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Aleksander Doba Aleksander Doba paddelt dreimal über den Atlantik © Nicola Muirhead
Atlantiküberquerung

Im Kajak über den Atlantik

Aleksander Doba paddelte dreimal über den Atlantik, zuletzt mit 70 Jahren. Von seinen 14.000 Seemeilen erzählt ein wunderschönes Bilderbuch.

Kerstin Zillmer
von in
3 Minuten

Mit 34 beginnt die Liebesbeziehung zwischen Aleksander Doba und dem Atlantik, die über vier Jahrzehnte andauert. Angetrieben von einer furchtlosen Neugierde, hat der 71-jährige Pole seitdem dreimal den Atlantik mit dem Paddel durchmessen, Schlag für Schlag, Stunde um Stunde, Tag um Tag – 14.000 Seemeilen, allein. Als erster Kajakfahrer in der Geschichte.

Aleksander Doba

Aleksander Doba © Gerstenberg

Um ein solch großes Abenteuer realisieren zu können, braucht es ein spezielles Kajak. Der Ingenieur Doba findet eine Werft und drei junge Kollegen, die mit ihm zusammen ein solches Ozeankajak nach seinen Vorstellungen konstruieren. Auf den Namen „Olo“ getauft, ist es besonders gut auf die harten Bedingungen des Atlantik ausgerichtet.

Fünf wasserdichte Kammern machen es unsinkbar. Ein massiver Bügel verhindert – ähnlich dem Überrollbügel bei Cabrios – das Kentern in großen Wellen und bei starkem Wind. Die kleine Kajüte bietet Stauraum und Schlafplatz. Auf dem Vordeck sind Sonnenkollektoren für die Stromgewinnung befestigt. „Olo“ ist sieben Meter lang, aber nur 300 kg schwer.

In der kleinen Kajüte verstaut der Abenteurer Gaskocher, Gasflaschen, Kochgeschirr, Isomatte, GPS-Tracker, Seekarten, kiloweise Essen – und sich selbst bei Schlafpausen. Außerdem Ersatzteile. Selbstverständlich hat er eine Wasserentsalzungsanlage dabei, besser gesagt gleich zwei, falls die erste den Geist aufgibt. Das passiert natürlich auch.

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Traveling the World With a 71-Year Old Kayaker

Drei transatlantische Expeditionen

Zur ersten Überquerung startet Doba am 26. Oktober 2010 in Dakar im Senegal. Nach 98 Tagen und 2.912 Seemeilen kommt er am 2. Februar in Acaráu in Brasilien an. Es ist die erste Transat-Überquerung überhaupt in einem Kajak. Natürlich hat es Menschen vor ihm gegeben, die diese Passage mit kleinen Fahrzeugen über den atlantischen Ozean glückte – wie den beiden Finnen, die im 4,30 m Motorboot von Dakar aus starteten und unter widrigsten Umständen in Französisch-Guayana landen. Berühmt sind Kapitän Romer und Hannes Lindemann mit ihren Faltbooten. Doch sie nutzen Hilfssegel. Darauf verzichtet der wagemutige Pole komplett. Er verlässt sich stattdessen auf seine Muskelkraft und sein Ozeankajak.

Nachdem Doba den Atlantik an seiner schmalsten Stelle überquert hat, steckt er 2014 die Latte deutlich höher. Jetzt will er mit „Olo“ den Atlantik an seiner breitesten Stelle überqueren, von Lissabon bis Florida. Allein und ohne jegliche Hilfe von außen, nur aus eigener Kraft. Am 19. April 2014, nach 167 Tagen im Atlantik, erreicht Doba dann Florida. Als erster Kajakfahrer in der Geschichte überwindet er diese enorme Strecke.

Zum dritten Mal kajakiert er 2016, im Alter von 70 Jahren von New Jersey aus nach Nord-Frankreich. Diesmal verbringt er 110 Tage allein auf See und paddelt 5.039 Meilen dabei über den Ozean.

Aleksander Doba

14.000 Meilen über den Atlantik © Bartlomiej Ignaciuk

6.710 nautische Meilen im Sitzen

Schlaflosigkeit, Bewegungsmangel und Blasen an den Händen sind die großen körperlichen Belastungen im Kajak – Haie, giftige Quallen und Meeresschildkröten die tierischen Herausforderungen im Meer. Sogar Piraten bedrohen und verfolgen ihn unterwegs. Und wie auch Jean Jaques Savin, der dises Jahr im Holzfass über den Atlantik trieb, muss er sich vor riesigen Frachtschiffen in Acht nehmen, die ihn in seinem Kajak nicht wahrnehmen. Aber immer sind an seiner Seite die Delfine.

Jetzt ist im Gerstenberg-Verlag über die Abenteuer von Aleksander Doba ein wunderschön gestaltetes Bilderbuch herausgekommen. Angelehnt an den Titel „20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne beschreibt die Autorin Agata Loth-Ignaciuk darin sehr präzise, wie Doba es anstellt, 14.000 Seemeilen zu paddeln.

Alles wird erklärt: Wie er navigiert, was er isst, wie er kocht, wie er schläft, was vor der Reise alles zu bedenken ist und welche Überraschungen unterwegs auf ihn warten. Wenn man das Buch mit seinen Kindern gelesen hat, weiß man alles über eine Atlantiküberquerung im Kajak.

Aleksander Doba

Wenn der Hai beim Klogang wartet © Bartlomiej Ignaciuk

Der Illustrator Bartlomiej Ignaciuk zeichnete die Bilder dazu und macht das Buch zu einem Augenschmaus. In blau, weiß und schwarz gehalten, wirken manche Bilder wie Linolschnitte. Mit ihrer Schraffur geben sie der Geschichte ihre besondere Note. Das ist nicht nur für Kinder toll.

14.000 Meilen über das Meer
Agata Loth-Ignaciuk
Marlena Breuer (Übersetzung)
Bartlomiej Ignaciuk (Illustrationen)
88 Seiten, 21 x 27 cm, ab 10 Jahren
gebunden, illustriert
Gerstenberg-Verlag
ISBN 978-3-8369-6014-4
16 Euro (D), 16,50 Euro (A), 21,50 SFR

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