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Greta Thunberg Boris Herrmann Greta Thunberg kurz vorm Start ihrer Atlantiküberquerung © Team Malizia
Update Klima-Aktivistin

Nach dem Sturmtief geht es los

Boris Herrmann und Greta Thunberg sind unter Segeln nach New York gestartet. Wir haben vorab aufs Wetter geschaut.

float Redaktion
von in
5 Minuten

Am Mittwoch, den 14. August, ist der Hamburger Skipper Boris Herrmann (38) mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg über den Atlantik nach New York gestartet. Dort will die 16-jährige ihre vor knapp einem Jahr mit dem ersten Schulstreik am 20. August begonnenen Aktivitäten für den Klimaschutz fortsetzen. Dazu gehört auch die Teilnahme am UN-Klimagipfel. Die schwedische Jugendliche hatte zuvor die Mittelschule mit Bestnoten abgeschlossen – und will per Segelyacht statt Jet über den Atlantik reisen.

Probetörn war erfolgreich

Die 18 Meter lange Hochseerennyacht „Malizia“ lag bis dahin in der Mayflower-Marina von Plymouth in Südwestengland zum Ablegen bereit. Zuvor hatte es einen Probetörn gegeben, um die nicht segelerfahrene Jugendliche auf die unbequeme und strapaziöse Reise (mehr dazu: Das erwartet Greta Thunberg auf dem Atlantik) einzustimmen.

Mit an Bord des Rennboots „Malizia“ sind Co-Skipper Pierre Casiraghi, Gretas Vater Svante Thunberg und der Filmemacher Nathan Grossman, der eine Dokumentation über die Reise dreht. Rund zwei Wochen wird das Rennboot voraussichtlich unterwegs sein. Die Bedingungen für die Reise sind anspruchsvoll – vor allem auch, was das Wetter angeht.

Greta Thunberg Boris Herrmann Malizia

Beim Probetörn vor der Küste Südenglands ging es ruppig zu © Team Malizia

Sturmtief droht

Bevor es losgeht, mussten die Crew und ihre drei Gäste erst den Abzug der letzten Schlechtwetterfront abwarten. „Nach dem Durchgang des Tiefs und seiner Front heute kann es am Nachmittag mit gutem Westwind durch die Biskaya gehen.“ zeigte sich float-Wetterexperte Sebastian Wache optimistisch für den Start am Mittwochnachmittag.

Die Wetterbedingungen am Anfang der Reise nach New York werden der Crew einiges abverlangen. Doch Skipper Boris Herrmann kennt die zumeist ruppige Biskaya wie seine Westentasche. Der Profisegler war erst letzten November, bei der Einhandregatta Route Du Rhum in die Karibik, hier unterwegs.

Der Diplom-Meteorologe Sebastian Wache ist spezialisiert auf Wetter-Routings für Hochsee-Segelcrews. Er erklärt, weshalb der Zeitpunkt für den Start heute günstig ist: „Dabei bleibt der Wind relativ stabil, da sich dahinter ein Hochdruckkeil aufmacht, in die Biskaya einzudringen. Er hält den Wind am Leben.“

Greta Thunberg Boris Herrmann Malizia

Skipper Boris Herrmann hat sich akribisch vorbereitet © Team Malizia

Vorm nächsten Tief Richtung Kanaren

Allerdings dreht der Wind für Greta Thunberg und ihre Männer-Crew schon am Donnerstag auf Südwest und damit langsam gegenan. „Dazu nimmt der Wind auch zum Freitag hin immer mehr zu“, erklärt Sebastian Wache. Denn vom Atlantik her nähert sich ein Sturmtief, das am Samstag seine volle Kraft mit bis zu 40 Knoten Wind entfalten dürfte.

Der Rat des Meteorologen: „Das Boot sollte daher direkt nach der Front heute losfahren und zusehen, dass sie vor dem nächsten Tief die Biskaya durchquert haben und schon auf dem Weg zu den Kanaren sind.“ Das entspricht exakt der aktuellen Planung, wie gestern Nacht von der Crew der „Malizia“ mitgeteilt wurde.

Greta Thunberg/Boris Herrmann/Malizia

Die Malizia ist eine reine Rennyacht © Team Malizia

Ist das Rennboot, auf dem am Tag vor der Abfahrt die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, erst einmal nahe der Kanarischen Inseln, geht es langsam mit dem Passat in Richtung Karibik. Und es kann dann weiter Richtung New York gehen.

Weiter im Norden ist die Lage zu gefährlich

Eigentlich verläuft die direkte Route zur Ostküstenmetropole etwas nördlicher. Doch das ist für Skipper Boris Herrmann wohl keine Option. „Viel weiter im Norden oder generell einen Nordkurs würde ich trotz des schnellen Bootes nicht machen.“ schätzt Sebastian Wache von der Wetterwelt die Lage auf dem Ozean ein. „Dafür ist sind die Bedingungen aufgrund des Hochdruckgürtels bei ca. 30°N zu schwach. Und weiter im Norden ist die Lage mit dem Tiefs einfach zu unsicher und zu gefährlich.“

Das gilt gerade, wenn Mitsegler an Bord sind, die keine Erfahrungen mitbringen. Die Passatroute ist da die sicherste. Dennoch: „Hier ziehen aktuell einige Wellenstörungen mit Squalls entlang.“ Mit dieser plötzlichen und schnellen Zunahme der Windgeschwindigkeit steigt auch die Gefahr, dass sich dabei Hurrikane bilden könnten.

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