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Ein schöner Klassiker aus dem Foto-Vortrag von Sören Hese beim FKY Wintertreffen 2019 © Sören Hese Ein schöner Klassiker aus dem Foto-Vortrag von Sören Hese © Sören Hese
Freundeskreis Klassische Yachten

Klassiker im Hörsaal

Über 300 Freunde klassischer Yachten trafen sich letztes Wochenende im Hamburger Völkerkundemuseum.

Tommy Loewe
von in
5 Minuten

Das diesjährige Wintertreffen vom Freundeskreis Klassische Yachten Anfang Februar war so gut besucht wie immer. Wilfried Horns und sein Team luden mit einem attraktiven Programm ins Hamburger Völkerkundemuseum ein – und viele Freunde kamen.

Vor dem altehrwürdigen Hörsaal mit Holzbänken drängelten sich am Samstagabend schon lange vor Einlass über 300 Menschen. Der Saal füllte sich bis auf den letzten Platz – und zunächst darüber hinaus. Aber anders als in den Jahren zuvor achtete dieses Mal ein Wachdienst darauf, dass der Saal nicht zu voll wurde und die Fluchtwege frei blieben. Das neue Management des Museums am Rothenbaum hatte dem FKY entsprechende Auflagen gemacht. Nicht alle fanden das gut.

Und so sorgte dieser Umstand besonders zu Beginn des zweiten Vortrags für einigen Unmut bei den Besucherinnen und Besuchern, die ganz unerwartet nicht mehr in den Hörsaal gelassen wurden. Alternativ fand man sich zu anregenden Gesprächen im Restaurant oder im Foyer zusammen, bis es zum dritten Veranstaltungsteil wieder genug Plätze für alle gab.

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Großer Andrang im Hörsaal © Ariane Schulz

Formeln im Yachtdesign

Bereits am Freitag wurden beim 5. Classic Yacht Symposium interessante Fach-Vorträge geboten. Den Beginn machte Torsten Conradi, Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbands, und Mit-Geschäftsführer der Firma Judel/Vrolijk Co. Sein Thema: Formeln im Yachtdesign vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.

Um unterschiedliche Boote in einer Regatta zusammenzubringen, begann man in England mit dem „Thames Measurement“. Das führte zu immer schmaleren und längeren Booten („Länge läuft“), bis diese bei etwas mehr Wind zu kenteranfällig wurden. Meter-Klasse-Rennyachten wie die 5er, 6er, 8er und die imposanten 12er trifft man heute wieder in großer Zahl bei Regatten an, zum Beispiel bei den German Classics.

Die International Offshore Rule-Formel (IOR-Formel) der 1970er-Jahre inspirierte viele Konstrukteure zu dickbauchigen Rümpfen mit merkwürdigen Heckpartien und Vermessungsbeulen. Diese Boote waren gut an der Kreuz, aber vor dem Wind wegen ihres Topp-Riggs eine Katastrophe. Immerhin gewannen die drei deutschen Yachten Saudade, Rubin und Carina III im Jahr 1973 den Admirals’s Cup. Diesen Team-Cup des britischen Royal Ocean Racing Clubs holten sie zum Erstaunen der internationalen Segelwelt.

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Wie damals an der Uni © Ariane Schulz

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© Ariane Schulz

Holz war völlig out

Zur Gewichtsersparnis flog damals fast die komplette Einrichtung aus diesen Schiffen. Eine Langstreckenregatta wurde zu einem Ritt auf der Plastik- oder Aludose. Holz war zu jener Zeit völlig out. Über das International Measurement System (IMS) ging es weiter zur Box Rule, dem heute gültigen Maßstab. Dabei wurden Einheitsklassen um wenige festgelegte Parameter herum konstruiert.

Das Publikum, beinahe ausschließlich Liebhaber klassischer Holzboote, hörte sich diese Ausführungen interessiert an und stellte viele Fragen, beispielsweise nach Conradis Lieblingsschiff. Die Antwort fiel ihm leicht: Es ist die von ihm 1986 gezeichnete schnelle Tourenyacht Elsa, die auf der Wegner-Werft in Wedel aus formverleimtem Holz gebaut wurde. Sie holte so manche Trophäe und wird heute noch als Familienschiff gesegelt.

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Filmemacher Tom Nitsch und Mitorganisator Steffen Tiemann lauschen mit Vergnügen © Ariane Schulz

Kielbolzen im Eichenholz

Nach der Kaffepause hielt Nico von Bosse einen Vortrag über Korrosionslehre. Kielbolzen in altem Eichenholz sind immer wieder Thema im Klassiker-Bootsbau, ebenso wie die Verwendung verschiedener Edelstähle. Literaturtipps dazu gab es auch: Nico von Bosse empfahl unter anderem das Buch „Korrosion auf Holzbooten“ von Bootsbaumeister Uwe Baykowki und den englischen Band „Metal Corrosion in Boats“ von Nigel Warren.

Thomas Dührkop, Inhaber der Firma Global Maritime Management aus Trittau, gab dem Publikum einen Einblick über galvanische Ströme an Bord von Schiffen, die Metalle zersetzen können. Manch ein Yachteigner wird nach dem Vortrag sein Boot auf die Isolierung aller verbauten Metalle untersuchen.

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Sonderklasse: die Tilly XV © privat

Zum Abschluss des Symposiums berichtete Segelmacher Jörg Mößnang von der für Prinz Heinrich von Preußen – dem Namenspaten der berühmten Mütze – konstruierten Sonderklasse-Yacht Tilly XV. Das 1912 bei von Hacht in Hamburg auf Kiel gelegte Boot wurde Anfang der 2000er Jahre restauriert. Beim gemeinsamen Abendessen, das bis bis kurz vor Mitternacht dauerte, gab es für die Anwesenden reichlich Gesprächsstoff.

Mit einer klassischen Yawl über den Atlantik

Am Samstagabend fand dann das eigentliche Wintertreffen vom Freundeskreis Klassische Yachten statt. Viel Beachtung fand der Bericht einer Atlantikreise von Sophie Heyer und Claas Lehmann, die 2016 mit ihrer Yawl Hera zusammen mit einer Freundin und Baby Daphne von Hamburg in die Karibik segelten. Die Yacht wurde 1951 von Henry Rasmussen entworfen.

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Claas Lehmann und Sophie Heyer erhalten den Langfahrtenpreis © Sören Hese

Einer stürmischen Überfahrt folgte ein traumhafter Wintertörn in der Karibik. Zurück nach Europa ging es für die Segler dann im Flieger – die Hera fuhr per Huckepack-Dampfer nach Southampton. Allerdings ließ sich die kleine Familie eine Heimkehr auf eigenem Kiel nicht nehmen und fuhr von England aus über Irland, Schottland und Helgoland zurück an die deutsche Küste.

Wo der „German Ocean“ liegt

Jörg Mössnang berichtete von den internationalen Regatta-Abenteuern der am Vortag vorgestellten Tilly XV. Hal Sisk aus Irland, Chairman der Association of Yacht Historians und ein gern gesehener Gast des FYK, hielt einen humorvollen Vortrag über den „German Ocean“. Diese Bezeichnung trug die Nordsee auf vielen Karten in vergangenen Jahrhunderten, aber erstaunlicher Weise niemals auf deutschen.

Darüber hinaus erzählte Hal Sisk auch begeistert von der Dublin Bay 21 – einer Einheits-Regattaklasse, die der Yachtkonstrukteur Alfred Mylne für den Dublin Bay Sailing Club entworfen hat. Die erste Regatten fanden bereits 1903 in der Bucht vor Dublin statt. Heute gibt es in Irland Bestrebungen, diese Klasse zu neuem Leben zu erwecken.

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Häufiger Gast mit feinem Humor: Hal Sisk aus Irland © Ariane Schulz

Bevor Filmemacher Tom Nitsch mit Ausschnitten aus „Teaching – The Consequence of the Bug“ den Abend beschloss, gehörte die Bühne Matthias Kahl. Der Vorsitzende des Vereins Freunde Viermastbark Peking e.V. berichtete von Geschichte, Erwerb, Überführung und Restaurierungsstand der Viermastbark. Der Flying P-Liner soll ab Sommer 2020 den Hamburger Hafen zieren.

Er klärte auch für das Publikum beim Freundeskreis Klassische Yachten die Frage, warum die Namen aller Schiffe der Hamburger Reederei Laisz mit dem Buchstaben „P“ anfangen. Es war die Frisur der Frau des Reedereigründers, die ihr den Spitznamen „Pudel“ eintrug. Dessen Anfangsbuchstabe wurde für alle Schiffsnamen verbindlich.

Tolle Fotoshows von Nico Krauss und Sören Hese, wie der Vortrag zum „Making Of hinter der Regatta“ rahmten das Programm ein. Mit humorvollen Vorschauen auf die vom Freundeskreis veranstaltete Max-Oertz-Regatta und die diesjährige Neuauflage der Classic Week endete das Treffen.

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Nordisches Folkeboot aus dem Foto-Vortrag von Sören Hese © Sören Hese

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