float Magazine

Charles Strang, Erfinder des Z-Antriebs Charles Strang, Erfinder des Z-Antriebs © Mercury Marine
Porträt

Mr. Strang und der Z-Antrieb

Charles Strangs geniale Idee, Innenborder mit Außenbord-Antrieben zu kombinieren.

Stefan Gerhard
von in
3 Minuten

Charles Strang jr. ist nicht mehr. Mit 96 Jahren ist der US-Ingenieur in der vorigen Woche gestorben. Was von ihm bleibt, ist eine der bis heute wesentlichen Innovationen für moderne Bootsmotoren: der Z-Antrieb, auch Sterndrive genannt. Durch die Verbindung eines Innenbordmotors mit einem beweglichen, außen angebrachten Antrieb gelingt es dem 1921 in Brooklyn geborenen Maschinenbauer vor 70 Jahren erstmals, die Kraft und Laufruhe von Innenbordern mit der Manövrierfreudigkeit von Außenbordmotoren effektiv zu kombinieren.

Zeitlebens hält Charlie Strang sich für einen Außenbordmotor-Fanatiker. Im 11. Lebensjahr nimmt er mit seiner Mutter an einer New Yorker Bootsmesse teil. Er verliebt sich in ein Cyclone-Rennboot, auf dem ein Rennaußenborder montiert ist. Seine Mutter verspricht Charlie, dass sie ihm ein Rennboot kauft, wenn er 14 ist. Sein erstes Bootsrennen bestreitet er 1937 als jüngster Fahrer, der je am Marathon Albany – New York teilgenommen hat. Das Rennen endet für ihn, als sein Außenborder nach etwa 60 Meilen sinkt. Ein Studium am örtlichen Polytechnikum im Big Apple folgt.

1960: Charlie Strang (u. l.) bei Motorboat-Award-Gala © Christner Family Archiv, quincylooperracing.us

1948 verbindet der Ingenieur Charlie Strang einen PKW-Rennmotor aus Aluminium mit der unteren Einheit eines Außenbordmotors. Sein Marine-Antriebssystem ist stärker als alle Außenbordmotoren jener Zeit. Zu dieser Zeit ist er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) beschäftigt. Zuvor war er beim NASA-Vorläufer Testingenieur, Spezialgebiet Flugzeugmotoren und frühe Jetmotoren. Anfang der 1950er guckt er sich im Auftrag des Motoren-Moguls Carl Kiekhaefer in Europa um, um Technologie und Produktionsmethoden kennenzulernen. Seit 1951 offiziell in Diensten von Kiekhaefer Mercury Marine, entwickelt Charles Strang den Sterndrive mit seinem Kollegen Jim Wynne weiter. Das einzige Problem: Ihr Chef lehnt die Technologie anfangs ab, die wenige Jahre später 80 % des Markts erobern wird. Für Jahre bleibt Strangs Entwurf in der Schublade.

Geniale Kupplung

Technisch betrachtet ist der – wegen seiner Bauform so genannte – Z-Antrieb ein Getriebe mit Kupplung. Dieser Antrieb ist am Heckspiegel des Boots befestigt. Im Vergleich zu reinen Innenbordmotoren mit klassischen Wellenanlagen, die bis dahin üblich waren, sind Boote mit Z-Antrieben deutlich manövrierfreudiger. Im Vergleich zum Außenbordmotor sind Boote mit Innenbordmotor und Z-Antrieb wiederum wesentlich leiser.

1961: Der erste Z-Antrieb mit über 100 PS © Mercury Marine

Die erste kommerzielle Einführung eines Z-Antriebs kommt allerdings von der Konkurrenz: Volvo Penta stellt seinen Aquamatic auf der New York Motor Boat Show 1959 vor. Im selben Jahr verlässt Jim Wynne seinen Kollegen Strang und die Firma Kiekhaefers. In weniger als 90 Tagen entwickelt Wynne seinen eigenen Heckantrieb, den er sich später patentieren lässt. 1961 schließlich stellt Kiekhaefer auf der Chicago Boat Show den MerCruiser Outdrive vor. Schon 1962 produzierten 16 Hersteller Z-Antriebe. Zu Kiekhaefers Freude ist das eigene Modell stärker als alle Motoren der Mitbewerber.

Mit Wynne teilt er das „süße Geheimnis“, wie es in einer US-Motorenchronik heißt, dass sie beide mit Volvo Penta und anderen Motorenherstellern an ihrem Chef vorbei über die Nutzung ihrer Technologie verhandelt haben. 1964 verlässt Strang die Mercury und geht zur Konkurrenz OMC. Dort bringt er es bis um Aufsichtsratsvorsitzenden, wird Präsident der Motorboot-Rennvereinigung UIM und geht seinem Hobby nach: Nascar-Autorennen.

Charles Strang und Rennfahrer Manuel Carnakis © Christner Family Archiv, quincylooperracing.us

Faktor Mama

Charlie Strangs Mutter nimmt später noch einmal Einfluss auf die Geschichte der Bootsmotoren. Als Mercury den Außenborder 1000 Phantom baut, wird der Prototyp als weißer Motor mit silbernen und schwarzen Zierleisten lackiert. Carl Kiekhaefer findet den Motor insgesamt zu groß und sperrig. Der Legende nach erzählte Charles Strang seiner Mutter davon, und sie kommentiert: „Frauen tragen oft schwarz, um schlanker auszusehen. Warum also nicht den Motor schwarz lackieren?“ Carl Kiekhaefer ist begeistert. Seitdem sind Mercurys Motoren außen schwarz.

Paint it black: Mercury 1000 Phantom © Mercury Marine

float friday newsletter

jetzt abonnieren

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.