float Magazine

© Alex Thomson/Mark Lloyd © Alex Thomson/Mark Lloyd
VENDÉE GLOBE

Kleider machen Helden

Die Marke HUGO BOSS sponsert eigentlich keine Nischenmärkte wie Wassersport und Co. Dennoch ist sie der Hauptsponsor von Alex Thomson. Warum eigentlich?

Stephan Boden
von in
3 Minuten | 5 Kommentare

Fußball, Golf und Motorsport sind für Sponsoren sehr attraktiv. Man erreicht dort Millionen von Menschen, beim Fußball eher Milliarden. Dafür pumpen große Unternehmen riesige Summen in Vereine, Teams und Sportstars. Der Segelsport hingegen lässt sich kaum mit solchen Summen vermarkten. Die Zielgruppe ist einfach zu klein. Weltkonzerne geben lieber viel Geld aus und erreichen viele Menschen, als mit wenig Geld wenig Menschen zu erreichen. Daher hängen die teuren Segelkampagnen auch oft am Nabel von Einzelpersonen, die milliardenschwer sind und Leidenschaft für den Wassersport besitzen. Sie finanzieren sich ihr Hobby mit viel Geld. Jenseits von Monte Carlo und Porto Cervo bekommt das jedoch kaum jemand mit.

alternative text

© Jean-Marie-Liot/DPPI/Vendee Globe

alternative text

© Olivier Blachet/DPPI/Vendee Globe

Warum, fragen sich viele, sponsert HUGO BOSS also den Waliser Offshoresegler Alex Thomson? Bisher hat er in der öffentlichen Wahrnehmung nur durch Kenterungen, Mastbrüche oder recht spektakuläre Imagevideos wie der berühmte „Mastwalk“ oder „Keelwalk“ von sich reden gemacht, gilt eher als tragischer Held. Auch bei der gerade laufenden Vendée Globe hat es ihn schon wieder erwischt: Mit 130 Seemeilen Vorsprung in Führung liegend, verliert er nach einer Kollision mit einem unbekannten Objekt einen Foil. „Der gewinnt nie was“ liest man nicht selten über den 42-jährigen, der bereits seine vierte Vendèe fährt und bisher überwiegend durch Kollisionen, Blinddarmentzündungen auf See oder selbstloser Helfer von in Seenot geratenen Mitstreitern auffiel. Dennoch besteht die Partnerschaft mit BOSS seit 2003 und gilt als eine der längsten in der Szene. Die großen Gewinner der Offshore Regatten dagegen fahren mit Marken auf ihren Rümpfen herum, bei denen die meisten nicht mal wissen, was das überhaupt ist. Bei Thomson dagegen reiht sich Mercedes-Benz als Co-Sponsor ein.

alternative text

© Cleo Barnham/Hugo Boss/Vendee Globe

Die Frage nach dem Sponsoring jedoch beantwortet sich bei Thomson eher in anderen Märkten. Denn HUGO BOSS vermarktet Thomson gar nicht primär im Segelsport. Wertvoll wird er als Markenbotschafter erst, wenn er in der Modeszene präsentiert wird. Dort, in einer wirklich riesigen und gern euphorischen Zielgruppe, versteht kaum jemand was vom sportlichen Segeln. Dort ist Thomson der Held, der mitten auf hoher See Kollisionen überlebt, den Mast hoch wandert und hinter seinem Boot Kite fährt. Thomson wirkt auf diese Szene wie der krasseste Weltumsegler der Menschheitsgeschichte. Der auch noch aussieht wie ein BOSS-Modell. Eine Art James Bond unter Segeln, ein Superhero. Dazu riecht der Yachtsport immer nach Geld – da reiht sich Segeln nahtlos in die BOSS-Sponsoringfelder Golfen und Formel 1 ein. Und noch ein wichtiges Detail gibt es zu vermerken: Thomson spricht Englisch. Den versteht man außerhalb Frankreichs wenigstens. Englisch lässt sich weltweit vermarkten.

alternative text

Rettung aus Seenot © Youtube

Go, Alex!

Der Modemarke vom Rande der schwäbischen Alb können die Segler dieser Welt dabei fast egal sein. Die tragen meist Farbkombinationen, die bei dem Label auf der verbotenen Farbliste stehen und sind für ein Weltunternehmen eine sehr kleine und daher fast unwichtige Zielgruppe. Statt in knalligen Marinefarben mit hohen Krägen zeigt sich Thomson bei der Abreise vor 300.000 Menschen in Les Sables-d’Olonne wie jemand, der gerade vom shoppen aus der Old Bond Street kommt. Und mal ehrlich – Thomsons IMOCA sieht schon ziemlich geil aus.

Alex Thomson On Starting the Vendee Globe 2016

BOSS ist es mit klugen Inszenierungen des segelnden Markenbotschafters gelungen, Thomson in seiner Kernzielgruppe als Show zu etablieren. Durch die enorme Präsenz in den Medien und die teilweise spektakulären Imagevideos ist Alex Thomson jedoch auch in der Seglerszene einer der großen Heroen geworden. Solche Inszenierungen sind völlig neu und werden dankbar angenommen. Bei der Vendée gilt er nun als Top-Favorit und man drückt ihm als Segler die Daumen, dass er es trotz des abgebrochenen Foils dieses Mal schafft. Weil er es verdient hätte, weil er ein sympathischer Kerl ist und damit dieses Der-gewinnt-nie-was-Gerede aufhört. Zur Zeit hält er sich in wenigen Seemeilen Abstand auf dem zweiten Platz und in den sozialen Medien werden die Daumen fester gedrückt denn je. „Go, Alex!“

Sein Sponsor indes kann auch dieses Rennen nur gewinnen. Denn holt Thomson den Sieg, wird er unsterblich. Schafft er es nicht, ist er der tragische Held, der Sieger der Herzen. Die Segler fiebern – die Modeleute feiern.

Fazit: Alles richtig gemacht in Metzingen. Egal, was kommt.

Alex Thomson Website

Video Highlights: Alex Thomson Youtube Channel

5 Kommentare

OK. Nie etwas gewinnt. Er hat den Einstieg in den Segelsport geschafft weil er als Skipper mit gerade mal 25 das Clipper Round the World gewonnen hat. Is nix. Letzte Vendee mit einem unterlegenen Boot 3. geworden, viele Tage schneller als andere mit der gleichen Bootsgeneration. Auch nix.
Thomson wird gern so dargestellt, dass er durch seine Marketingstunts auffällt und damit Geld hat um weiter zu segeln. Dass er einer der besten Segler ist findet kaum Platz in den Artikeln. Dieses mal ist das erste Round the World Rennen wor er mit einem Boot antritt, das das Potenzial zum gewinnen hat.
Die Blinddarm geschichte war übrigens auch vor dem BWR 😉

Antwort

Sorry, letztes BWR hatte er auch ein gutes Boot. Lag weit in Führung als der Mast von oben kam…

Antwort
Hans-Gert /

Gibt es da wirklich nichts anderes? Was ist mit Audi, die ja das deutsche Segeln dominieren, oder dem Volvo Ocean Race? Bringt denen das was, wenn sie vor allem in die Seglerschaft zielen?

Antwort

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.