float Magazine

Sisi Austrian Ocean Race Projects Barbara Castek mit Ümit Uzun am Ruder der Sisi, dem Boot der österreichischen Ocean-Race-Kampagne © Eike Schurr
Ocean Race

Einmal im Rausch der Racer

Wie fühlt es sich an, Gast auf einem Ocean Racer zu sein? Für einen Tag war Barbara Castek Teil der Crew des Austrian Race Projects.

von
Kerstin Zillmer
in
5 Minuten

Gerade ist Sisi, die Rennyacht des österreichischen Ocean-Race-Projekts vom Rolex Middle Sea Race in den Heimathafen Portopiccolo zurückgekehrt. Und eigentlich würde float diese Woche auf dem Weg dorthin sein, um am 7. November am Schnuppersegeln auf diesem Volvo-Ocean-Racer teilzunehmen. Das wäre mal eine Einstimmung auf die Vendée Globe gewesen, die am Tag darauf startet!

Wäre. Der Termin wurde abgesagt und das Schnuppersegeln auf März 2021 verschoben, wie fast alles im Moment. Zum Glück haben wir ein Backup. Denn wir haben mit der Österreicherin Barbara Castek gesprochen, die schon im August mit Ümit Uzun beim Schnuppersegeln auf der „Sisi“ an Bord war. Die Neurologin und Rettungsärztin aus Villach erzählte uns nach ihrem Kurztörn, wie es sich anfühlt, auf einem 65 Fuß langen Ocean Racer an Bord zu sein.

Austrian Race Project Sisi Ocean Race
Sisi vor Portopiccolo © Eike Schurr

„Sie sind ein ganz eigener Schlag Menschen“

Barbara, bist Du eigentlich eine aktive Seglerin?

Ich bin in meiner Kindheit viel gesegelt. Im Moment bin ich eher wenig auf dem Wasser, weil ich beruflich sehr eingebunden bin. Und weil ich eine kleine Tochter habe, die noch nicht schwimmen kann. Mein Bruder ist begeisterter Segler, und ich bin großer Fan des Austrian Ocean Race Projects. Ich finde das Projekt klasse, als nicht-maritime Nation am Ocean Race teilzunehmen!

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Du hast den Platz beim Schnuppersegeln auf der Sisi bei Charterbar Yachting gewonnen und bist zusammen mit deinem Bruder und deinem Neffen nach Portopiccolo gefahren. Was hat dich dort erwartet?

Wir haben einfach nach dem höchsten Mast geschaut und das Schiff sofort gefunden. Dann wurden wir gleich von der Crew begrüßt und sie haben uns das Schiff, die technischen Details und die Route erklärt. Nach einer kurzen Mittagspause sind wir rausgefahren.

Austrian Race Project Sisi Ocean Race
Einweisung durch die junge Sisi-Crew © Eike Schurr

Wart ihr gut vorbereitet?

Ja, das Team hatte uns vorher genau gesagt, was wir mitnehmen müssen – vom Schuhwerk bis zur Kleidung.

Wie viele Leute waren an Bord?

Wir waren insgesamt 20 Personen, vier Crew-Mitglieder und 16 Gäste, eine bunt gemischte Truppe mit unterschiedlichen Segelfähigkeiten.

Und wie war dein erster Eindruck?

Ich fand es total faszinierend zu sehen, unter welchen spartanischen Bedingungen die Crew 90 Tage auf hoher See verbringen wird. Das Schiff ist in keiner Weise auf Komfort ausgerichtet.

Austrian Race Project Sisi Ocean Race
Ablegen mit Crew und Gästen © Eike Schurr

Wie war der Trainingsschlag mit Gästen? Was hast du genau gemacht?

Die Windverhältnisse waren mit 20 Knoten sehr angenehm. Aber auch Crew-Gäste wie ich wurden eingeteilt und bekamen Aufgaben. Wir haben auch gewechselt, aber der Genuss stand im Vordergrund.

War das einfach zu koordinieren, mit so vielen Gästen?

Es gab sehr klare Anweisungen von der Crew, die uns genau gesagt hat, was wir tun sollen. Es war eine Supermischung von Anleitung und selber machen. So große Segel hat ja sonst kein Schiff, und das ganze Handling ist sehr eigen. Wir sind viel gekreuzt und viele Manöver gesegelt.

Austrian Race Project Sisi Ocean Race
Barbara Castek am Ruder der Sisi © Eike Schurr

Du warst auch als Grinder an der Winsch eingesetzt…

Ja. Es war mein erstes Mal, und ich hatte es mir nicht so anstrengend vorgestellt. Es sind immer sechs Grinder am Arbeiten. Wir haben auch eine reine Frauenrunde gemacht. Da hatten wir ganz schön zu ackern. Es geht ordentlich in die Arme.

Wie denkst Du als Notärztin und Neurologin darüber?

Ich fahre neben meinem normalen Dienst auch Notarzt und betreue eine Rettungsorganisation. Ich habe mich schon gefragt, was passiert, wenn sich auf hoher See jemand wirklich verletzt.
Es gibt ja keine medizinische Versorgung, und eine Weltumsegelung ist beinhart. Die Crew hat mir erzählt, das sie auch medizinisch ausgebildet werden. Aber operieren können sie natürlich an Bord nicht. Das bleibt ein Risiko.

Austrian Race Project Sisi Ocean Race
Eine Weltumsegelung ist beinhart © Stefan Leitner/TAORP

Was war für dich das Besondere?

Die Möglichkeit, auf einem Ocean Racer mitzusegeln, bekommt man ja sonst nie! So ein Schiff kann man nicht chartern. Und es in geschützter Atmosphäre auszuprobieren fand ich großartig. Einmalig!

Was hat dich überrascht?

Wie spartanisch es auf dem Boot ist. Es gibt zwar eine Art Toilette – aber wir benutzen sie nicht, sagten sie. Alles geht hinten raus. Sie schlafen in Schichten. Unter Deck ist alles offen, alles auf Gewichtsreduzierung ausgelegt. Man schläft übereinander, es ist sehr beengt. Das sind Entbehrungen, die man sonst in unserer komfortablen Welt gar nicht mehr erlebt.

Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so krängt, wir hatten ja keinen Starkwind mit 20 kn. Die starke Krängung wird durch den kippbaren Kiel provoziert. Ich kenne das selbst vom Segeln – aber so schräg, so hoch, das war schon heftig. Ich habe mich dabei aber keinen Moment unsicher gefühlt.

Austrian Race Project Sisi Ocean Race
Die starke Krängung wird durch den kippbaren Kiel provoziert © Stefan Leitner/TAORP

Wer war von der regulären Sisi-Crew dabei?

Die beiden Kobale-Brüder waren an Bord: Oliver und Konstantin. Oliver ist ja während Corona in der Karibik gestrandet. Er ist erst 24 Jahre alt. Segeln ist für ihn alles. Der ist mit jeder Faser mit dem Schiff verbunden, genau so sein Bruder, beide segeln von Kind an. Und Anna Luschan war auch dabei. Ich war sehr beeindruckt, wie weit und reif sie alle im Kopf sind. Sie sind ein eigener Schlag Menschen.

Austrian Race Project Sisi Ocean Race
Sicherheitseinweisung vor dem Start © Eike Schurr

Konntest Du dich frei an Bord bewegen?

Bei der Sicherheitseinführung wurden uns Trittstellen gezeigt und wo man sich festhalten kann. Wir konnten uns ganz frei bewegen. Ale Manöver waren ja angekündigt, und wir sind durch nichts überrascht worden. Wenn nichts zu tun war, hatten wir auch Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und uns auszutauschen.

Wie lange bist Du an Bord gewesen?

Richtig gesegelt sind wir vier oder fünf Stunden.

Kannst Du den Törn mit dem Austrian Race Project weiterempfehlen?

Ja, unbedingt. Ich kann es jedem empfehlen, auch Seglern, die noch unerfahren sind. Es ist großartig, bei einem Ocean Racer an Bord zu sein – ein unwiederbringliches Erlebnis, finde ich. Es hat mich animiert, wieder mehr segeln zu gehen.

Das freut uns sehr, Barbara. Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Projekt im nächsten Jahr

Schnuppersegeln und Überführungen mit der „Sisi“ sind ab März 2021 geplant. Da der Start des Ocean Race um ein Jahr verschoben wurde und die Weltumseglung nun 2022 stattfinden soll, haben sich die Segelteams und die Organisation des Ocean Race einen Ersatzplan für das kommende Jahr überlegt.

Im kommenden Mai und Juni soll es eine Europa-Tour geben, an der ein Großteil der VO-65-Segelyachten teilnehmen wird. Dieses Rennen startet in Klaipedia in Litauen und führt über Polen, Dänemark und Holland nach Lorient in Frankreich. Von dort startet die European Tour und führt über Portugal, Spanien und Monaco bis Genua.

Mit float an Bord gehen

So wie Barbara Castek mit Ümit Uzun im August an Bord ging, werden auch wir einen Gast mit auf die Sisi nehmen, wenn die Luft wieder rein ist. Alle float friends, die im nächsten Frühjahr beim Schnuppersegeln mit float dabei sein wollen, können sich schon jetzt hier zur Verlosung anmelden.

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