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Alex Thomson Keel Walk © Lloyd Images
FLOAT FLASHBACK: Vor 8 Jahren

Kleider machen Helden

Hugo Boss sponsert keine Nischensportarten und ist doch Hauptsponsor von Weltumsegler Alex Thomson. Warum eigentlich?

von
Stephan Boden
in
3 Minuten | 5 Kommentare

Fußball, Golf und Motorsport sind für Sponsoren sehr attraktiv. Man erreicht dort Millionen von Menschen, beim Fußball eher Milliarden. Dafür pumpen große Unternehmen riesige Summen in Vereine, Teams und Sportstars. Der Segelsport hingegen lässt sich kaum mit solchen Summen vermarkten. Die Zielgruppe ist einfach zu klein. Beim Segler Alex Thomson ist das anders. Für den schwäbischen Modehersteller Hugo Boss ist der Segler eines der wichtigsten Aushängeschilder – mit spektakulären Aktionen wie dem Keel Walk. Bei diesem spektakulären Stunt, dessen Video Ende Januar 2012 ins Netz gestellt wurde, steht der Segler im Anzug auf dem Kiel seines Ocean Racers.

Weltkonzerne geben lieber viel Geld aus und erreichen viele Menschen, als mit wenig Geld wenig Menschen zu erreichen. Daher hängen die teuren Segelkampagnen auch oft am Nabel von Einzelpersonen, die milliardenschwer sind und Leidenschaft für den Wassersport besitzen. Sie finanzieren sich ihr Hobby mit viel Geld. Jenseits von Monte Carlo und Porto Cervo bekommt das jedoch kaum jemand mit.

Alex Thomson
© Jean-Marie-Liot/DPPI/Vendee Globe
Alex Thomson
© Olivier Blachet/DPPI/Vendee Globe

Eine Art James Bond unter Segeln

Warum, fragen sich viele, sponsert Hugo Boss also den Waliser Offshoresegler Alex Thomson? Bisher hat er in der öffentlichen Wahrnehmung nur durch Kenterungen, Mastbrüche oder recht spektakuläre Imagevideos mit dem berühmten Mast Walk und dem Keel Walk von sich reden gemacht. Er gilt eher als tragischer Held.

Auch beim Segelspektakel Vendée Globe 2016 hat es ihn wieder erwischt: Mit 130 Seemeilen Vorsprung in Führung liegend, verliert er nach einer Kollision mit einem unbekannten Objekt einen Foil. „Der gewinnt nie was“ liest man nicht selten über den 42-jährigen, der bereits seine vierte Vendèe fährt und bisher überwiegend durch Kollisionen, Blinddarmentzündungen auf See oder selbstloser Helfer von in Seenot geratenen Mitstreitern auffiel.

Dennoch besteht die Partnerschaft mit Hugo Boss seit 2003 und gilt als eine der längsten in der Szene. Die großen Gewinner der Offshore Regatten dagegen fahren mit Marken auf ihren Rümpfen herum, bei denen die meisten nicht mal wissen, was das überhaupt ist. Bei Thomson dagegen reihte sich Mercedes-Benz als Co-Sponsor ein.

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Als die schwäbische Marke Mercedes Benz förderte Alex Thomsons Weltumsegelung© Cleo Barnham/Hugo Boss/Vendee Globe

Ums Segeln geht es gar nicht

Die Frage nach dem Sponsoring jedoch beantwortet sich bei Thomson eher in anderen Märkten. Denn Hugo Boss vermarktet Alex Thomson gar nicht primär im Segelsport. Wertvoll wird er als Markenbotschafter erst, wenn er in der Modeszene präsentiert wird. Dort, in einer wirklich riesigen und gern euphorischen Zielgruppe, versteht kaum jemand was vom sportlichen Segeln.

Dort ist Thomson der Held, der mitten auf hoher See Kollisionen überlebt, den Mast hoch wandert und hinter seinem Boot Kite fährt. Thomson wirkt auf diese Szene wie der krasseste Weltumsegler der Menschheitsgeschichte. Der auch noch aussieht wie ein Boss-Modell.

Eine Art James Bond unter Segeln, ein Superhero. Dazu riecht der Yachtsport immer nach Geld. Da reiht sich Segeln nahtlos in die Boss-Sponsoringfelder Golfen und Formel 1 ein. Und noch ein wichtiges Detail gibt es zu vermerken: Thomson spricht Englisch. Den versteht man außerhalb Frankreichs wenigstens. Englisch lässt sich weltweit vermarkten.

Alex Thomson
Start zum Keel Walk © Copyright
Alex Thomson
Segler steht © Lloyd Images

Der Sponsor kann nur gewinnen

Der Modemarke vom Rande der schwäbischen Alb können die Segler dieser Welt dabei fast egal sein. Die tragen meist Farbkombinationen, die bei dem Label auf der verbotenen Farbliste stehen und sind für ein Weltunternehmen eine sehr kleine und daher fast unwichtige Zielgruppe.

Statt in knalligen Marinefarben mit hohen Kragen zeigt sich Thomson bei der Abreise vor 300.000 Menschen in Les Sables-d’Olonne wie jemand, der gerade vom shoppen aus der Old Bond Street kommt. Und mal ehrlich: Alex Thomsons IMOCA sieht schon ziemlich geil aus.

Boss ist es mit guten Inszenierungen des segelnden Markenbotschafters gelungen, Thomson in seiner Kernzielgruppe als Show zu etablieren. Durch die enorme Präsenz in den Medien und die teilweise spektakulären Imagevideos ist Alex Thomson jedoch auch in der Seglerszene einer der großen Heroen geworden.

Alex Thomson
Alex Thomson gewinnt Land nach dem Stunt © Lloyd Images

Solche Inszenierungen sind völlig neu und werden dankbar angenommen. Weil er es verdient hätte, weil er ein sympathischer Kerl ist und damit dieses Der-gewinnt-nie-was-Gerede aufhört. Beim Vendeé Globe 2016 schafft er es – nach zwei Rennabbrüchen 2004 und 2008 und Platz 3 im Jahr 2012/2013 – mit wenigen Seemeilen Abstand Platz 2 zu halten.

Sein langjähriger Sponsor indes kann auch dieses Rennen nur gewinnen, egal ob Alex Thomson gewinnt oder nicht – entweder unsterblich oder tragischer Held, der Sieger der Herzen. Die Segler fiebern, die Modeleute feiern. Egal, was kommt: Alles richtig gemacht in Metzingen.

direkt zum Video
Alex Thomson attempts the Keel Walk

5 Kommentare

OK. Nie etwas gewinnt. Er hat den Einstieg in den Segelsport geschafft weil er als Skipper mit gerade mal 25 das Clipper Round the World gewonnen hat. Is nix. Letzte Vendee mit einem unterlegenen Boot 3. geworden, viele Tage schneller als andere mit der gleichen Bootsgeneration. Auch nix.
Thomson wird gern so dargestellt, dass er durch seine Marketingstunts auffällt und damit Geld hat um weiter zu segeln. Dass er einer der besten Segler ist findet kaum Platz in den Artikeln. Dieses mal ist das erste Round the World Rennen wor er mit einem Boot antritt, das das Potenzial zum gewinnen hat.
Die Blinddarm geschichte war übrigens auch vor dem BWR 😉

Antwort

Sorry, letztes BWR hatte er auch ein gutes Boot. Lag weit in Führung als der Mast von oben kam…

Antwort
Hans-Gert /

Gibt es da wirklich nichts anderes? Was ist mit Audi, die ja das deutsche Segeln dominieren, oder dem Volvo Ocean Race? Bringt denen das was, wenn sie vor allem in die Seglerschaft zielen?

Antwort

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