float Magazine

Kim Burmeister hat das kalte Wetter im Griff © Kim Burmeister
Leben an Bord

Kim trotzt Eis und Kälte

Kim Burmeister lebt seit zwei Jahren auf ihrem Schiff. Doch die Kälte des Winters kann ihr nichts anhaben.

1
von
in
4 Minuten | 1 Kommentar

Wir wollten wissen, wer sich bei diesen Temperaturen traut, auf seinem Boot zu leben. Also habe ich Kim Burmeister angerufen, die mit ihrer Bavaria in Kiel an der Förde liegt und hier überwintert. Sie hatte sich gerade einen Kaffee gekocht, als ich anrief, und so haben wir ein bisschen über das Wetter geschnackt.

Dieser Text erschien zuerst am 10. Februar 2021 – und gehört zu den beliebtesten float-Beiträgen im Jahr 2021.

float: Kim, was siehst du, wenn du aus deinem Boot schaust?

Kim Burmeister: Wenn ich steuerbord rausschaue, sehe ich Plane. Ich habe eine Wetterschutzplane über das gesamte Boot gezogen um das Material vor der Witterung zu schützen. Wenn ich backbord schaue, sehe ich Boote und ein bisschen Mole.

Stromkasten auf Eis
Stromkasten auf Eis © Kim Burmeister
Vereister Steg
Vereister Steg © Kim Burmeister

Du hast ein Bild gepostet mit einem vereisten Stromkasten am Steg. Ist das deiner?

(Kim lacht) Nein, der steht auf der anderen Seite der Mole. Von dort kommt ja der Wind. Bei uns spritzt die Gischt nicht so hoch und wir kriegen den Wind nicht so ab. Unsere Boote legen sich zwar auf die Seite, aber bei uns gefriert die Gischt noch nicht in der Luft.

Hast du denn noch Strom an Bord?

Ja, Strom habe ich noch, aber kein Wasser. Das haben wir abgestellt, damit die Leitungen nicht zufrieren. Wir achten im Moment auf den Wasserstand, denn ab 1,20 m über Normal bekommen wir Probleme. Dann würden an den Hauptstegen die Stromkästen überflutet werden.

Kim schleppt Wasser an Bord
Kim schleppt Wasser an Bord © Kim Burmeister

Wo holst du jetzt das Wasser?

In den Gemeinschaftsräumen im Hafen. Die Duschen und Waschräume sind beheizt, zum Glück. Es ist jetzt keine Spa-Oase, aber doch warm genug, um schnell mal zu duschen.

Wie heizt du an Bord?

Ich habe eine Diesel-Luftheizung verbaut mit einem separaten Tank. Sie läuft im Moment noch nicht ganz auf Volllast und es ist noch nicht ganz so muckelig warm, wie ich es gerne hätte. Ich hoffe, sie wird noch ausreichen, wenn es kälter wird. Bei meinen Nachbarn, gerade auf den großen Schiffen, kommen die Öfen schon an ihre Grenzen.

Wieviel Grad sind denn muckelig warm für dich?

23 Grad finde ich muckelig, unter 18 Grad ist es kühl. Dazwischen ist alles prima. Leider ist es ist ja nicht in allen Ecken des Bootes gleich warm. Vor dem Lüftungsausgang ist es angenehm, aber in der Achterkabine, wo ich schlafe, ist es kalt. Das dauert dann, bis die Decke warm wird.

alternativetext
Kim und ihre kleinen Fußwärmer © Kim Burmeister

Was ist gerade schwierig an Bord?

Kochen ist nicht einfach. Ich koche selber an Bord und das fühlt sich gerade so an wie auf See. Ich muss den Topfhalter fixieren, weil das Boot bei dem Sturm so sehr krängt.

Und was kochst du?

Gestern gab es einen Flammkuchen, den ich im Ofen gebacken habe. Am Wochenende gab es vegetarische Frikadellen und Rotkohl.

Klingt lecker! Seit wann ist das Wetter bei euch in Kiel so?

Am Samstag fing es so richtig an. Aber Frost haben wir bereits seit eineinhalb Wochen.

Wer ist denn außer dir noch im Hafen?

Wir sind eine bunte Community in einem kleinen selbstverwalteten Hafen, der in den 70ern gegründet wurde. Wir leben und arbeiten auf unseren Schiffen.

Etwas über 20 Personen leben aktuell auf den Booten. Ich bin ja ein sehr kommunikativer Mensch und genieße es hier. Man kann alleine sein auf seinem Boot und hat trotzdem eine Gemeinschaft rundherum.

Das ist ja eine recht große Community. War das schon immer so?

In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der Bewohner verdoppelt und verjüngt und es sind ein Haufen junge Leute dazugekommen, alle Anfang bis Mitte dreißig.

Kim lebt auf einer Bavaria 300
Kim lebt auf einer Bavaria 300 © Kim Burmeister

Auf was für einem Boot lebst du?

Ich habe mir im September letzten Jahres eine Bavaria 300 von 1990 gekauft. Sie ist knapp 10 Meter lang und grundsolide. Die Aufteilung ist so, wie ich es mir immer gewünscht habe: geräumiges Cockpit, schöner gemütlicher Salon. Man will sich gleich dort hinsetzen. Ich habe eine kleine Pantry, einen Kühlschrank, eine Spüle und einen kleinen Navitisch. Es gibt ein kleines Bad und eine Achterkajüte mit Doppelbett, Staufläche und Schrank. Für mich ist es perfekt und ich freue mich, dass ich in den Häfen die Liegeplätze bezahlen kann.

Wie lange lebst du jetzt auf dem Boot?

Seit knapp zwei Jahren. Vorher habe ich in einer WG gewohnt und als die sich auflöste, bin ich aufs Boot gezogen. Es war März und ich wollte eh auf dem Wasser leben. Das erste halbe Jahr war anstrengend. Als dann der Winter kam, hatte ich mich an den kleinen Schuhkarton schon gewöhnt. Das erste Boot, das ich hatte, war ja nur etwas über acht Meter lang. Und dann hatte ich einen Job in der Schweiz und dann kam Corona. Und so bin ich immer noch hier und finde es toll.

Es wird jetzt ja noch mal richtig knackig kalt. Was machst du, wenn dein Boot einfriert?

Die Boote, die beheizt sind, haben das Problem nicht so sehr. Aber wir hatten im Hafenbecken schon eine dünne Eisschicht auf dem Wasser und man hörte das Eis schon am Rumpf schaben. Das ist nicht so gut für das Material. Aber da dies ja kein stehendes Gewässer ist, werden wir nicht so schnell einfrieren. Wenn dann würden wir das Eis aufpicken, denke ich. Aber schauen wir mal, wir finden schon eine Lösung.

Danke für das Gespräch, Kim. Ich wünsche dir warme Füße und dir und deinen kleinen Katzen ein dickes Fell in den nächsten Tagen.

Wer mehr über Kim wissen will, geht zu ihrem Blog Sturm oder Flaute.

Ein Kommentar

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame
Reklame