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Einhandsegler Kay Hoffmann hatte Corona an Bord © privat
Corona an Bord

Ich war total platt!

Einhandsegler Kay Hoffmann bekam Corona an Bord und verbrachte neun Tage schwer krank unter Deck im karibischen Meer.

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5 Minuten | 1 Kommentar

Kay Hoffmann hatte Weihnachten in Deutschland verbracht. Eine Woche später war er zurück auf Guadeloupe, um seinen Lebenstraum fortzusetzen: einmal zur Osterinsel segeln. Von Lagos in Portugal gestartet, soll es für den 58-jährigen mit seinem Schiff, einer Victoire 1122, von Guadeloupe nach Colón und weiter durch den Panama-Kanal in den pazifischen Ozean gehen – einhand.

Am 28. Dezember hatte er in Paris mit der Metro den Flughafen wechseln müssen. Er war vorbildlich dreifach geimpft und guter Dinge, sich nicht so leicht anzustecken. Als Kay Hoffmann am 30. Dezember 2021 Richtung Colón Segel setzte, ging es ihm gut. Erst am Abend bemerkte er erste Anzeichen von Schlappheit, die er dem Flug und der Anpassung an das veränderte Klima zuschrieb. Er machte vorsorglich einen der Coronaschnelltests aus seiner Bordapotheke: negativ.

Aber am nächsten Morgen hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Ein weiterer Test schlug an: positiv. Umzukehren war für Hoffmann keine Option. Er hatte mit 25 Knoten und achterlichem Wind schon gut Strecke gemacht. Zurück nach Guadeloupe hätte er beschwerlich kreuzen müssen. Dazu fehlte ihm die Kraft. „Von da an war ich platt“, erinnert sich der Segler. „Ich war kaum in der Lage irgendetwas zu machen.“ Gerade konnte er noch das Schiff soweit vorbereiten, dass er die neun Tage, die vor ihm lagen, auch krank bewältigen konnte.

Wenn du musst, geht alles

Seine Victoire ist ein sehr sicheres, seegängiges Schiff und er war für den Törn gut vorbereitet. „Ich habe es im September 2021 gekauft und bin die klassische Runde bis Bermuda und dann wieder zurück gesegelt.“ Alles, was geändert und erneuert werden musste, hat er nach dem Törn umgesetzt: „Alles stehende Gut habe ich neu machen lassen. Ich habe jetzt tolle Lithium-Batterien mit 400 Ampere und Solarpanels, die meine Akkus innerhalb von wenigen Stunden wieder aufladen. Die Ralentir läuft jetzt wunderbar.“

Kay Hoffmann
Kay Hoffmann war gut für den Törn vorbereitet © privat

„Ich habe alle Vorkehrungen getroffen, damit das Schiff möglichst selbstständig fahren konnte.“ Der gebürtige Leipziger stellte die Windsteueranlage ein, setzte ein drittes Reff und legte sich in die Koje. Die ersten beiden Tage plagten ihn heftige Glieder- und Kopfschmerzen, die er mit Aspirin behandelte. Im Notfall hätte ihn das AIS geweckt. Er schlief tagelang nur mit kurzen Unterbrechungen und befand sich in einem beständigen Dämmerzustand.

„Ich hatte hohes Fieber, war kraftlos und steif wie ein Brett. Sehr vorsichtig und tapsig bewegte ich mich an Bord, nach ein paar Handgriffen war ich platt und musste mich wieder hinlegen. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, richtig aufmerksam zu segeln, sonst hätte ich driften müssen.“ Er hätte nicht gewusst, was passiert wäre, wenn er auf dem Atlantik mit harten Bedingungen unterwegs gewesen wäre. „Ich hätte es sicher auch gemeistert. Wenn du musst, geht alles.“

Krank ja, Drama nein

Hoffmann hatte sich nicht in Lebensgefahr gefühlt. Man muss schon selber klarkommen, wenn man da rausgeht, findet er. „Ich habe sehr gehofft, dass es kein akuter Krankheitsverlauf mit Atemnot wird. Dann hätte ich einen Arzt angerufen, aber ob der mir wirklich hätte helfen können?“ „Ich habe eine gute Bordapotheke dabei. Ich habe Antibiotika und kann mich im Notfall auch mit Nadel und Faden selber ein bisschen operieren. Aber bei Corona gibt es ja nicht allzu viel.“

Hoffmann hatte großes Glück mit dem Wetter auf dieser Route. „Bis Guadeloupe hatte ich sehr schweres Wetter gehabt, aber auf der Strecke von Guadeloupe nach Colón in Panama war das Wetter freundlich und die Wellen sanft.“ Es war ein angenehmes Segeln und zum Glück war nicht viel Mitarbeit nötig. Die Windsteueranlage tat ihren Dienst und auf dem Kurs war wenig Verkehr.

Wettersituation
Die Wettersituation auf der Route, nachgestellt von Sebastian Wache © WetterWelt

Als es ihm am achten Tag immer noch nicht besser ging, nahm er über sein Iridium Go Kontakt zu Freunden auf, die schon Corona gehabt hatten, und fragte sie nach ihrem Verlauf. „Ich wäre nicht in der Lage gewesen ein Gebiet wie Panama anzufahren wegen des vielen Traffics. Wenn es mir nicht besser gegangen wäre, hätte ich weiter Offshore driften müssen.“

Am neunten Tag wurde es endlich besser und Hoffmann konnte Colón ansteuern. Der Coronatest vor dem Einlaufen im Hafen war negativ. Einen weiteren Test musste er nicht machen, nur sein Impfausweis wurde kontrolliert.

Osterinsel
Die Osterinsel im Pazifischen Ozean © CC BY-SA 3.0

Von Panama zu den Osterinseln

Der aus Leipzig stammende IT-Spezialist hatte von einem Freund vor einigen Jahren ein Buch von Wilfried Erdmann geschenkt bekommen und gesehen, dass sein Kindertraum, wie Thor Heyerdahl zur Osterinsel zu segeln, durchaus umzusetzen war. „Deshalb möchte ich auch zur Osterinsel. Und Wilfried Erdmann hat mir gezeigt, dass es möglich ist“, sagt er über sein Reiseziel.

Seine Frau mag das Segeln nicht so sehr, aber sie lässt ihn machen, was er mag. „Es ist eine Zumutung für die Partnerin und ich möchte ihre Toleranz nicht überspannen. Deshalb versuche ich, in der Hurrikansaison zurückzukommen.“

Panamakanal
Die Ralentir im Panamakanal © privat

Zur Osterinsel braucht er etwa 30 bis 40 Tage. In Colón in Panama ist ein Freund an Bord gekommen, der ihn zur Osterinsel begleiten wird. Hoffmann hatte den US-Amerikaner Scott auf seinem ersten Törn auf den Bahamas kennengelernt und sie hatten sich angefreundet. Wenn sie es bis zur Osterinsel schaffen, bleiben sie dort zwei Wochen und segeln auf dem gleichen Weg zurück. „Für mich als Kind der alten DDR ist es unglaublich, dass ich das erleben kann. Ich bin sehr, sehr happy“, schließt Kay Hoffmann.

Das Routing

Kay Hoffmann haben wir über Sebastian Wache von der WetterWelt kennengelernt, der schon das Wetterrouting für ihn im Atlantik gemacht hat und jetzt die Strecke zu den Osterinseln routet.

Segeln zur Osterinsel
Das Routing zur Osterinsel © WetterWelt

Seiner Einschätzung nach ist die Wetterlage relativ eindeutig: Zum Start gibt es noch einen Rest Nordostpassat, der sich gerade in der Panamastraße als kleine Düse zeigt. Dann geht es mit recht gutem Wind los, bis etwa Cambutal querab liegt. Hier beginnt bereits der Einfluss der tropischen Konvergenzzone ITCZ. Das Windfeld bricht zusammen und es muss mit dem Motor weitergehen.

Ab etwa 4°N wird dann bereits der Südostpassat über den Äquator geholt und sorgt so für einen SW-Wind. Allerdings stört dabei noch immer etwas die ITCZ und auch der Tiefdruckeinfluss von Kolumbien. Es bleibt nicht ganz einfach, den Wind zu finden, ab 4°N kommt wieder etwas Wind auf.

Die beste Option nach dem Überqueren über den Äquator ist, das Windfeld des Südostpassats zu nutzen und über die Galapagosinseln zu fahren. Der Strom hilft etwas mit in diese Richtung, wenn der Wind mal fehlt. Je nach exakter Höhe, die man bis zu den Galapagos fahren kann, besteht die Chance, sie südlich zu umfahren. Hier könnt ihr Kay Hoffmann auf seinem Kurs folgen.

Sobald die Inseln querab liegen, kommt der Passatwind, der von den sehr stabilen Hochs im Süden ausgelöst wird. Da derzeit auch das La-Nina-Phänomen aktiv ist, laufen die Passatwinde etwas stabiler unter den recht stabilen Hochs.

Was Dr Melanie Aalburg, selber Hochseeseglerin und als Ärztin spezialisiert auf Corona, Seglern und Seglerinnen rät.

Ein Kommentar

Jens Böckmann /

Kay Hoffmann hat sein tolles Boot übrigens mit YACHTVERSTAND gefunden. Er wurde beim Kauf, der Überführung und der Ausrüstung des Schiffes für seinen großen Törn von YACHTVERSTAND tatkräftig unterstützt und beraten. YACHTVERSTAND steht ihm auch während der Reise 24/7 zur Seite wenn schnell mal ein neues Groß gebaut und verschickt werden soll oder irgendwelche Ersatzteile besorgt werden müssen.
Außerdem hat YACHTVERSTAND der Partnerin von Kay Hoffmann auf einem Törn mit schnuppersegeln.de den Spaß am Segeln vermittelt. Sie war so begeistert, daß danach der Traum vom eigenen Schiff direkt mit vereinten Kräften ermöglicht
werden…

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