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Rettungsboot nähert sich dem Leck geschlagenen Mini © Lisa Berger
Mini Transat

Mini in Not

Lisa Berger musste nach Wassereinbruch ihre 1.000-Meilen-Quali fürs Mini-Transat auf halber Strecke abbrechen.

von
Kerstin Zillmer
in
3 Minuten

Lisa Berger ist heilfroh, als Mallorca endlich am Horizont auftaucht. Die letzten Tage waren wirklich hart gewesen. Die begeisterte Mini-Seglerin aus Österreich, gerade unterwegs auf ihrer 1.000 Meilen Qualifikation für die Mini Transat 2023, segelt den Mini 6.50 bei mehr als 30 Knoten in einer pechschwarzen Nacht aus dem Golf von Lion hinaus. Sie ist sehr müde und die Nacht fühlt sich unendlich lang an.

Eben erst hatte sie mit Christian Kargl den 3. Platz bei der Mini-Regatta Gran Premio d’Italia 2020 gemacht. Die beiden sind ein gutes Team und Christian Karl der einzige Österreicher, der das Mini-Transat schon gesegelt ist.

Lisa Berger
Kargl und Berger belegen den 3. Platz bei der Mini-Regatta Gran Premio d’Italia 2020 © Martina Orsini/YCI

2019 wurden sie gemeinsam Europasieger beim ersten Doblehanded Mixed Offshore, der neuen olympischen Segeldisziplin für 2024. Seitdem bereitet sich Christian auf seine zweite Mini Transat 2021 vor. Gemeinsam mit Lennart Burke hat Kargl er dieses Jahr bei den Vorbereitungsrennen Les Sables-Azores teilgenommen. Das neue Plattbug-Design von David Raison erfordert viel Training um auch auf der Kreuz schnell zu sein. Dazu kommt die Suche nach dem perfekten Segelschnitt und viel Übung bei der Interpretation von Wetterstationen.

Lisa Berger
Christian Kargl und Lisa Berger in Genua beim Gran Premio d’Italia © Martina Orsini/YCI

Lisa hatte sich nach dem Sieg in Genua sofort aufgemacht, die 1.000 Seemeilen-Qualifikation im Mittelmeer zu segeln.

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Die 30-Jährige Seglerin hatte gerade die spanische Küste verlassen und war auf dem Weg nach Mallorca. Die Route vor der französischen und italienischen Küste war unruhig gewesen, immer wieder hatte es Kollisionen mit Treibgut gegeben, das der Sturm einige Tage zuvor aufs Meer hinausgetrieben hatte. Die Hälfte der Strecke hatte sie bereits gemeistert.

Lisa Berger
Die Route der Mittelmeer-Qualifikation © Lisa Berger

Als die Sonne an diesem Abend untergeht, machen die Batterien schlapp. Es ist die erste Nacht ohne Strom. Die Sorge, dass die grossen Schiffe sie ohne Navigationslichter oder das AIS nicht sehen können, hält sie wach. Sie hält ihr Handfunkgerät und die weißen Leuchtraketen im Cockpit bereit und schaut oft nach draussen.

Der nächste Segeltag ist wunderschön. Jetzt kann sie nichts mehr aufhalten, denkt sie. Ihr Mini läuft wie verrückt, als Mallorca am Horizont auftaucht, nur noch etwa 60 nautische Meilen entfernt. Als es dunkel wird – sie hat nur noch 20 nm bis zum nächsten Wegpunkt vor Mallorcas vor sich – erkennt sie, dass auch diese Nacht an Bord im tiefen Dunkel liegen wird. Sie ärgert sich, nutzt aber die Gelegenheit, Boot und Wind noch besser kennen zu lernen.

Lisa Berger
Wunderbares Segelwetter vor Mallorca © Lisa Berger

Das Mini-Fieber hatte Lisa Berger schon lange gepackt. Vollends verliebte sie sich ins Minisegeln, als sie bei der 1. Auflage des Baltic 500 im letzten Jahr 2019 zum ersten Mal diese Bootsklasse mit dem Dänen Claus Pedersen selber segelte. Er hatte für dieses Doblehanded Rennen eine Mitseglerin gesucht.

Offshore ist total mein Ding, sagt Lisa und so ging damit für sie letztes Jahr ein Traum in Erfüllung. Der Plan ist, dass sie nach der Minitransat 2021 den Mini von Christian Kargl übernimmt. Beide verstehen sich gut und Lisa freut sich, dass sie viel von dem erfahrenen Minisegler lernen kann, bis sie selber 2023 antreten wird.

Sie kommt gut zurecht in dieser Nacht und freut sich schon auf den nächsten Tag mit viel Sonne und wenig Wind. Um 22 Uhr, sie hatte schon über 500 nm solo und nonstop zurückgelegt, sieht sie auf einmal ihre aufgeblasene Ersatz-Rettungsweste vorne im Boot blinken. Sie schwimmt in viel Salzwasser!

Eine der Kollisionen zuvor mit einem schwimmenden Holz hatte das Boot also doch beschädigt: Im Bug klaffte ein großer Riss, den nur noch eine dünne Glasfaserschicht zusammenhält. Lisa realisiert, dass sie nicht weitersegeln kann und ruft Christian Kargl an. Der informiert umgehend die spanische Küstenwache, die ein SAR-Schiff schicken. Lebensgefahr besteht für Lisa nicht, denn der Mini ist unsinkbar.

Um Mitternacht schleppen sie den Mini in das 12 Seemeilen entfernte Port de Sóller im Norden von Mallorca, das sie vier Stunden später erreichen. Lisa nimmt es mit Fassung.

Lisa Berger
Lisa und die Seenotretter im Hafen von Port Soller © Lisa Berger

Jetzt muss das Schiff erst einmal repariert werden. Lisa wird sich diesen Winter ausführlich mit dem Wetterrouting beschäftigen. Ihre 1.000 Meilen Qualifikation kann sie im Mai erneut anzutreten. Sie kann es kaum erwarten.

Lisa Berger
Nächster Anlauf im Frühjahr 2021 © Martina Orsini/YCI

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