float Magazine

© Jean-Jaques Savin
Atlantiküberquerung

Message from the Barrel

Der 71-jährige Jean-Jacques Savin treibt bei seiner Atlantiküberquerung in der Tonne vom Ziel Karibik ab.

Kerstin Zillmer
von in
4 Minuten | 1 Kommentar

„Das Wetter ist toll. Ich habe einen Seegang von einem Meter und bewege mich mit zwei oder drei Kilometern pro Stunde“, sagte Jean-Jacques Savin telefonisch der Nachrichtenagentur AFP, nachdem er 26. Dezember von El Hierro aus aufgebrochen war. „Meine Kapsel verhält sich bisher sehr, sehr gut.“ Zunächst waren günstige Windverhältnisse vorhergesagt.

Jean-Jacques Savin

Der Fasskapitän legt ab © Savin

Seine Tonne ist drei Meter lang, 2,10 m breit und wiegt 450 kg. Damit er sieht, wohin er dümpelt, hat er kleine Bullaugen einbauen lassen. Und damit er nicht von Containerschiffen einfach über den Haufen gefahren wird, hat er das dicke runde Ding leuchtfarben angestrichen.

Jean-Jacques Savin

Letzte Vorbereitungen vor dem Start © Savin

Transat in der kleinsten Tonne

Platz genug ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. So hat Salvin in seiner Tonne einen Schlafplatz, eine Sitzecke, eine Küchenzeile, einen Kartentisch und etwas Stauraum. In einem letzten Video vor seiner Abfahrt – gedreht in Restinga, dem südlichsten Punkt der Kanaren-Insel El Hierro – zeigt Savin, wie er in den kommenden drei Monaten an Bord leben wird: Seinen Vorrat an Nahrungsmitteln für einen Monat bewahrt er in einem großen Schapp auf, direkt neben der Spüle und dem kardanisch aufgehängten Kocher. Zwei 3-kg-Flaschen Gas, so schätzt der Fass-Pilot, werden für die geplanten drei Monate Drift bis in die Karibik ausreichend sein. Zwiebeln und Knoblauch hängen lose im Netz von der Decke.

Jean-Jacques Savin

Projekt TESA © Savin

Jean-Jacques Savin

Jean-Jacques Savin in der Tonne © Savin

Gegenüber der Pantry, an der Steuerbordwand, hat Savin seine Schlafliege platziert. Mit Gurten kann er sich selbst fixieren, damit er bei rollender See nicht aus dem Bett fällt. Direkt daneben ist sein Navigationstisch mit Pad, Satellitentelefon und GPS. Am hinteren Ende des traditionell aus Holz gefertigten und mit Epoxy laminierten Fasses ist die Bordelektrik untergebracht. Direkt davor ist der „Salon“ mit einem bequemen Sitz direkt unter dem Bullauge in der Heckbordwand.

Über zwei parallel stehende Leitern geht es, wie bei einem U-Boot hinaus an die frische Luft. Licht kommt durch komplett verschließbare Bullaugen ins Fass. Für ein Bad war kein Platz, da muss wohl die Pütz reichen. Einen Fernseher hat er auch, nämlich ein Bullauge im Boden – mit Blick ins Meer direkt unter dem Boot. Das Programm: der Atlantische Ozean von null bis 24 Uhr.

Savin führt durch sein Fass

Der ehemalige Fallschirmspringer kennt sicher das Gefühl, nicht zu wissen, wo genau man landet. „Wohin es geht, weiß ich nicht genau, Barbados oder Guadeloupe“, sagte der Triathlet der französichen Nachrichtenagenur AFP. Er wolle „das Gefühl von Freiheit“ erleben und „den Reichtum und die Tierwelt des Meeres bewundern“.

Dem Fass folgen

Jean-Jacques Savins jeweils aktuelle Position auf dem Atlantik zeigt der Live-Tracker.

Ein Kommentar

Michael Krieg /

Er wolle „das Gefühl von Freiheit“ erleben und „den Reichtum und die Tierwelt des Meeres bewundern“.
Schön! „Bewundern“ kann er aber sicher auch den Dreck, mit der die Menschheit seit je die Weltmeere zur Müllgrube verkommen lässt.

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