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Bernd Cwielong © Cwielong
Nachruf

Mach’s gut, Bernd

Der letzte Produzent der Varianta VA 18, Bernd Cwielong, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Ein persönlicher Nachruf.

von
Stephan Boden
in
4 Minuten | 2 Kommentare

Es war an einem Donnerstag nach der Messe in Düsseldorf 2015. Ich lag morgens früh nach den anstengenden Tagen auf der Messe völlig platt noch im Bett, als das Telefon ging. Dass es Donnerstags war, wird in diesem Text noch wichtig.

„Hallo Stephan, Bernd Cwielong hier!“

Bernd wollte eigentlich fragen, ob ich nicht Lust hätte, zur Leipziger Messe zu kommen und dort Vorträge zu halten. Im weiteren Verlauf des Gespräches fragte er mich auch, was ich mit meiner Varianta 18 „Digger Hamburg“ machen wollte. Ich antwortete, dass ich Digger wahrscheinlich verkaufen werde, weil ich in den kommenden Saisons wohl nicht dazu kommen werde, ihn zu segeln.

Bernd Cwielong
Die Varianta VA18 © Cwielong

„Ich nehme Digger!“

Bernd kannte Digger aus den Büchern und vom Blog. Ich hatte ihn ein, zwei Mal vorher gesehen. Er war Händler, offenbar der erfolgreichste weit und breit, und auf „seinem“ Cospudener See hatte er eine richtige VA18-Szene aufgebaut. An den Regatten nahmen immer ziemlich viele Boote teil. Über 20 Variantas fahren auf dem See.

„Bernd, da können wir mal drüber reden, aber ich weiß noch gar nicht, wie viel ich dafür nehme.“

„Ist mir egal – ich kaufe den! Hast Du ’nen Trailer?“

Ich wusste, dass Mittelmann’s Werft nebenan einen kleinen Trailer zu verkaufen hatte und erzählte es ihm.

„Nehme ich auch.“

Die Produktion der VA18 war zuvor von der Dehler-Werft eingestellt worden. Varianta waren aber noch beliebt, wurden knapp und es bestand noch immer Nachfrage.

„Bernd, wie gesagt, wir können da gern mal drüber reden. Digger überwintert im Wasser in Kappeln beim ASC. Da liegt derzeit Schnee drauf. Lass uns doch irgendwann im März oder so treffen und dann guckste Dir die Kiste mal an.”

„Nein, ich komme Samstag!“

Bernd Cwielong
Lange gefackelt hat er nie © Cwielong

Bernd war ein Macher

Bernd war so. Bernd war ein Macher. Einige Monate nach dem Gespräch hatte er nach langen Verhandlungen die Rechte und Formen an dem Modell erworben und führte das Boot modifiziert unter „Die neue Varianta 18“ weiter. Digger war immer so eine Ikone in der Szene, weil er die bekannteste Varianta 18 war. Bernd mochte Digger. Auch als Zugpferd.

„Bernd, warte mal bitte, ich liege noch im Bett und hatte noch nicht mal einen Kaffee. Lass uns im Laufe des Tages mal telefonieren!“ Ich legte auf.

Bernd war sehr euphorisch, als er begann, die VA18 wieder aufleben zu lassen. Er hatte mit der Polar-Werft in Estland, die auch das Folkeboot bauen, eine sehr gute Produktionsstätte gefunden. Als neuer Besitzer bot er das Schiffchen mit neuen Beschlägen und leichten Verbesserungen an. Man konnte sogar farbige Rümpfe bestellen.

Kurz nachdem er mit der Produktion begann, hörte ich eine Weile nichts mehr von ihm. Die Weile wurde länger und länger. Irgendwann erzählte er mir in seinem typischen Bernd-Cwielong-Sprech: „Ich hab’ scheiß Krebs!“

Ich machte mir an diesem Morgen also meinen Kaffee und rührte gerade die Milch rein, als wieder das Telefon ging. Diesmal eine Nachricht von Bo, der bei Mittelmann’s Werft arbeitet: „Digger, da hat grad einer den Trailer zu deinem Boot gekauft.“

Bernd war so. Lange gefackelt hat er nie. Und er hat gekämpft. Ein paar Monate später stand er mit seiner Frau Barbara auf der Messe in Hamburg und bot fröhlich seinen Stolz an. Er hatte die neue VA18 wirklich sehr sinnvoll überarbeitet. Ich habe ihn immer bewundert, weil er Sachen anpackte und immer mit Begeisterung und Ehrlichkeit bei der Sache war. Bernd redete nicht nur, er machte dann auch. Ich mag sowas. Es imponiert mir.

Nur wenige Minuten später rief Bernd wieder an. Wir verhandelten nicht über den Preis. Ich nannte meine Vorstellung und er war einverstanden. Typisch Bernd.

In den vergangenen drei Jahren sah ich ihn immer mal wieder und wir telefonierten ab und zu länger. Seine „scheiß“ Krankheit wurde er nie ganz los. Im letzten Jahr hörte ich dann gar nichts mehr von ihm. Ich hatte schon entsprechende Befürchtungen. Dass es ihm wieder nicht gut geht. Am 6. Januar schrieb ich ihm eine Whats-App-Message. Er antwortete, dass er sich „in Kürze“ meldet.

Bernd Cwielong
Stephan Bodens Digger © S. Boden

Ich wusste: Übermorgen wird Digger abgeholt

Wie gesagt, es war an einem Donnerstag. Und Bernd kündigte an, Samstag das Boot zu holen. Digger lag im Wasser, musste also gekrant werden. Ich hatte in den drei Jahren zuvor insgesamt 48 Wochen auf dem Boot verbracht, und entsprechend sah er aus. Innen wie außen. Ich war völlig platt von der Messe und wusste: Übermorgen wird Digger abgeholt.

Zwei Tage später war das Boot gekrant, halbwegs ausgeräumt und Bernd kam nach Kappeln. Er drückte mir fröhlich die Kohle in die Hand und fuhr wieder heim. Kurze Zeit später stand das Boot auf der Leipziger Messe und wurde auch direkt weiterverkauft. In den Tagen zuvor hatten Barbara und er das Boot gereinigt.

Gestern Abend bekam ich die Nachricht, dass Bernd Cwielong seinen Kampf gegen den Krebs verloren hat. Er ist am 29. Januar 2020 im Alter von 73 Jahren verstorben. Ich bin traurig.

Mach’s gut Bernd, ich bin mir sicher, dass Du da oben schon wieder was planst. Und an allen vorbeisegelst.

Bernd Cwielong
Bernd auf der Varianta © Cwielong

Mehr von Stephan Boden auch auf seinem Blog.

2 Kommentare

Hans Peter Schulze /

Bernd war ein toller Skipper. Man konnte mit ihm jedes Problem besprechen. Er hatte immer eine Lösung. Guten Wind auf Deiner letzten Fahrt . Peter mit Kurt P.!

Antwort
Stephan Boden /

Bernd war wirklich ein guter Kerl. Und er hatte immer so krasse, lustige und verrückte Geschichten auf Lager. Er wird mir fehlen.

Antwort

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