float Magazine

© Jean-Jaques Savin
Atlantiküberquerung

Message from the Barrel

Der 71-jährige Jean-Jacques Savin treibt bei seiner Atlantiküberquerung in der Tonne vom Ziel Karibik ab.

Kerstin Zillmer
von in
4 Minuten | 1 Kommentar

Jean-Jacques Savin hat gestern zu Neujahr eine Botschaft aus der Tonne gesendet. Alles erdenklich Gute für dieses Jahr 2019 wünscht er allen. Sicher hat er aus der Luke in den Sternenhimmel geschaut und ein besonders schönes Silvestergefunkel am Himmel gesehen.

Seit acht Tagen treibt der Franzose nun in seiner signalfarbenen Tonne im Atlantik. Seine erste Nachricht vom 27. Dezember, einen Tag, nachdem er in See stach, klang vielversprechend. Savin hatte noch Handyempfang und schickte ein zufriedenes Selfie aus dem Fass.

Keine Änderung der Wetterlage in Sicht

Auf dem Lifetracker hat sich Jean-Jacques Postion aber schon ungünstig nach Nordwesten verschoben. Er wird derzeit vom Südostwind auf die Südwestseite des Azorenhochs getrieben und damit nicht in Richtung Karibik. float-Autor Sebastian Wache von Wetterwelt sieht das Projekt schon jetzt zum Scheitern verurteilt. Seiner Einschätzung nach müsste sich an der Wetterlage gewaltig etwas ändern, damit der Franzose noch auf einen sinnvollen Kurs nach Südwesten kommt.

Jean-Jacques Savin

Das Fass treibt Richtung Nordwesten ab © Live Tracker

Der Kanarenstrom, der oberflächlich fließt und ihn in die Karibik bringen könnte, befindet sich etwa 30°N bis 10°N und vor Afrika bei 20°W. Er fließt zunächst in südliche und dann in südwestliche Richtung entlang der nordwestafrikanischen Küste vorbei an den Kanarischen Inseln. Bei den Kapverdischen Inseln biegt er ab in westliche Richtung und wird zum atlantischen Nordäquatorialstrom.

Aber Savin hat den Kanarenstrom bereits vor drei Tagen verlassen. Wenn alles so weiterläuft, dreht er seine Runde um das Hoch herum, wird womöglich nochmal von einem nordatlantischen Sturmtief erfasst und landet unter Umständen direkt vor der französischen Biskayaküste. Dann wäre er wenigstens schnell wieder zu Hause. Vielleicht trifft er seinen 73-Jährigen Landsmann Jean-Luc Van den Heede irgendwo im Nordatlantik. Der Weltumsegler könnte ihn dann gleich mitnehmen.

Im Weinfass über den Atlantik

Der 71-jähriger Franzose hatte Ende November bekannt gegeben, dass er in einem marinisierten Weinfass nur mit der Strömung über den Atlantik treiben will. Manche hielten es für eine witzige Medienkampagne der französischen Küferei, die das Fass gebaut hat und das Projekt begleitet. Andere hielten es schlicht für Altersschwachsinn, gepaart mit einer großen Portion Naivität.

Denn auch wenn der Mann ein ehemaliger Fallschirmspringer und Triathlet ist, hat er bisher keine Erfahrung mit Atlantiküberquerungen. Und schon gar nicht in diesem skurrilen Gefährt.

„Das Wetter ist toll. Ich habe einen Seegang von einem Meter und bewege mich mit zwei oder drei Kilometern pro Stunde“, sagte Jean-Jacques Savin telefonisch der Nachrichtenagentur AFP, nachdem er 26. Dezember von El Hierro aus aufgebrochen war. „Meine Kapsel verhält sich bisher sehr, sehr gut.“ Zunächst waren günstige Windverhältnisse vorhergesagt.

Jean-Jacques Savin

Der Fasskapitän legt ab © Savin

Seine Tonne ist drei Meter lang, 2,10 m breit und wiegt 450 kg. Damit er sieht, wohin er dümpelt, hat er kleine Bullaugen einbauen lassen. Und damit er nicht von Containerschiffen einfach über den Haufen gefahren wird, hat er das dicke runde Ding leuchtfarben angestrichen.

Jean-Jacques Savin

Letzte Vorbereitungen vor dem Start © Savin

Transat in der kleinsten Tonne

Platz genug ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. So hat Salvin in seiner Tonne einen Schlafplatz, eine Sitzecke, eine Küchenzeile, einen Kartentisch und etwas Stauraum. In einem letzten Video vor seiner Abfahrt – gedreht in Restinga, dem südlichsten Punkt der Kanaren-Insel El Hierro – zeigt Savin, wie er in den kommenden drei Monaten an Bord leben wird: Seinen Vorrat an Nahrungsmitteln für einen Monat bewahrt er in einem großen Schapp auf, direkt neben der Spüle und dem kardanisch aufgehängten Kocher. Zwei 3-kg-Flaschen Gas, so schätzt der Fass-Pilot, werden für die geplanten drei Monate Drift bis in die Karibik ausreichend sein. Zwiebeln und Knoblauch hängen lose im Netz von der Decke.

Jean-Jacques Savin

Projekt TESA © Savin

Jean-Jacques Savin

Jean-Jacques Savin in der Tonne © Savin

Gegenüber der Pantry, an der Steuerbordwand, hat Savin seine Schlafliege platziert. Mit Gurten kann er sich selbst fixieren, damit er bei rollender See nicht aus dem Bett fällt. Direkt daneben ist sein Navigationstisch mit Pad, Satellitentelefon und GPS. Am hinteren Ende des traditionell aus Holz gefertigten und mit Epoxy laminierten Fasses ist die Bordelektrik untergebracht. Direkt davor ist der „Salon“ mit einem bequemen Sitz direkt unter dem Bullauge in der Heckbordwand.

Über zwei parallel stehende Leitern geht es, wie bei einem U-Boot hinaus an die frische Luft. Licht kommt durch komplett verschließbare Bullaugen ins Fass. Für ein Bad war kein Platz, da muss wohl die Pütz reichen. Einen Fernseher hat er auch, nämlich ein Bullauge im Boden – mit Blick ins Meer direkt unter dem Boot. Das Programm: der Atlantische Ozean von null bis 24 Uhr.

Savin führt durch sein Fass

Der ehemalige Fallschirmspringer kennt sicher das Gefühl, nicht zu wissen, wo genau man landet. „Wohin es geht, weiß ich nicht genau, Barbados oder Guadeloupe“, sagte der Triathlet der französichen Nachrichtenagenur AFP. Er wolle „das Gefühl von Freiheit“ erleben und „den Reichtum und die Tierwelt des Meeres bewundern“.

Dem Fass folgen

Jean-Jacques Savins jeweils aktuelle Position auf dem Atlantik zeigt der Live-Tracker.

Ein Kommentar

Michael Krieg /

Er wolle „das Gefühl von Freiheit“ erleben und „den Reichtum und die Tierwelt des Meeres bewundern“.
Schön! „Bewundern“ kann er aber sicher auch den Dreck, mit der die Menschheit seit je die Weltmeere zur Müllgrube verkommen lässt.

Antwort

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