float Magazine

Die jüngste Crew der Meisterschaft der Meister 2019 © Pepe Hartmann
Meisterschaft der Meister 2019

Mats und die Meister

Der 13-jährige Mats-Ole Krüss segelte bei der Meisterschaft der Meister mit seiner Schülercrew gegen große Namen.

1
von
Michael Krieg
in
6 Minuten | 1 Kommentar

13 Jahre alt, hellwach und erfolgreich. Das ist Mats-Ole Krüss aus Plön, der in diesem Jahr vor Travemünde mit seinem 14-jährigen Partner Tobias Ridder Internationaler Deutscher Meister in der Teeny-Klasse wurde. Jetzt trat er als Jüngster bei der Meisterschaft der Meister auf der Außenalster an. Wie weit würde die junge Vierercrew mit Mats am Steuer kommen, gegen die Konkurrenz der Großen?

Erst seit letztem Jahr segelt Mats mit seinem Crewpartner Tobias in der offiziellen Zweihand-Meisterschaftsklasse des Deutschen Segler-Verbands für Acht- bis 15-jährige – beide im Plöner Schüler Ruder- und Segelvereins SRSV, der für seine innovative Nachwuchsarbeit und inklusives Segeln bekannt ist.

Meisterschaft der Meister 2019
Mats-Ole Krüss (2. v. l.) und seine Crew vorm MdM-Start am Samstag © Klaus-Dieter Seelig

Im Juli Meister geworden

Im Gespräch mit float erklärt Mats: „Tobias hat Opti gesegelt, ich Teeny. Wir haben uns gleich zusammengetan. Und da war auch klar, dass er den Vorschoter machen wollte und ich steuern werde. Nach und nach haben wir alles gelernt, was so ansteht: Trapez, Spi.“ Und er fügt stolz hinzu, dass sie auch gleich einen Sponsor für den Spi gehabt hätten. „Das war echt cool – es ist der mit dem Spaßmachergesicht im Logo.“

Und nun sind sie also gleich Ende Juli 2019 bei der Travemünder Woche Deutscher Meister in ihrer Klasse geworden. „Vielzufix“ heißt ihr Teeny – nomen est omen, jedenfalls für die anderen. Prompt folgte die Einladung des Hamburger Segel-Clubs zur 39. Meisterschaft der Meister. Die „MdM“ wird alljährlich auf der Außenalster ausgetragen. Dort hatte schon im vergangenen Jahr einen Überraschungssieg gegeben.

___STEADY_PAYWALL___

Siegreich war 2018 mit Theres Dahnke (PWSV), Birte Winkel (SYC) und Johanna Meier (ASVW) eine reine Frauencrew. float berichtete über die Meisterinnenschaft der Meister. Warum also sollte es nicht auch dieses Jahr Außenseiter als Spitzenreiter geben?

Meisterschaft der Meister 2019
Die junge Crew lernte schnell, sich auf der Alster zu bahaupten © Pepe Hartmann

32 Crews traten zur MdM an

32 Mannschaften sicher hochmotivierter Seglerinnen und Segler waren in diesem Jahr zur Meisterschaft der Meister eingeladen. Alle haben in ganz unterschiedlichen Klassen Meistertitel errungen. Oder sie konnten sich bei einer internationalen Meisterschaft unter den ersten drei platzieren. Die Konkurrenz war groß. Mats und seine Crew mussten versuchten, gegen viele namhafte Größen des deutschen Segelsports einigermaßen mitzuhalten.

So waren mit ihnen auf dem Wasser beispielsweise die Olympiateilnehmerin und und FD-Meisterin Peggy Bahr (YCBG) und der Weltmeister im Contender, Max Billerbeck. Mit dabei war auch Spitzenseglerin Silke Basedow vom HSC, die EM-Zweite im Matchrace. Sie trat mit ihrer Partnerin Maren Hahlbrock an.

Gesegelt wurde in diesem Jahr auf der sportlichen und 6,93 Meter langen Kielbootklasse J/70. Da hätte es natürlich gut gepasst, wenn Mats’ Vater Hauke mit dabei gewesen wäre. Hauke Krüss ist nicht nur Trainer des SRSV in Plön für die dortige 420er-Truppe, sondern selbst aktiver und erfolgreicher J-Segler.

Meisterschaft der Meister 2019
Hinten die jüngste Crew mit Mats-Ole Krüss am Steuer © Klaus-Dieter Seelig

Doch Papa Krüss hält sich gerade bei den J/24-Weltmeisterschaften in Miami auf. Apropos J: Im Starterfeld in Hamburg war mit Malte Päsler vom NRV immerhin auch der amtierende Internationale Deutsche Meister der J/70-Klasse dabei.

Neue Crew für Mats

Mats’ angestammter Vorschoter war zur MdM leider verhindert und konnte nicht mitsegeln. So sind mit ihm zwei weitere Plöner, Oke Nommensen und Tjelle Genz, beide vom benachbarten Plöner Segler-Verein, ins Boot gestiegen. Und da die Jugendlichen wohl schon aus Gewichtsgründen mit vier Mann segeln durften, haben sich die drei Plöner noch mit dem Kieler Tom Struve vom Kieler Yacht-Club verstärkt.

Tom hatte Mats bei einem Segellager der Opti-Gruppe des Plöner Segler-Vereins kennengelernt. Er, der Vierte im Jugend-Quartett, führt immerhin die schleswig-holsteinische Rangliste in der Opti-B-Gruppe an. War das die passende Crew?

Meisterschaft der Meister 2019
Unsicherheitsfaktor Wind: In Böen waren 36 Knoten angesagt © Klaus-Dieter Seelig

Seite 2

Die Rollenverteilung auf der J/70 ist klar, wie uns Mats Krüss im Vorgespräch erklärt: „Ich steure, Tom macht Groß, Oke die Taktik und Tjelle fährt die Fock. Es wird ohne Gennaker gesegelt. Sollte der doch erlaubt sein, hätten wir wohl ein Problem. Erst einmal gilt es, sicher über den Kurs zu kommen. Ein bisschen kenne ich ja die Alster schon von Opti-Regatten.“

Samstags-Wetter sorgt für Sorgenfalten

Zunächst gab es Flights zu je vier Rennen mit jeweils acht Booten. So segelte jedes Team möglichst gleich oft gegen jedes andere. Die vorausgesagten Windverhältnisse am Samstag von durchschnittlich 17 Knoten, in Böen bis 36 Knoten. Die 5 bis 8 Beuafort trieben den Jugendlichen die Sorgenfalten ins Gesicht.

Es kam zum Glück nicht ganz so heftig. Trotzdem waren die jungen „Fliegengewichte“ aus der Teeny- und Opti-Klasse gegen die gestandenen Männer und Frauen zunächst im Nachteil. „Aber wir wollen Spaß haben und lernen!“, verriet Mats float. Und die Crew lernte schnell. Schon nach den ersten beiden Vorläufen waren die Jüngsten auf dem Wasser nicht mehr nur am Ende platziert. Im Gegenteil.

Meisterschaft der Meister 2019
Hängen sonst nicht rum: die jüngste Vier-Crew der MdM am Samstag © Klaus-Dieter Seelig

Als es am zweiten Tag etwas ruhiger zur Sache ging, landete die junge Crew in den beiden letzten von insgesamt neun Vorläufen auf Platz 4. Das reichte, um insgesamt noch drei Crews hinter sich zu lassen. Darunter war immerhin, mit dem Hamburger Klaus Eisenblätter, auch der Europameister in der 12er-Sharpie-Klasse.

Gewonnen hat die Meisterschaft der Meister 2019 übrigens Alexander Morgenstern vom Duisburger Yacht-Club. Platz 2 belegte die Crew von Silke Basedow – ein Vize-Heimsieg für die Veranstalter vom HSC.

Teeny-Titel wird 2020 nicht verteidigt

Bleibt noch die Frage, wie es weitergehen wird. Zunächst kommt erst einmal die segellose Zeit. Ein Gräuel für Mats, wie er verrät. „Schlimm ist es, wenn im Winter schöner Wind ist und ich in Plön nicht segeln kann.“ Dann könnte er wohl alle zwei Wochen in einem Hamburger Verein mit trainieren, wo sein Vater eine Segel-Trainingsgruppe leitet. Die Kondition wird übers Schwimmen trainiert oder beim Rad- und Rollerfahren.

Nur Krafttraining in der Muckibude ist in seinem Alter noch nicht erlaubt. Erlaubt ist aber die „Hängebank“ für mehr Bauchmuskeln. Etwas wehmütig blickt Mats voraus: „Leider haben wir zur Deutschen Meisterschaft 2020 keine Zeit und können unseren Teeny-Titel nicht verteidigen. Die findet ausgerechnet in Malente statt, wo ich gern segle. Aber leider in der Urlaubszeit.“

  • Mats-Ole KrüssSo sehen Jüngsten-Meister aus © Susanne Söffker
  • Mats-Ole KrüssIDM der Tenny-Klasse 2019 © Susanne Söffker
  • Mats-Ole KrüssMats bei der Teeny Trophy 2019 © Susanne Söffker

420, 29er – und immer Plön

Auf die Frage, in welchen Segelklassen er in der Zukunft vielleicht zu finden sein wird, hat Mats-Ole Krüss auch schon eine Atwort. „Wir fangen langsam im 420er an. Aber ich darf ja auch noch ein Jahr im Opti segeln.“ Und natürlich hätte er auch auf den 29er Lust. „Aber den gibt es noch nicht im Verein. Und zusätzlich eine neue Gruppe aufzumachen, ist dann gar nicht so gut. Außerdem haben wir ja noch die Quest-Boote.“

Seinen Verein, den SRSV, findet er cool – vor allem das Gelände und die Gebäude. „Es ist ein nettes Umfeld, eine gute Gemeinschaft.“ Cool findet er – durch die Opti-Gruppe – auch die Verbindung zum benachbarten Plöner Segler-Verein. Beim SRSV wird schon wieder gebaut: Gerade wird der große Bootsschuppen umgestaltet und bekommt einen eigenen Jugendraum, in dem im Sommer Jugendgruppen übernachten können.


Impressionen der Teeny-IDM Ende Juli 2019

Selbstverwaltung und Selbstverantwortung stehen ganz oben auf der Agenda des Clubs. Dafür sorgt Hannes Andresen, der spiritus rector des Vereins. „Für die Kinder ist es toll, dass die Eltern da raus sind.“ sagt Susanne Söffker, Mats’ Mutter.

„Natürlich werden auch gelegentlich Eltern gebraucht. Aber das ist alles zwanglos aufgeteilt. Schön ist, dass die Kids sich da frei bewegen können, ohne dass immer jemand hinter ihnen steht.“ Mit dem dort und auf der Regattabahn gewonnenen Selbstbewusstsein kann man sich auch bei einer Meisterschaft der Meister und viel Wind mutig behaupten.

Meisterschaft der Meister 2019
Ein mehr als achtbares Ergebnis für Meister Mats und seine Crew © Pepe Hartmann

Ein Kommentar

Avatar

Toll, dass Ihr über die Jungs berichtet – die waren ein echtes Hilghlight bei der MdM! Veranstalter war und ist aber der HSC, nicht der FSC……

Antwort

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.