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Das beim Worldpress Photo Award nominierte Foto © Esther Horvath
Polarfotografie

Mein Herz liegt in der Arktis

Esther Horvath begleitete als Dokumentarfotografin die Arktis-Expedition Mosaic. Ihr Bild gewinnt den World Press Photo Award.

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4 Minuten

Eines Abends, kurz nach dem Abendessen, waren sie plötzlich da, Mutter und Kind. Esther Horvath griff ihre Kamera und fotografierte die Eisbären aus sicherer Entfernung von Bord der „Polarstern“, dem Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Instituts. Es sind diese zwei weißen Bären im Eis, die Esther Horvath beim World Press Photo Award 2020 in der Kategorie Umwelt eingereicht hat. Sie wurde dafür mit dem 1. Preis des wichtigsten Wettbewerbs für Pressefotografie ausgezeichnet.

Dreieinhalb Monate lebte die Ungarin mit der Crew und 60 Forschern an Bord des Forschungsschiffs und dokumentierte die Arbeit des neuen Projekts MOSAiC des Alfred-Wegener-Instituts im hohen Norden. Das Bild, das den Umweltpreis von World Press Photo bekam, erklärt in nur einem Foto den Sinn dieser Forschungsmission. „Ich war extrem glücklich über den Preis“, sagt die Polarfotografin im Interview mit float. „Es war immer ein Traum von mir, diesen Award zu gewinnen.“

Polarfotografie
Fotografieren in der Arktis heißt, unter besonderen Bedingungen zu arbeiten © Esther Horvath

Esther Horvath ist es gewohnt, monatelang im Eis eingeschlossen zu sein. Als Fotografin für das Alfred-Wegener-Institut, kurz AWI genannt, begleitet sie die Wissenschaftler regelmäßig zu Polarexpeditionen, seit sie vor zwei Jahren aus New York nach Bremen kam.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin folgte nach dem Studium ihrer Leidenschaft für Fotografie. Sie verließ Ungarn und studierte in New York City noch einmal, und zwar Dokumentarfilm und Fotojournalismus am International Center of Photography. Ihr fotografischer Schwerpunkt liegt seitdem auf der Dokumentation wissenschaftlicher Forschungsprojekte.

Esther Horvath
Esther Horvath hat ihr Thema gefunden © Esther Horvath

Blühende Eislandschaften

2015 entdeckt Esther Horvath bei einem Auftrag die Polarregionen und so ihre Leidenschaft für das Eis. „Für mich ist es blühendes Leben“, sagt sie. „Die Umgebung ändert sich total schnell. Dort zu fotografieren, empfinde ich als meine Berufung.“ Mit den Herausforderungen im Eis kann sie gut umgehen. Anstrengend ist es trotzdem. „Jeden Tag etwa sieben Stunden draußen zu sein und das ganze Equipment im Eis zu tragen, schlaucht sehr“, berichtet die Fotografin.

Ich mache keine Schnappschüsse. Ich habe die Story schon im Kopf, wenn ich losgehe.

Um die wissenschaftlichen Studien zu dokumentieren, bereitet Esther Horvath sich akribisch vor. „Ich mache keine Schnappschüsse. Ich habe die Story schon im Kopf, wenn ich losgehe.“ Vorher hat sie bereits die Location gesichtet. Sie ist immer die Erste vor Ort und greift nicht in das Geschehen ein. „Das muss ich nicht, Denn ich weiß schon, was kommt.“ So findet sie ihre Bilder und wartet nur auf den richtigen Moment. So wie bei den Eisbären.

An Bord der Polarstern hat sie ihr ganz eigenes Licht gesetzt, das sie von Projekt zu Projekt verändert, je nachdem, was dem Thema am besten entspricht. Esther Horvath ist dabei sehr fokussiert auf die Personen und arbeitet eng mit den Wissenschaftlern zusammen.

Esther Horvath
Nah an den Personen © Esther Horvath
Esther Horvath
Den richtigen Moment erfassen © Esther Horvath

Auch das Alltagsleben der Forscher wird dokumentiert

Mit ihren Bildern will sie Aufmerksamkeit für Forschung erregen. Sie will das Alltagsleben der Forscher und die Schönheit vor Ort zeigen. Durch die Dokumentation der Arbeit und des Lebens von Wissenschaftlern, die wichtige Daten für das Klima liefern, will Horvath dazu beitragen, dass die Menschen besser verstehen, wie Wissenschaftler arbeiten und so das öffentliche Bewusstsein für die empfindliche Umwelt zu schärfen.

Bei minus 45 Grad Celsius zu fotografieren bringt die Technik an ihre Grenzen. Das Öl in den Gewinden friert ein, die Batterien verlieren sehr schnell an Energie, die Hände sind im Nu eiskalt.

So musste Horvath ihre eigene Methode entwickeln: Die Batterien schützt sie am Körper vor Kälte, und sie hat immer sehr viele dabei. Um keine Objektive wechseln zu müssen, hat sie hat immer zwei Kameras mit den entsprechenden Objektiven dabei.

Esther Horvath
Die Polarstern drifet ein Jahr lang im artischen Eis © Esther Horvath

Ein Jahr eingefroren im Nordpolarmeer

Am 20. September 2019 fuhr Esther Horvath auf der „Polarstern“ zu ihrer neuen Aufgabe in die Arktis. Die größte deutsche Arktisexpedition aller Zeiten, bei der das Alfred-Wegener-Institut und Wissenschaftler aus 20 Nationen zusammenarbeiten, heißt MOSAiC. Das Kürzel steht für Multidisciplinary Drifting Observatory for the Study of Arctic Climate, also Driftforschung. Dafür driftete der deutsche Forschungseisbrecher „Polarstern“ ein Jahr lang eingefroren durch das Nordpolarmeer.

Ziel der Expedition war es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Kaum eine Region hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie diese Weltgegend. Die Daten, die die Forscher hier sammeln, werden für Generationen wertvoll sein. Die Expedition reiht sich ein in AWI-Forschungsprojekte zu Strömungssystemen der Ozeane, denn die Ozeanwirbel wandern nordwärts, und der aufregenden Entdeckung, dass einst in der Antarktis Dschungelklima herrschte.

  • Esther Horvath © Esther Horvath
  • Esther Horvath © Esther Horvath
  • Esther Horvath © Esther Horvath

Die Wissenschaftler erforschten die Arktis im Jahresverlauf und überwintertn auch auf dem Schiff. Die Eisdrift bietet dafür die einmalige Chance. Auf Eisschollen schlugen sie ihr Forschungscamp auf und verbanden es mit einem kilometerweiten Netz von Messstationen. Eine internationale Flotte von Eisbrechern, Helikoptern und Flugzeugen versorgte das Team auf dieser extremen Route.

Zusammen mit 60 Wissenschaftlern und der Crew ist Esther Horvath auf einem russischen Eisbrecher zurückgefahren, ein neues Team hat sie ersetzt. Sie selbst kam von der Mission mit einem ganz persönlichen Bild zurück, für das sie am 16. April 2020 ausgezeichnet wurde.

Mehr über Esther Horvath und ihre Eisprojekte.

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