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F1H2O Grand Prix von Sharjah @ Arek Rejs F1H2O Grand Prix von Sharjah @ Arek Rejs
Reportage

Mike und die Mechaniker

2017 bringt Mike Szymura kaum Glück – bis zum Finalrennen.

Arek Rejs
von in
4 Minuten

Die Saison 2017 der Motorboot-Formel-1 ist vorbei. Nach sechs spannenden Grand-Prix-Rennen ist der italienische Fahrer Alex Carella, der für das Team Abu Dhabi an den Start ging, der neue F1H2O-Weltmeister. Es ist der vierte F1-Weltmeistertitel für Alex. Für den einzigen deutschen Fahrer Mike Szymura war 2017 die zweite Saison in der F1H2O-Klasse.

Von Saisonbeginn an bringt das Rennjahr Mike kein Glück. Nach einem wirklich guten Auftakt beim Qualifikationslauf in Portugal kostet ihn der Ausfall seines UKW-Funks das Rennen durch Disqualifikation. Beim zweiten Grand Prix im französischen Evian ist das Rennen für Mike nach 30 Runden zu Ende: mit defektem Motor, beschädigtem Kraftstofftank und Abschleppen zum Ponton.

Das Rennen seines Lebens in Liuzhou

Die beiden China-Rennen, in Harbin und Liuzhou, laufen besser für den jungen Berliner. In Harbin kann er alle Trainingsläufe und Rennen ohne größere technische Probleme beenden. Er bleibt zwar ohne Punkte, doch alles läuft rund für den nächsten Großen Preis.

Mike Szymura

Familiensache: Mike Szymura…

MMike Szymura 2017

…und Vater Piotr © Arek Rejs

In Liuzhou fährt Mike dann das Rennen seines Lebens – mit dem einzigen voll funktionstüchtigen Motor, den sein Team zur Verfügung hat. Nach der Qualifikation startet er von Platz 9 und beendet das Rennen auf Platz 7 mit vier Siegpunkten. Es sind seine ersten Punkte der Saison. Der bissige Mike Szymura, der von 2013 bis 2015 die F4-Klasse mit einem Abo auf den Meistertitel dominiert hatte, ist zurück.

Nach den Rennen in China belegt Mike Platz 14 in der Gesamtwertung. Leider sollte Liuzhou das letzte Rennen in diesem Jahr bleiben, bei dem Mike sein Talent unter Beweis stellen kann. Von China aus werden alle Boote in die Arabischen Emirate verschifft, wo vor wenigen Tagen die letzten beiden Grand Prix stattgefunden haben.

Großer Frust von Abu Dhabi

Auf den Grand Prix von Abu Dhabi bereitet sich Mike mit zwei komplett überholten, speziell getunten Motoren und einem neuen Teammitglied vor: Michael Jenkins. Bevor Michael in das Team von Mike Szymura wechselt, arbeitet er viele Jahre lang alsTeammanager und Motorenexperte für das finnische Mad-Croc Baba Racing Team – und für Sami Selio, den zweifachen F1H2O-Weltmeister.

Das freie Training schließt Mike auf Platz 14 ab. Beim folgenden Morgentraining fährt er nur 19 Runden, um den Motor zu schonen und wird Sechzehnter. Trotz seiner Vorsicht bei den Vorrennen treten beim Qualifying die technischen Probleme wieder auf. Mit beschädigtem Motor beendet er den Lauf auf Platz 18.

Mit nur einem funktionierenden Motor will er beim allerletzten Training vor dem Rennen nicht zu viel Druck machen. Am Morgen vor dem Rennen fährt Mike nur neun Runden. Auch das hilft nicht: Sein zweiter und letzter Motor kollabiert während des Rennens von Abu Dhabi – und Mike scheidet nach nur 15 Runden aus. Vorm letzten Rennen der Saison 2017 steht Mike Szymura ohne Motoren und damit ohne große Startchancen da.

Dramatisches Finale in Sharjah

Beim Saisonfinale sind alle F1-Teams in der Regel gestresst und sehr nervös. Als ich Mike am Tag des freien Extratrainings treffe, ist er wirklich bedrückt. Die gesamte Crew sitzt derweil im Teamzelt – es ist ungewöhnlich ruhig. Mike Szymura hatte ein gut vorbereitetes Boot und ein gutes Team, aber sie hatten keinen Motor.

  • Kranen in Sharjah
  • Kranen in Sharjah
  • Kranen in Sharjah

Normalerweise hat jedes F1-Team einen Ersatzmotor oder Ersatzteile, um fast jedes Problem zu beheben. Normalerweise vermieten Teams ihre Motoren oder Ersatzteile auch an andere Teams.  Nicht jedoch in der letzten Runde, wenn jeder sicher sein muss, dass alles perfekt funktioniert und genügend Ersatzteile da sind.

Das einzige Team, das in der Lage ist, einen Ersatzmotor für Mike zu finden, ist das Abu Dhabi Team. Aber dieser Service hat einen exorbitanten Preis. So beobachtet Mike am Trainingstag leider nur vom Ufer aus, wie schnell seine Rivalen sind.

Wie wiedergeboren

Als ich Mike am nächsten Morgen wiedersehe, ist er wie neu geboren. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben: Aber das Team von Mike Szymura hat einen Motor gefunden. Ich will nicht fragen, wie viel sie zahlen mussten, aber Mike ist wieder auf dem Wasser.

Mike Szymura in Sharjah 2017

Beim ersten Trainingslauf fährt er langsam, um den Motor zu testen. Er fährt 22 Runden und kommt auf Rang 16. Beim anschließenden Qualifikationslauf geht er auch nicht bis zum Maximum, um sein Hauptziel nicht gefährden: am Rennen teilzunehmen und nicht nur Zuschauer beim letzten F1-Rennen der Saison 2017 zu sein.

Am nächsten Tag, beim letzten Training vor dem Rennen, fährt er wie entfesselt. Er fährt 24 Runden und erreicht Platz 7. Nach dem Training lobt ihn seine Teamkollegin Marit Stromoy. Die erfahrene F1-Pilotin sagt, dass es endlich so aussieht, als ob Mike sein Boot wirklich fühlt und er weiß, was er kann.

Marit Stromoy and Mike Szymura

Chefpilotin Marit Stromoy und Mike Szymura © Arek Rejs

Leider kann er sein gutes Ergebnis aus dem Training während des Rennens nicht wiederholen. Der Startplatz 13 bringt ihm kein Glück. Nach wenigen Runden verliert der Motor komplett an Leistung. Nach nur 17 von 45 Rennrunden muss Mike das Rennen abbrechen. Das ist das Ende der Saison für ihn.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut

Szymura hat die Saison 2017 mit vier Punkten beendet, was ihm den 16. Platz in der Gesamtwertung verschafft. Natürlich möchte jeder Rennfahrer in seiner ersten oder zweiten Rennsaison den Meistertitel gewinnen, aber das funktioniert im wirklichen Leben so nicht. Erst jahrelange Erfahrung und Training bringen das gute Ergebnis. Philippe Chiappe, dreimaliger Weltmeister in Folge, hat nach zwölf Jahren seinen ersten Titel gewonnen. Es  bleibt also noch eine Menge Zeit für Mike Szymura.

Mike Szymura 2017

© Arek Rejs

Gesamtsieger Alex Carella hat seinen vierten Weltmeistertitel in der F1H2O-Klasse nach drei Jahren Abwesenheit auf dem Podium errungen. Platz 2 belegt der Ex-Weltmeister Philippe Chiappe. Auf dem dritten Platz landete Erik Stark aus Schweden, der viermalige F2-Weltmeister. Es war wirklich ein Podium der Champions.

Jetzt gehen alle Teams in die Winterpause. Die Boote bleiben in den Vereinigten Arabischen Emiraten, bis der Rennkalender 2018 steht. Die Fahrer haben Zeit, um Kopf und Körper zu trainieren. Und die Mechaniker, um die Motoren und Boote vorzubereiten.

Website der F1-Rennserie: f1h2o.com
Mike Szymuras Website: mikeszymura.de

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