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Segelt zum ersten Mal einhand: Olympiasiegerin Susann Beucke © Ana Sutej
Regatta

Mit Silber zum Silverrudder

Das Silverrudder Race 2021 hat prominente Teilnehmer. Silbermedaillen-Seglerin Susann Beucke ist zum ersten Mal einhand dabei.

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5 Minuten

Sie ist zum ersten Mal dabei, und es ist überhaupt ihr erstes Einhand-Rennen. Susann Beucke, die gerade in Tokio bei den Olympischen Spielen Silber geholt hat, startet beim Silverrudder Race 2021 auf einer Beneteau First 18 SE.14 Jahre lang segelte sie mit ihrer Segelpartnerin Tina Lutz im 49FX, jetzt segelt sie zum ersten Mal alleine.
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Eben noch auf der Kieler Woche mit Boris Herrmann auf der Malizia, dem foilenden GC32-Katamaran, wagt sie jetzt das Silverrudder. Sie will Offshore segeln. „Ich habe immer das Abenteuer geliebt. Die Fähigkeit, auf die jeweilige Situation zu reagieren, Ruhe zu bewahren, ein Gefühl für Seemannschaft – das ist es, was mich reizt.“

Tina Lutz und Susann Beucke
Tina Lutz und Susann Beucke holten Silber bei Olympia im 49FX © Sailing Energy / World Sailing

Alle sind willkommen

Die Fomel des Silverrudder Race ist einfach: Keep it simple. Jede und jeder kann mitsegeln, alle Segel an Bord sind möglich, jede Konfiguration ist erlaubt. Die Schönheit des Rennes ist die Einfachheit: ein Mensch gegen die Elemente.

Wenn am Freitag Tag und Nacht gleich lang sind, beginnt zum neunten Mal das dänische Rennen mit internationaler Beteiligung. Von Svendborg starten die Teilnehmer rund Fünen, 134 nautische Meilen durch Untiefen, enge Sunde und manchmal mit bis zu zwei Knoten Strom gegenan.

Die Boote werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, die sich nach der Länge des Boots richten. Es gibt fünf Kategorien von Kielbooten, von Mini (18 bis 25 Fuß Länge über alles) bis extra groß (über 40 Fuß). Bei den Mehrrumpfbooten gibt es zwei Kategorien: klein und groß.

In jeder Kategorie wird eine Silverrudder Challenge-Trophäe vergeben. Der schnellste Skipper aller Zeiten in jeder Kategorie erhält eine Trophäe, so lange bis seine oder ihre Zeit geschlagen ist. Jedes Jahr werden die sieben Trophäen vor dem Start des Rennens vom Veranstalter eingesammelt.

Dann wechseln die Trophäen den Besitzer

Nach der Regatta wird entschieden, ob eine oder mehrere Silverrudder-Challenge-Trophäen den Besitzer wechseln. Dies geschieht bei einer Siegerehrung am Samstagabend oder Sonntagmittag, je nach Wind- und Wetterverhältnissen. Beim letzten Rennen 2020 dauerte es wegen der bleiernen Flaute besonders lange.

Als 2012 diese Regatta zum ersten Mal ausgesegelt wurde, gingen etwas mehr als ein Dutzend Segler an den Start. Dieses Jahr sind es 439 Teilnehmer, so viele wie noch nie. Und die meisten sind Deutsche, insgesamt 269 haben gemeldet. Darunter sind drei Frauen: Susann Beucke, Marlene Brudeck und Sibylle Schauerte. Insgesamt gehen im ganzen Rennen nur sechs Frauen an den Start.

Philip Cossen, der Organisator des Silverrudder, versteht nicht, warum so wenig Frauen dabei sind. „Vielleicht ist es so, weil Segeln bisher ein männerdominierter Sport war, vielleicht auch, weil es ein Einhand-Rennen ist“, sagt er im Gespräch mit float. „Wäre es ein Double-Handed-Rennen, wären sicher mehr Frauen dabei. In zehn Jahren sind es vielleicht 50 Prozent.“ Das geht hoffentlich schneller.

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Susann Beucke trainiert mit Andraz Mihelin © Ana Sutej

Einige Bekannte sind auch dabei

Max Gurgel, der bis vor kurzem eine Olympia-Kampagne mit Lena Weißkichel (der bisher jüngsten Silverudder-Seglerin 2020) plante, startet auf einer Dehler 30 OD, Folke-Spezialist Mike Peuker auf gleicher Länge mit einer Comfortina. Kai Müller vom Tagesspiegel segelt eine Bumerang 32. Als Privatmann startet Heiko Zimmermann, Ex-Projektleiter der hanseboot Hamburg.

Und es gibt Titelverteidiger: Wolfram Heibeck startet dieses Jahr auf einer Open 40, um seine Trophäe zu verteidigen, Pål Stiansen startet auf einer XP-44 von X-Yachts. Anders Bastiansen steigt von der 28 Dragonfly um auf eine Melges 24. Jan Andersen startet dieses Jahr auf einer Marlin 33.

Warum so viele Seascapes?

Susann startet auf einer der zahlreichen First 18 SE. Sanni, wie sie von ihren Freunden genannt wird, kennt Seascape-Chef Andraž Mihelin gut. „Als die Olympischen Spiele durch waren, habe ich mir überlegt, wie ich mich am schnellsten in ein Offshore-Abenteuer stürzen könnte“, berichtet sie float.

Durch eine Wildcard und die Unterstützung von Seascape Edition geht sie jetzt an den Start. „Ich freue mich unheimlich drauf!“ Wie sich eine Seascape ohne Autopilot eigentlich segelt, fragt sie sich gerade. Ist man die ganze Zeit an der Pinne?

Andraž Mihelin wird es ihr erklären. Der CEO von Seascape ist Silverrudder-Afficionado. Er kam 2013 gerade von seiner zweiten Minitransat-Kampagne zurück und war überrascht, die kleinen Seascape 18 dabei zu sehen. „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand so verrückt ist, das Rennen mit diesem Boot zu machen“, erklärt er Philipp Cossen im Video. Beide traten beim Silverrudder-Rennen 2013 gegeneinander an.

Eigentlich wollte Andraž Mihelin ja nur einen Workshop halten, aber ein Freund von ihm, der auf der 18er starten wollte, hatte eine Magenvergiftung und so sprang er ein. „Ich segelte zwei Tage und eine Nacht ohne Autopilot und hatte die Pinne die ganze Zeit in der Hand. Als ich nach 32 Stunden vom Boot stieg, hatte ich eine ähnliche Erfahrung gemacht wie bei meinem Minitransat.“

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Viele Stunden an der Pinne werden es sein rund Fünen © Ana Sutej

Für Susann Beucke wird es vor allem ein Rennen gegen sich selbst. „Ich bin zum ersten Mal allein auf See und habe also keine Ahnung, wie wettbewerbsfähig ich sein werde. Um realistisch zu bleiben, setze ich mir das Ziel, ins Ziel zu kommen.“

Das Silverrudder fokussiert auf das Wesentliche

Allein 15 Boote des Typs Seascape 18 SE sind dieses Jahr dabei. Warum die große Beteiligung mit diesem Bootstyp, fragt man sich. Mihelin sagt: „Die Seacapes sind nach dem Vorbild der Minis entwickelt. Und das Silverrudder macht es wie die französischen Regatten, es fokussiert auf das Wesentliche. Es zählt die Erfahrung. Wenn man es mal mitgemacht hat, ist es wie Lachsfischen. Man will es immer wieder tun!“

Nicht nur die First 18 SE und die 24 gehen beim Silverrudder an den Start, sondern auch die Seascape 27 respektive Beneteau First 27 SE. In der European Single-handed Championship 2021, die der Europäische Segelverband Eurosaf und Seascape zum ersten Mal ausschreiben, findet in dieser Klasse ein Rennen im Rennen statt. 19 Boote des Typs Seascape 27 und Beneteau First 27 SE gehen dabei an den Start. Darunter sind auch Tobias Schadewaldt und Marlene Brudeck. Langjähriger Partner des Rennens ist übrigens X-Yachts.

Und wie wird das Wetter dieses Jahr?

Unser Meterologe Sebastian Wache von der WetterWelt macht dieses Jahr zum ersten Mal das offizielle Wetterbriefing für das Silverrudder Race. Für float gibt er schon die erste Vorschau.

Zum Start am Freitag versucht das aktuelle Tief langsam weiterzuziehen. Es wird allerdings von einem wieder erstarkenden Skandinavien-Hoch, das sich in die westliche Ostsee ausdehnt, etwas weiter nach Süden gedrängt. Im Einflussbereich von Fünen bleibt es noch etwas länger hängen.

Mit seinem Kern östlich von Svendborg zeigt sich erst einmal nördlicher Wind. Im Laufe des Freitags dreht der Wind rechts mehr auf Nordost, und er hält sich dort mehr oder weniger stabil bis Sonntag. Teils dreht er etwas direkter auf Ost.

Die derzeitigen Silverrudder-Gewinner

Keelboat miniMorten Bogacki, Pogo2, Mojo, Zeit: 23:06:18, Jahr 2015
Keelboat smallFranz Schollmayer, Esse 850, Firlefranz, Zeit: 20:23:14, Jahr 2015
Keelboat mediumWolfram Heibeck, Open 32, Black Maggy, Zeit: 19:18:03, Jahr2015
Keelboat largeAndreas Rohde, JPK 38, Ratzfatz3, Zeit: 19:02:16, Jahr 2015
Keelboat extra largePål Stiansen, XP-44, Born to Run, Zeit: 19:09:59, Jahr 2018
Multihull smallAnders Bastiansen 28 Dragonfly, Zeit: 16:04:58, Jahr 2015
Multihull largeJan Andersen, Black Marlin, Zeit: 15:01:05, Jahr 2019

Insgesamt wird es ein lebhafter Wind zwischen 12 und 20 Knoten sein. Denn der Gradient zwischen abziehendem Tief und aufkommendem Hoch ist erwartungsgemäß gut ausgebildet – und phasenweise etwas stärker. Flaute und Sturm sind dieses Jahr nicht zu erwarten.

Bei der konstanten Windrichtung gibt es alles: Amwind-, Halbwind- bis Vorwind-Kurse rund Fünnen. Es dürfte nach Sturm und Flauten in den letzten Jahren eine spaßige und schnelle Regatta werden. Und was ist für Silverrudder-Chef Philip Cossen das Wichtigste? „Dass es aufhört zu regnen und das alles gut läuft.“

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