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Viele Prominente sind oder waren Segler – bekannt dafür sind sie selten © float
Prominente Segler

Künstler an der Pinne

Segeln ist Leidenschaft. Kein Wunder, dass so viele Prominente Segler sind. Heute: Schauspieler und Musiker.

von
Jens Brambusch
in
7 Minuten

„Das Meer ist der letzte freie Ort auf der Welt“, schrieb einst Ernest Hemingway, der seiner Liebe zur See mit dem Werk „Der alte Mann und das Meer“ ein Denkmal setzte. Hemingway wusste, wovon er schrieb. Er segelte auf vielen Yachten, fing tonnenweise Fisch und überlebte mehr als einen Sturm. Vielleicht ist es genau diese Freiheit, von der Hemingway sprach, die auch viele Prominente aus Kultur und mit Krone, aus Wissenschaft und Wirtschaft und natürlich der Politik mit dem Segeln verbinden. Hier eine Auswahl von Schauspielern und Musikern an der Pinne.

Schauspieler

Morgan Freeman

Morgan Freeman ist einer der erfolgreichsten Hollywood-Schauspieler der Gegenwart. Bereits in den 1960er-Jahren lernte er Segeln in der Bucht von San Francisco. Die See wurde zu seiner „Zuflucht und Leidenschaft“. Segeln, sagt Freeman, sei ein „besonders wirksames Gegenmittel zu Hollywood“. Sein erstes Boot war eine in Holland gebaute Holiday 28, 16 Jahre lang segelte Freeman von der Eastchester Bay aus, einer Bucht vor der Bronx in New York.

Morgan Freeman © John Mathew Smith Das bevorzugte Revier des Oscar-Preisträgers ist die Atlantikküste der USA, besonders die nördlichen Bundesstaaten und das kanadische Nova Scotia haben es ihm angetan. Anders als andere Hollywoodstars, die mit PS-starken Motorpötten protzen, liebt es Freeman bescheiden auf dem Wasser. Er ist mittlerweile ein Fan des US-amerikanischen Bootsbauers Shannon. In den 1980er-Jahren erkundete er auf seiner Shannon 38, einer seetüchtigen Ketch, die Karibik.

Mit an Bord: Frau und Tochter und die Bordkatze Zipper. Später vergrößerte Freeman sich, blieb aber der Marke treu. Mit seiner neuen Shannon 43 segelte er bis nach Trinidad. „Wenn du ein Leben der Illusion lebst“, sagte Freeman einmal, „ist dein Leben nichts wert, bis du etwas tust, das deine Realität herausfordert. Und für mich ist das Segeln auf dem offenen Meer eine echte Herausforderung, denn es geht um Leben und Tod.“ Freeman weiß, wovon er redet. Auf dem Rückweg von den Bermudas geriet er einmal in einen Sturm mit 50 Knoten Wind.

Antonio Banderas

Antonia Banderas © C. Bonarde Ucci CC BY 3.0 Nicht nur als Zorro macht der spanische Hollywood-Import Antonio Banderas eine gute Figur, sondern auch an der Schot. Der Mann aus Malaga ist seit Kindesbeinen an auf dem Wasser zu Hause, seine Yacht liegt segelbereit im Hafen seiner Heimatstadt. Sein aktuelles Schiff hat er vom spanischen Königshaus übernommen. Mit seiner ehemaligen Frau, der Schauspielerin Melanie Griffith, nahm Banderas auch an einigen Regatten teil – wie der Copa del Rey vor Mallorca. Antonios Bruder ist der berühmte Milliardär Javier Banderas, auch er ist ein großer Liebhaber des Yachtsports. Ihm gehört das spanische Team „Tau Ceramica“, zuletzt startete er in der Klasse Transpac 52 (TP52).

Errol Flynn

Schauspieler unter Segeln gab es immer schon. Errol Flynn war der Hollywoodstar der 1930er und 1940er-Jahre. Als Haudegen und Abenteuerheld segelte er in Filmklassikern wie „Unter Piratenflagge“ oder „der Herr der sieben Meere“. Aber auch privat liebte Flynn die See. „Die einzigen wirklichen Ladies, die ich je hatte, waren meine Segelschiffe“, sagte Flynn einmal. Die Liebe zur See war Flynn in die Wiege gelegt, er verbrachte seine Jugend in den australischen Häfen von Sydney und Hobart.

Errol Flyn © gemeinfrei Seine erste Yacht war die „Sirocco“, mit der er die Küste entlang nach Neuguinea segelte. Dort erlitt er allerdings Schiffbruch. Später legte sich Flynn den 118-Fuß-Schoner „Zaca“ zu, den er bis zu seinem Tod besaß. Er nutzte den Schoner auch, um einen Dokumentarfilm zu drehen. „Cruise of the Zaca“ hieß der Streifen, den Flynn zusammen mit seinem Vater, Professor Theodore Flynn, drehte. Als Flynn, ein Lebemann und Trinker, im Alter von 50 Jahren starb, war die „Zaca“ sein einziger wirklicher Besitz.

Humphrey Bogart

Humphrey Bogart und Lauren Bacall sind eines der prominentesten Hollywood-Paare der Geschichte. Angesichts von Bogarts Leidenschaft für das Segeln und das Meer war es nur passend, dass sich die beiden 1944 bei der Verfilmung von Ernest Hemingways „To Have and Have Not“ kennenlernten. Nach der Heirat im Jahr 1945 kaufte Bogart einen 55-Fuß-Schoner namens „Santana“ von seinem Schauspielerkollegen Dick Powell und kombinierte seine beiden wahren Leidenschaften – seine schöne Braut und das Segeln.

Humphrey Bogart © gemeinfrei In seinem Buch „Bogart: Auf der Suche nach meinem Vater“ spricht der Sohn des Schauspielers über die beiden Lieben seines Vaters. „Während die meisten Menschen wissen, dass Bogie und Bacall eine große Liebesbeziehung hatten, wissen wahrscheinlich weniger von der anderen großen Liebe meines Vaters – dem Segeln“, schrieb Stephen. „Das Meer war der Zufluchtsort meines Vaters.“ Bogart liebte sein Boot nicht nur für den gelegentlichen Törn im kalifornischen Newport Harbor oder als Ort, an dem er mit den Jungs in Ruhe Drinks trinken und Zigaretten rauchen konnte.

Er segelte auch Rennen mit ihr. In der Pantry des Bootes hingen die Gedenktafeln von den Rennen auf San Clemente Island 1950 und 1951 und dem Voyagers Yacht Club Channel Islands Race 1953.

Stephen Colbert

Stephen Colbert © MontClair Film Festival CC BY 2.0 Der berühmte US-Komiker Stephen Colbert, der spätestens einem Millionenpublikum bekannt wurde, als er die Nachfolge der Late-Night-Ikone David Letterman übernahm, wuchs am Hafen von Charleston auf. Schon in jungen Jahren träumte er davon, an Regatten teilzunehmen. Aber seine Mutter erteilte ihm auf Anraten der Ärzte Segelverbot. Colbert hat in einem Ohr kein Trommelfell – und damit Gleichgewichtsstörungen.

Aber auch das hielt ihn nicht davon ab, sich seinen Traum zu erfüllen – wenn auch viele Jahre später. Im Jahr 2005 nahm Colbert an seiner ersten Langstreckenregatta teil. Er wurde Letzter. Tatsächlich brauchte seine Crew so lange, um die Bermudas zu erreichen, dass sie erst zwei Tage nach der Siegerehrung ankam. Nach dieser Erfahrung nahm Colbert im Mai 2011 an der Segelregatta von Charleston auf die Bermudas teil. Als Skipper segelte Colbert die „Spirit of Juno“ auf den zweiten Platz. Nur fünf Seemeilen hinter dem Führenden erreichte er das Ziel.

Musiker

Neil Young

Mehr als 35 Jahre lang war die kanadische Rocklegende Neil Young Eigner eines gaffelgetakelten Schoners – des Zweimasters „W. N. Ragland“. Anders als die meisten Rockstars auf ihren Megayachten liebte Young den Oldtimer aus dem Jahr 1913, einen 101-Fuß-Baltikum-Schoner, den er eigenhändig restaurierte. Dabei scheute er keine Kosten. Young ließ einen Eisenbahnwaggon mit 20.000 Brettern aus Mahagoni heranschaffen, um das Schiff neu zu beplanken. Er taufte es nach seinem Großvater W. N. Ragland.

Neil Young © Mark Estabrook Mit dem Schoner segelte der Musiker nicht nur mit Familie und Freunden um die Welt, sondern er lieh die „W.N. Ragland“ Berichten zufolge auch für wissenschaftliche Expeditionen nach Hawaii und Alaska aus. Oft an Bord war Youngs Bandkollege David Crosby, ein leidenschaftlicher Segler,  der ebenfalls einen Schoner, die „Mayan“, besaß. Es heißt, dass der Song „Wooden Ships“ 1968 an Bord von Youngs Schiff geschrieben wurde, als der Schoner in Fort Lauderdale festgemacht hatte. Im Jahr 2011 verkaufte Young das Schiff an Walter Wallace von Wallace Yacht in Port Townsend.

Simon Le Bon

Das wohl bekannteste Lied der britischen 80er-Jahre-Popband Duran Duran dürfte wohl „Wild Boys“ sein. Ein Titel, der dem Sänger Simon Le Bon wie auf den Leib geschneidert scheint. Le Bon war nicht nur ein begeisterter Segler, er nahm auch mit seiner Yacht „Drum“ an diversen Regatten teil – wie dem Fastnet-Race 1985, bei dem er fast ums Leben gekommen wäre. Seine 77-Fuß-Maxi-Yacht verlor den Kiel und kenterte.

Simon Le Bon © Eva Rinaldi CC BY-SA 2.0 Le Bon und seine Crew waren im Inneren der Yacht gefangen, bis sie vor der Küste Cornwalls gerettet wurden. Le Bon konnte das traumatische Erlebnis aber nicht schocken. Er rüstete die geborgene „Drum“ neu aus und nahm am Whitbread Round the World Race 1985-1986 teil. Unter dem Skipper Skip Novak belegte der Sänger den dritten Platz. Zwanzig Jahre später nahm Le Bon erneut an Bord der „Drum“ am Fastnet teil, fest entschlossen, das Rennen zu gewinnen, das ihm beinahe das Leben gekostet hatte. Doch leichte Winde verhagelten ihm die Revanche. Noch vor dem Ziel musste das Le Bon das Rennen abbrechen. Seine Band Duran Duran hatte einen Auftritt in Japan. 1987 segelte der einst selbst in Seenot geratene Musiker mit seiner Frau Yasmin vor der Küste Venezuelas, als die Drum einen Notruf empfing. Le Bon rettete mit seiner Crew eine Segelfamilie, die in einem Sturm auf ein Riff geweht worden waren.

John Lennon

Auch wenn John Lennon kein eigenes Segelboot besaß, suchte er die Entspannung auf dem Wasser. Ende der 70er Jahre steckte der berühmte Beatles in einer kreativen Krise: Er konnte keine Songs mehr schreiben. Und genau diese Blockade führte zu seiner Liebe zum Segeln. Lennon charterte die Yacht „Megan Jaye“, einen 13,4 Meter langen Schoner, und segelte zu den Bermudas.

John Lennon © Gilbert Montanié CC BY-SA 4.0 So kam es, dass der unerfahrene Sänger plötzlich bei einem Sturm am Ruder der „Megan Jaye“ stehen musste. Skipper und Crew waren geschwächt und seekrank. „Sobald ich die Realität der Situation akzeptierte, übernahm etwas Größeres als ich die Kontrolle und plötzlich verlor ich meine Angst. Ich begann tatsächlich, die Erfahrung zu genießen, und ich begann, im Angesicht des Sturms alte Seemannslieder zu schreien und den donnernden Himmel anzuschreien“, sagte Lennon damals. Lennon ging als neuer Mensch aus dem Sturm hervor. Während der siebenwöchigen Reise auf die Bermudas schrieb der Musiker fast alle Songs seines letzten Albums „Double Fantasy“.

Herbert von Karajan

Der virtuose Dirigent beherrschte nicht nur den Taktstock, sondern auch das Taktieren bei Regatten. Karajan, der bis heute als der beste Dirigent der Welt gilt und bis zu seinem Tod 1989 über 35 Jahre die Berliner Philharmoniker geleitet hatte, war ein begeisterter Segler seit seiner Jugend. Karajan lernte schon früh das Segeln auf österreichischen Seen und kaufte 1938 seine erste Yacht, die „Karajanides“. 1967 folgte die erste Yacht der erfolgreichen Serie „Helisara“, deren Name ein Akronym aus (H)erbert, (El)iette, (Is)abel, (Ara)bel ist, also aus seinem Namen, gefolgt von dem seiner Frau und seiner beiden Töchter.

Herbert von Karajan © gemeinfrei Die erste „Helisara“ war eine 11 Meter lange Yacht, die von dem amerikanischen Architekten Dick Carter für den „One Ton Cup“ 1966 entworfen wurde und 1967 von Karajan gekauft wurde. Die in St. Tropez beheimatete „Helisara“ segelte wie alle Boote des Meisters unter der Flagge Liechtensteins und nahm von 1968 bis 1974 an Wettbewerben teil und gewann unter anderem die „Giraglia“ und die „Woche von Marseille“.

Karajan ließ fünf weitere Yachtren bauen, die alle den Namen „Helisara“ trugen. Die „Helisara VI“ war ein Maxi-Renner, 79 Fuß lang und 17 Fuß breit. Auf ihr nahm Karajan an mehreren Regatten wie der Maxi Yacht World Championship teil. Wegbegleiter erinnern sich an Karajans unerschöpfliche Leidenschaft als Segler, der immer nach Perfektion strebte und das Beste aus sich, dem Boot und der gesamten Crew herausholte. Genauso wie im Konzertsaal.

Mehr davon? In Geist und Macht an der Pinne porträtiert Jens Brambusch segelnde Wirtschaftskapitäne, gekrönte Häupter, Politiker und Wissenschaftler.

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