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Nellie Bly unterwegs © PD
Weltreise

In 72 Tagen um die Welt

Die Journalistin Nellie Bly reiste als schnellste Frau des 19. Jahrhunderts um die Welt. Heute vor 129 Jahren kam sie an.

Kerstin Zillmer
von in
2 Minuten

Nellie Bly ist Investigativjournalistin beim New York Global. Zwei Jahre nach ihrem spektakulären Enthüllungsbericht über die Missstände in einer psychiatrischen Anstalt in New York, in die sie sich für zehn Tage selbst einweisen ließ, bekommt sie 1889 einen ganz besonderen Auftrag: Sie soll die fiktive Reise aus Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt“ nachreisen. An Bord moderner Dampfschiffe und Eisenbahnen schafft sie die Strecke in nur 72 Tagen. Die Geschichte wird zum journalistischen Coup des Jahres und der Höhepunkt ihrer Karriere. Bei ihrer Rück­kehr ist Nellie Bly die gefeierte Heldin vieler Amerikanerinnen.

Nellie Bly, mit bürgerlichem Namen Elizabeth Jane Cochran, kommt aus einer kinderreichen Richterfamilie. Ihre berufliche Karriere beginnt 1884 mit einem Leserbrief an die Tageszeitung Pittsburgh Dispatch. Der Text beeindruckt den Herausgeber der Zeitung so sehr, dass er ihr eine Stelle als Reporterin anbietet. Sie nimmt das Angebot an, nennt sich fortan Nellie Bly und schreibt investigative Reportagen für die Zeitung. Als sie in die Redaktion für Frauenthemen versetzt wird, kündigt sie. Nellie Bly geht nach New York und arbeitet als Reporterin bei Joseph Pulitzers Zeitung New York World.

Nellie Bly

Nellie Bly in Reisekluft © PD

Nellie Bly

Nellie Bly mit 25 Jahren © Wiki Commons

Weltreise als Redaktions-Auftrag

Die New York World beauftragt Nellie Bly, die Route aus Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt“ nachzureisen. Am 14. November 1889 bricht die Journalistin zu ihrer Weltumrundung in Rekordzeit auf. Bekleidet mit einem maßgeschneiderten Reisekleid, Mantel und Handtasche ist die 25-jährige die erste Frau, die ganz öffentlich ohne männliche Begleitung reist. 32.800 Kilometer geht es über England, Frankreich, Italien nach Ceylon, Hongkong, China und Japan zurück nach San Francisco in den USA.

Weltweit berichtet man über ihre Tour. Unterwegs besucht Nellie Bly im französischen Amiens den Romancier Jules Verne. Von ihm berichtet sie begeistert in ihrem eigenen Roman. Ihre Reise wird zum US-amerikanischen Medienspektakel der Saison. Auf dem Endspurt durch die USA wird die junge Journalistin von der amerikanischen Bevölkerung frenetisch gefeiert. Nach 72 Tagen, sechs Stunden, elf Minuten und 14 Sekunden beendet sie die Reise am 25. Januar 1890, heute vor genau 129 Jahren.

Augusta Victoria

Augusta Victoria, das erste Kreuzfahrtschiff © PD

Die unterhaltsam zu lesende Reportage von Nellie Bly erscheint 1890 in der New York World. Sie gibt einen seltenen Einblick in die Frühzeit des individuellen Weltreisens. Und damit in die technische Erschließung der Welt. Gleichzeitig ist es ein Zeugnis kolonialen Größenwahns. Bly beschreibt ihre hektische Reise wundervoll humorvoll und geistreich. Sie spielt alberne Unterhaltungsspiele mit versnobten Mitreisenden und erlebt viele unterhaltsame Situationen an Bord der Schiffe, mit denen sie reist.

Die deutschsprachige Erstausgabe des Buchs von Nellie Bly ist erschienen im AvivA-Verlag. Mit einem Vorwort von Martin Wagner und übersetzt von Josefine Haubold, kostet es 20 Euro.

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