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herrenloses Motorboot © Seenotretter
Seemannschaft

Herrenloses Boot im Haff eingefangen

Seenotretter fangen ein Motorboot im Stettiner Haff ein, die Zweier-Crew schwimmt nach Doppelsturz stundenlang an Land.

von
Stefan Gerhard
in
2 Minuten

Am Sonntagabend, es war noch nicht dunkel, haben die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ein herrenloses Motorboot mit laufender Maschine und laufendem Propeller eingefangen. Auch für die Retter der Station Ueckermünde war das ein eher seltener Einsatz. Was war geschehen auf der Ostsee nahe der deutsch-polnischen Grenze?

Vermutlich in Höhe Mönkebude war die Zweimanncrew des Sportboots „durch unglückliche Umstände“ ins Wasser gestürzt. Zuvor war einer von beiden an Bord ausgerutscht. Wie es genau geschah, ist nicht zu erfahren. Dann passierte, was keiner erleben möchte: Das etwa sieben Meter lange Sportboot fuhr selbständig weiter.

Offenbar nutzte der Steuermann kein Kill-Switch-Kabel. Mit dem am Mann befestigten Kabel wird der Motor automatisch in dem Fall gestoppt, wenn der Pilot nicht mehr am Steuer steht – zum Beispiel bei einem Sturz. Auch eine Elektronik am Armband wie das First-Mate-System von Mercury, mit dem das Boot automatisch gestoppt wird, wäre hier nützlich gewesen.

In dreieinhalb Stunden schwimmend ans Ufer

Den beiden Männern gelang es, nach dreieinhalb Stunden schwimmend das Ufer zu erreichen. Die Wassertemperatur im Stettiner Haff beträgt derzeit etwa 20 Grad Celsius. Erst, als die Unglücks-Crew an Land war, konnte der Einsatz starten.

Gegen 20.30 Uhr informierten die Wassersportler die Polizei über ihr herrenlos auf dem Stettiner Haff fahrendes Boot. Die Wasserschutzpolizei alarmierte die Seenotleitung Bremen, und wiederum die freiwilligen Seenotretter der Station Ueckermünde beauftragte.

Die DGzRS-Crew machte sich, am virtuellen Tag der Seenotretter, mit dem noch ungetauften Seenotrettungsboot SRB 81auf die Suche. Auch das Polizeiboot „Goldburg“ der Wasserschutzpolizeistation Ueckermünde wurde alarmiert.

Spritreserve reichte nicht weit

Die Seenotretter fanden das verlassene Boot fast zwölf Meilen (sprich 21 Kilometer) vom Unglücksort entfernt. Dort hatte es sich in einer Reuse verfangen. Einer der Seenotretter stieg über und fuhr das Boot, bis der Motor wegen Kraftstoffmangels den Dienst versagte. Mit einer so knappen Sprit-Reserve aufs Wasser zu gehen, ist schon leichtsinnig. Die Retter nahmen das Kajütboot schließlich in Schlepp.

Mercury 1st Mate
Bei einem Notruf wird automatisch die Position aufgezeichnet und... © Mercury
Mercury 1st Mate
...eine Alarm-Meldung an die Seenotrettung abgesendet © Mercury

Die beiden vollkommen erschöpften unfreiwilligen Langstrecken-Schwimmer waren in Höhe von Grambin von Passanten nach Hause gebracht worden. Sie erholten sich so weit, dass sie die medizinische Hilfe, die ihnen von der Seenotleitung angeboten wurde, nicht benötigten. Ihr Boot können die Motorbootfahrer in Ueckermünde wieder abholen, wohin die Seenotretter es gebracht und sicher vertäut hatten.

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