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AKKA Frauen-Segel-Crew © Wolf Hansen
REGATTA

Jetzt rocken wir es richtig!

Die ORC-Frauencrew Akka tritt zur Europameisterschaft in Danzig an.

Friederike Hiller
von in
4 Minuten | 1 Kommentar

„Was für ein wunderbares Mittelmeerwetter“, strahlt Skipperin Anke Scheuermann zu Beginn der Kieler Woche. „Ihr müsst aufpassen, das geht ganz schön auf die Birne.“ Damit in der Mittagssonne keine Siesta-Stimmung aufkommt, motiviert sich die Mädels-Crew auch in den Pausen zwischen den Wettfahrten. Und lernt sich so noch besser kennen.

Es ist erst die zweite Saison für das reine Frauenteam, mit dem für Anke Scheuermann die Vision eines leistungsorientierten Spaßprojekts Wirklichkeit geworden ist. Im vergangenen Jahr konnten sie erste Erfolge einfahren. Diese Saison begann mit einigen Veränderungen. „Vier Positionen sind neu besetzt“, erklärt die Skipperin. „Es hat viele Wechsel an Bord gegeben.“ Insgesamt zehn Frauen segeln auf der von Hotquito gesponserten Finnflyer 36. Für eine der Seglerinnen war die Kieler Woche 2017 im Juni die erste Regattaveranstaltung. „Sie hat einen super Job gemacht“, sagt Anke Scheuermann. „Insgesamt sind wir aber noch nicht so flexibel bei Taktik und Manövern wie mit einem voll eingespielten Team.“

  • alternative textWarnemünder Woche 2017 © wolf hansen/sailingpix.de
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Viel Zeit, um sich auf die Höhepunkte der Saison vorzubereiten, blieb der Crew nicht. Am Montag, den 24. Juli, geht es zu den ORC-Europameisterschaften nach Danzig. „Es läuft megagut“, freut sich Anke Scheuermann. Bereits der Start zur Internationalen Deutschen Meisterschaft mit der Langstreckenregatta gelang: Platz drei von 25. Nach weiteren erfolgreichen Wettfahrten liegt das Frauen-Team auf dem Bronze-Rang. „Toll. Wir haben es geschafft und stehen auf dem Treppchen“, freuen sich die Seglerinnen über den Erfolg. „Die Tage waren grandios.“

Neben guten Ergebnissen und Spaß beim Segeln hat die Steuerfrau für diese Saison das Ziel ausgegeben, Kontinuität in die Crew zu bringen. Denn: „Es ist schön zu sehen, wie die Seglerinnen sich entwickeln.“ Was in einer Wettfahrt noch ein bisschen holperig lief, wird bei der nächsten bereits besser umgesetzt. „Wir haben eine sehr gute Taktikerin an Bord. Sie ist immer super vorbereitet und hat ein sehr gutes Gespür.“ so Scheuermann. Jede Minute auf dem Wasser bringt das Frauenteam seinem Ziel ein Stück näher: Jede Situation muss einmal erlebt werden, um an den Erfahrungen zu wachsen. Da war beispielsweise ein Frühstart während der Kieler Woche: „Das war ein gutes Training.“ Dazugelernt hat die Crew damit auch in Sachen Vertrauen. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser – nach diesem Motto stoppen sie nun ihre Zeiten mit. Das war ein Tipp der Tutima-Crew. Die in der Regatta-Szene etablierte Frauen-Crew gibt – wie eine große Schwester – gerne der kleineren Akka-Crew den ein oder anderen Tipp mit auf die Wettfahrt. Die Tutimas sind nicht nur in Sachen Erfahrung das ältere Team, sondern auch bei der Bootsgröße die größere Schwester. Im direkten Duell treten die beiden daher nicht gegeneinander an.

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Die aktuelle Akka-Crew © Friederike Hiller

„Es macht Spaß, das Boot peu à peu unter Kontrolle zu bekommen. Ich kenne es auch noch anders herum, als es mich unter Kontrolle hatte“, erzählt Anke Scheuermann rückblickend von der vergangenen, ihrer ersten Saison. „Wir alle sind überrascht, was passiert ist.“ Sie ist stolz auf ihre Crew und deren, wie sie es nennt, effiziente Lernkurve. „Wir haben uns fleißig vorbereitet und sind materialmäßig gut unterstützt worden.“ Im Mai 2016 überquerten sie zum ersten Mal Start- und Ziellinien bei der Maior-Regatta. Von den anderen Crews wurden sie freundlich in der Regattaszene aufgenommen. „Sie haben gesehen, dass wir fleißig sind und Energie sowie Zeit investiert haben.“ Leistung verschafft Respekt – so fasst Anke Scheuermann die Erfahrungen ihrer Crew in der Männerdomäne Regattasegeln zusammen.

Zwar mussten die Akka-Frauen feststellen, dass bei stärkerem Wind mehr Crewgewicht und Hände und eine Person mehr im Trimm als bei den Männern benötigt wird. Auch wenn Starkwind die Mädels vor körperliche Herausforderungen stellt, sind solche Bedingungen mittlerweile eine gern gesehene Herausforderung. „Heute ist viel Wind, heute rocken wir es richtig“, so das Motto.

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Skipperin Anke Scheuermann © Akka

„Das Wasser hat eine extreme Anziehungskraft“, schwärmt die Wahlham-burgerin, die vom Opti auf 420er und 470er wechselte, um dann über Match-Race-Segeln zu den Dickschiffen zu kommen. Leistung war und ist Anke Scheuermann wichtig. Auf der letztjährigen Kieler Woche lernte sie den jetzigen Sponsor Hotquito kennen, einen Architekten aus Strande. Der war fasziniert von einer anderen Frauencrew, jener, die beim Volvo Ocean Race teilgenommen hatte. Je größer die Schiffe, desto weniger Frauen an Bord war die Beobachtung des Sponsors. Das wollte der Hotquito-Geschäftsführer Siegfried Leithäuser-Rieck ändern. In Anke Scheuermann fand er die richtige Steuerfrau für das Projekt.

„Es ist ein wunderschönes Schiff. Ein Racer vom Rumpfbau und dazu ein Carbon-Rigg“, freut sich die Skipperin über die „Akka“. Aus dieser Yacht will sie zusammen mit ihren Mädels alles herausholen. „Wenn sie Fun, Teamspirit und Bock darauf haben, am Projekt zu arbeiten, ist das der Schlüsselfaktor für den Erfolg.“

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© wolf hansen/sailingpix.de

Über das Boot Akka (GER 6484)
Die FinnFlyer 36 (ff 36007) wurde in Jakobstad im Westen Finnlands gebaut. Entworfen wurde der Racer von Karl-Johan Strahlmann. Eigentlich als Cruiser-Racer gedacht, ist das Elfmeterschiff mit seinem geringen Gewicht von 5 t fast ein reinrassiger Racer. Das Einsparen unnötigen Gewichts in der Konstruktion sorgt für ein Plus an Geschwindigkeit. Der Großteil der Inneneinrichtung ist aus leichtem Divinycell-Schaum gefertigt und unter Vakuum entweder mit dünnem Eichen- oder Mahagonifurnier überzogen. Im Kielbereich sorgt die massive Stringer- und Spantenstruktur aus Kohlefaser für Stabilität. Beim Rumpf setzte die Werft auf mit Glasfaser verstärkten, im Vakuum-Infusionsverfahren verarbeiteten Kunststoff. Die Außenhaut wird zusätzlich durch Kevlar- und Kohlefasermatten verstärkt.

Alle weiteren Informationen über die Crew: AKKA

Vielen Dank an Wolf Hansen für die tollen Fotos!

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