float Magazine

Samantha Davies bei ihrer Rückkehr von der Vendee Globe © Vincent Curutchet / Alea
Offshore-Segeln

Ich will wieder aufs Wasser!

IMOCA-Seglerin und Vendee-Globe-Teilnehmerin Sam Davies hat ihren Kurs für die kommenden Saisons abgesteckt.

von
Tip & Shaft
in
5 Minuten

Zwei Monate nach dem Ende der Vendée Globe kann Sam Davies es nicht erwarten, wieder die Schoten in die Hand zu nehmen. Für ihre Teilnahme beim Transat Jacques Vabre steht noch ihr Segelpartner aus. Aber ihre IMOCA „Initiatives Coeur“ liegt startbereit. Und die Kampagne für die nächste Vendée Globe soll auch kein Traum bleiben. Im Interview zieht Sam Davies Zwischenbilanz.

Tip & Shaft ist der neue Partner von float. Das französische Online-Magazin berichtet über Offshore-Segelsport auf Englisch und Französisch – und nun, für ausgewählte Themen, auch in deutscher Sprache exklusiv bei float.

„Die Strecke zu meistern, fühlte sich wie ein Sieg an“

Was für ein Resümee ziehen Sie zwei Monate nach dem Ende der Vendée Globe?

Es war ein unglaubliches Abenteuer. Die Reparatur meiner IMOCA nach der Kollision in Kapstadt war eines Spezialeinsatzkommandos würdig. Den Rückweg Les Sables d’Olonne musste ich mit zwei gebrochenen Rippen und einem emotionalen Tief hinter mich bringen. Zum Glück machten mir weder mein Technikteam noch meine Partner irgendwelchen Druck. Sie ließen mir die Entscheidung.

___STEADY_PAYWALL___
Sam Davies
Sam Davies musste das Rennen abbrechen und segelte trotzdem bis zum Ziel © Sam Davies / Initiatives Coeur

Für mich gab es keine Frage: Ran ans Ruder! Neben meiner ersten Transatlantikregatta, der Mini Transat, war die Vendée Globe das härteste Rennen meines Lebens. Natürlich frustriert es mich immer noch, dass ich das Rennen abbrechen musste. Aber die Strecke auch außerhalb des Wettbewerbs zu meistern, fühlte sich wie ein eigener Sieg an. Ein Sieg, der dazu führte, dass wir mit unserem Wohltätigkeitspartner Mécénat Chirurgie Cardiaque 102 Kinder retten konnten.

Sam Davies
Sam Davies segelte für ihre Kampagne Initiatives Coeur vor dem Ziel ein Herz © Samantha Davies/Initiatives Coeur

Ihr Lebensgefährte Romain Attanasio hat schon im Rennen laut über die nächsten Projekte nachgedacht. War das bei Ihnen auch so?

Nein, ich musste mich voll darauf konzentrieren, die Strecke zu Ende zu bringen. Das fraß alle Energien. Hinterher fühlte ich mich traumatisiert und musste erst einmal verdauen, was passiert war.

Aber jetzt stehen für Sie und Ihre Partner die Pläne fest?

Ich will wieder aufs Wasser! Ich habe noch viel Arbeit vor mir, um mein Regatta-Selbstvertrauen wieder aufzubauen, ich muss wieder segeln, mit Vollgas.
Die Beratungen mit meinen Partnern laufen. Mit der vergangenen Vendée Globe sind sie sehr zufrieden. Dass ich die Strecke abgesegelt bin, obwohl ich aus dem Rennen ausscheiden musste, wurde mir als großer Erfolg angerechnet. Ich sehe optimistisch nach vorne.

Sam Davies
Sam Davies lag bis vor ihrer Kollision ganz vorne bei der Vendée Globe © Samantha Davies / Initiatives Coeur

Der Relaunch der Initiatives Coeur soll Mitte Mai abgeschlossen sein. Wurde viel verändert?

Die Kollisionsvermeidung hatte oberste Priorität. Das Boot war schon mit der Oscar-Software ausgerüstet. Wir haben ein Whale Shield (ein Pinger am Kiel, der mit akustischen Signalen die Wale abhält) ergänzt und ich arbeite mit Madintec an weiteren Vermeidungs-Modulen.

Haben Sie sich mittlerweile für einen Co-Skipper zur Transat Jacques Vabre entschieden?

Ja, die offizielle Verkündigung kommt demnächst. Ich brauche vor allem einen erfahrenen Segler, der mir mein Vertrauen zurückgibt und mich wieder in den Angriffsmodus bringt. Seit der Kollision fühle ich mich angeknackst. Außerdem stecken im Boot noch Potentiale, die ich herauskitzeln will.

Sam Davies
Der Relaunch der Initiatives Coeur soll Ende Mai abgeschlossen sein © Yvan Zedda

Gläserne Decke beim Segeln

Sie haben nie etwas auf Ihr Boot kommen lassen. Träumen Sie trotzdem von einem moderneren?

Ich bin hin- und hergerissen. Das Boot ist konkurrenzfähig, aber manchmal ist es frustrierend, nicht auf Augenhöhe mit den neueren IMOCAs zu sein. Es gibt eine gläserne Decke: Sechs Frauen traten in der Vendée Globe an, drei davon mit Sponsoren, die schon seit mehreren Jahren in der Szene sind, aber keine hat ein Boot gebaut und ausgerüstet, um wirklich auf den Gesamtsieg zu setzen. Genau das ist aber mein Herzenswunsch.

Die neuen IMOCA-Klassenregeln zielen vor allem auf die Kostenkontrolle ab, sind das Schritte in die richtige Richtung?

Ja, die Absicht ist richtig. Denn in der Theorie sind wir uns alle einig. Aber in der Praxis ist sich doch jeder der nächste … Ein neues Boot ist der Traum, aber die Erfüllung ist ungeheuer schwierig. Wir hätten die Kosten noch weiter eingrenzen können, denn es ist nicht einfach, so viel Geld aufzutreiben. Einheits-Bäume und Einheits-Ruder waren im Gespräch bei den neuen IMOCA-Klassenregeln. Das wäre sehr effektiv gewesen.

Aber die Überlegungen wurden fallengelassen. Mit dem Team und unseren Partnern suchen wir nach einem Weg, das Boot für die nächste Vendée Globe aufzurüsten, um zu den Favoriten zu gehören. Aber es ist eine komplizierte Mission, die Kosten sind weiterhin sehr hoch.

Sam Davies
Ein neues Boot ist der Traum, aber die Erfüllung immens teuer © Yvan Zedda / Alea

Die neuen Regeln erhöhen die Sicherheit und begrenzen die Größe der Foils. Was halten Sie davon?

Das ist ein sehr interessanter Aspekt. Einige Innovationen kamen zu schnell, um sie zu beherrschen. Deshalb sollten wir sie aber nicht verwerfen. Andererseits habe ich einen High-Speed-Crash erlitten, und ich bin mir nicht sicher, ob wir um jeden Preis schneller fahren sollten. Ob wir nun 30 oder 35 Knoten machen, die Leute bringt es so oder so zum Träumen.

War die neueste Generation von Booten in der Vendée Globe zu extrem?

Einige der neuen Boote waren sehr steif, sehr extrem. Andere hielten eine vernünftigere Balance. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, ein gebrauchtes Boot aus dieser Generation zu kaufen, hätte ich längst nicht alle in die engere Wahl genommen. Aber das ist ganz normal und fantastisch. Es bedeutet, dass die Boote an verschiedene Arten des Segelns angepasst werden können.
Es ist wirklich interessant und aufregend, in einer Klasse zu sein, die sich mit vielen verschiedenen Designs weiterentwickelt. Bis jetzt haben wir uns noch nicht dem idealen Design angenähert, aber in den kommenden Jahren werden wir lernen, mit all dem umzugehen und die Boote von 2020 richtig zu bewerten.

Was denken Sie generell über die IMOCA-Klasse?

Die Klasse ist gestärkt aus der Vendée Globe hervorgegangen. Trotz der Schwierigkeiten mit den gesundheitlichen Faktoren und der wirtschaftlichen Situation sind die Sponsoren da. Es gibt eine Menge Projekte. Das ist sehr positiv. Andererseits müssen wir auf alle hören und nicht nur auf die, die am lautesten schreien oder das meiste Geld haben. Diese Klasse ist so stark, weil sie so gemischt ist und sich international geöffnet hat. Wir müssen unbedingt weiterhin andere Skipper ermutigen, sich uns anzuschließen.

IMOCA Seaexplorer
Die Seaexplorer gilt als eines der besten Boote der IMOCA Flotte © Boris Herrmann / Seaexplorer

Die Seaeplorer von Boris Herrmann in neuen Händen

Romain Attanasio hat gerade Boris Herrmanns IMOCA gekauft. Werden Sie mit ihm mithalten können?

Ja, das ist fantastisch! Ich denke, es ist eines der besten Boote der Flotte. Als ich neben Boris segelte, konnte ich kaum dranbleiben. Ich freue mich wirklich für Romain und denke, er hat sich richtig entschieden. Und es ist eine schöne Aussicht, zur gleichen Zeit ins Ziel zu kommen!

Würden Sie gerne neben der IMOCA noch in anderen Klassen antreten?

In erster Linie bin ich ein Fan von Hochseeregatten, besonders mit kleiner Crew. Ich mag die Figaro sehr, ich schätze auch die Entwicklung der Class40. Die Mini-Transat ist so spannend wie immer. Wenn ich die Möglichkeit hätte, auf diesen Booten zu segeln, würde ich sie ergreifen. Das sind Klassen, in denen es sehr gute Segler gibt, in denen das Niveau immer sehr hoch liegt, in denen man immer lernen und Fortschritte machen kann.

Sie engagieren sich bei Leyton x Magenta Project, um ihr Wissen im Offshore-Segeln an Nachwuchsseglerinnen weiterzugeben. Wie wichtig ist Ihnen das?

Ich nutze jede Gelegenheit, um junge Frauen beim Segeln zu unterstützen und ihnen Türen aufzustoßen! Ich habe von den Seglerinnen vor mir profitiert, sie haben mich zum Segeln animiert. Diese Rolle möchte ich für die nächste Generation übernehmen. Erfahrungen weitergeben ist essentiell, beim Segelsport ganz besonders!

Willst Du Tip & Shaft im Original kennenlernen? Hier geht es zur Magazin-Website.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame