auch die Spots am Wasser, die zu meinen Bildern passen.“

Ihr größter Auftrag bisher war die künstlerische Ausstattung des frisch überholten Hamburger Hotels Atlantic mit mehr als 200 Exponaten im Jahr 2011. Ein Jahr später durfte sie die Olympia-Ausstellung in London mit bestücken. Eines ihrer Bilder wurde von Bundespräsident Joachim Gauck als offizielles deutsches Gastgeschenk bei einem Staatsbesuch in Oslo König Harald V. von Norwegen übergeben. Nach einer großen Einzelausstellung 2014 auf dem Hamburger Museumsschiff „Rickmer Rickmers“ gehört sie zu den vier Künstlerinnen, die seit letzten Oktober dauerhaft in der Galerie im neu eröffneten Robbe & Berking Yachting Heritage Center in Flensburg vertreten sind.

Heinke Böhnert

© Heinke Böhnert

Startschuss für die nächste Olympiakampagne

Nun könnte sie eigentlich ein bisschen kürzer treten, sich im Erfolg sonnen. Aber so tickt Heinke Böhnert nicht. Am Herzen liegt der Hamburgerin ihre aktuelle Olympic-Edition. In diese Bilder hat den Gennaker ihrer Vereinskollegen Eric Heil und Tommy Plössel eingearbeitet, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Platz 3 im 49er errungen haben. Die Bilder werden mit Autogrammen der beiden Bronzemedaillen-Gewinner versehen, die mit 10 % am Verkaufserlös beteiligt sind. Man kann es auch als Startschuss der beiden für die nächste Olympiakampagne des erfolgreichen Duos für Tokio 2020 sehen.

Es war nicht einfach, den weichen Gennakerstoff zu verarbeiten. Und mit anderen Foliensegeln könne man nicht viel anfangen. Vor allem auch, weil die ja durchsichtig seien. So spricht die Segelexpertin.

Mehr über Heinke Böhnerts Kunst zeigt ihre Website www.segelbild.de

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