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Meisterschaft der Meister 2021 für die Brüder Sach © Pepe Hartmann
Regattasegeln

Neue Sach-Geschichten

Johann und Anton Sach machen als Jugendliche im 29er von sich reden. Ihr Vater zeichnete den Weg vor. Eine Segler-Dynastie aus Ostholstein.

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9 Minuten

Sach? Zarnekau? Da war doch was! Ja, in dem kleinen ostholsteinischen Dorf in der Nähe Eutins lebt eines der erfolgreichsten Brüderpaare der Mehrrumpfszene. Gemeint sind Helge und Christian Sach, einst Landwirte und mehrfach dekoriert mit insgesamt acht EM- und WM-Medaillen im olympischen Tornado und in der internationalen Formula-18-Klasse. 1994 wurden sie Vizeweltmeister im Tornado, zwölf Jahre später Weltmeister in der F-18-Klasse.

Christian scheint seine Gene fürs schnelle Segeln erfolgreich weitervererbt zu haben, denn mit Johann (16) und Bruder Anton (14) traten in diesem Jahr seine zwei Söhne aus dem Schatten des Vaters und ins Rampenlicht der Regattaszene. Überraschend gewannen die beiden im 29er die diesjährige Kieler Woche und holten sich wenig später in Berlin auch den DM-Titel. Prompt wurden sie anschließend als jüngste Mitstreiter zur Kultregatta des HSC auf die Alster eingeladen: zur Meisterschaft der Meister.

Sach
Das Ziel fest in Auge: Johann und Anton Sach auf ihrem 29er © privat

float-Mitarbeiter Tommy Loewe traf die beiden bei der Regatta in Hamburg, Michael Krieg besuchte die Jungs in deren Zuhause in Zarnekau, einem kleinen Ort in der Nähe Eutins.

Bugspriet statt Plattschnauze

Kids erleben, wenn sie den Opti verlassen und anschließend auf den 4,45 Meter langen und 1,77 Meter breiten 29er steigen, sofortigen und aufregenden Segelspaß. Und den wollten die beiden auf keinen Fall missen, erfuhren sie doch schon als gerade mal 6- und 8-Jährige mit Papa Christian auf dem F 18, was Geschwindigkeit heißt. Da bot sich der 29er als Einstieg ins schnelle Segeln geradezu an.

Hinzu kommt, dass die Macher dieses Trapez-Skiffs mit Selbstwendefock und Gennaker, die 49er Design Group, Julian Bethwaite & Dave Ovington, glauben, dass das Boot die beste Jugend-Segelklasse der Welt ist. Der Einstieg scheint also direkt nach dem Opti möglich. Und – nach dem 29er kannst du alles segeln!, heißt es in einem Statement eines schleswig-holsteinischen Bootshändlers. Außerdem: Die Jugend will Skiff segeln!

Lange sind sie aber Opti nicht gesegelt. Johann segelte Regatten nur in Schleswig-Holstein, Anton gerade mal so ein oder zwei. Er sei in dieser Zeit lieber gesurft – und er liebt, wie sein großer Bruder, auch das Wakeboarden. „Das brachte mir mehr Spaß. Und wir waren ja auch von Papa infiziert. Die beiden“ – gemeint sind sein Vater und dessen Bruder Helge – „sind ja nur schnelle Boote gesegelt. Und da waren wir natürlich immer schon etwas anderes gewöhnt als in einer solchen Kiste zu sitzen. Und wir wollten immer schon gerne zu zweit oder im Team segeln.“

Mit guter Chemie zum Sieg

Aber erst seit diesem Jahr segeln die beiden Brüder zusammen. Umso erstaunlicher scheinen deshalb auch die Erfolge in dieser Saison zu sein. Anton steuert, Johann steht im Trapez. Wie vorher schon eineinhalb Jahre mit einem anderen 29er-Kameraden. Dabei ist es für Johann nur wichtig, dass sein Bruder sich in den Regatten hauptsächlich darauf konzentriert, das Boot immer am Geschwindigkeitslimit zu halten. „Was er können muss an Bewegung, um das Boot in der Balance zu halten und gleichzeitig schnell zu sein, ist schon viel, das merkt man. Aber das bringt er vom Surfen mit“, erklärt er mir auf die Frage, warum er als derjenige mit der größeren Erfahrung nicht steuert.

Und die Chemie scheint zwischen den beiden auch zu stimmen. Nicht selbstverständlich unter Geschwistern. Gebrüllt auf dem Wasser wird jedenfalls gar nicht. Anton: „Das bringt nichts. Eher an Land, da wird schon mal gestritten. Oft auch nur um banale Dinge. Der ganz normale Geschwisterstreit.“ „Es wird meist sachlich ausdiskutiert, was nicht so gut lief“, ergänzt Johann.

Johann und Anton Sach
Anton (l.) und Johann Sach daheim in Zarnekau © Michael Krieg

Als Mitglieder im Lübecker Yacht-Club trainieren die Brüder regelmäßig mit der Trainingsgruppe des Landesverbandes Schleswig-Holstein in Strande an der Kieler Außenförde. So hatten sie sich vorgenommen, bei entsprechenden Bedingungen beim Euro-Cup mit 83 Meldungen zur Kieler Woche vielleicht schon weiter vorne mitzufahren. Dass es gleich, und vor allem auch gegen starke internationale Konkurrenz, mit deutlichem Vorsprung zum Sieg reichte, freute sie um so mehr. Spannender verlief es für die beiden dagegen auf der Deutschen Meisterschaft in Berlin.

Hohe Erwartungen knapp erfüllt

Johann: „In Berlin waren 62 Boote am Start. Die Bedingungen waren mit wenig Wind sehr tricky. Auf der Ostsee kann man das Land mit einbeziehen, wenn der Wind den Berg runterkommt, wenn da Häuser sind, kann man sich ein bisschen ausrechnen, wo man theoretisch langfahren müsste. Das war auf dem Wannsee schon schwierig. Da musste man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Das hat die ersten Tage nicht so geklappt, da waren wir auch ein bisschen gefrustet. Das hatten wir auch zunächst nicht so erwartet, weil durch den Kieler-Woche-Erfolg bei uns selbst die Erwartungen hoch waren.“

Nach dem ersten Tag waren die Brüder noch sechste. Dann haben sie sich aber nach vorne gearbeitet. „Die letzte Wettfahrt am Schlusstag war, unserer Meinung nach, relativ normal, wie wir es von der Ostsee auch kannten. Der Wind kam aus einer Ecke, wo er relativ viel Anlauf hatte. Er war also für eine Wettfahrt konstant da, und da konnten wir uns gleich gut absetzen und haben den Lauf gewonnen.“ Als Gesamtzweite starteten sie ins letzte Rennen. Vorne lagen mit sieben Punkten Vorsprung ihre Trainingspartner aus Kiel, ein Mädchenteam.

Da diese aber im letzten Lauf nur im Mittelfeld gelandet sind und die Jungs einen zwanzigsten Platz streichen konnten, hat es genau gereicht.

Kleine Dämpfer erhöhen den Ehrgeiz

Dass die Bäume im ersten gemeinsamen Jahr nicht in den Himmel wachsen, mussten sie dann bei der Europameisterschaft auf dem Gardasee erfahren. Dabei erreichten sie mit einem 9. Platz (4/9/11/1/3/10) nach den Fleetraces zu je 50 Mannschaften von insgesamt 200 ein durchaus vielversprechendes Ergebnis und qualifizierten sich als eine von vier deutschen Teams sicher fürs Goldfleet.

Anton Sach Johann Sach
Anton (l.) und Johann Sach © privat

Johann: „Letztendlich nur 45. zu werden, war nicht unbedingt unser Plan. Zuvor hatten wir noch mit dem Weltmeister, zwei Spaniern, trainiert. Die belegten bei der WM Platz 1 und 2. Außerdem wussten wir ja auch nach der Kieler Woche, dass wir z.B. mit dem Dritten der WM, den Dänen, mithalten konnten. Das war aber schwierig auf dem Gardasee, weil man halt taktisch relativ wenig herausholen konnte. Es wurde sehr viel am Start entschieden.

Sich nach vorne zu segeln, war leider nicht so. Man konnte nur eine Linie fahren, auf der man am schnellsten war. Man musste relativ weit rechts starten, so schnell wie möglich wenden, bis an die Felswand ran, und dann wieder zurück zur Luvtonne. Deswegen konnte man, wenn man dabei bleiben wollte, nur hinterherfahren. Und richtig aufholen war nicht wirklich möglich. Das lag nicht unbedingt am Kurs, der so gelegt war, sondern mehr an der speziellen Thermik.“

Immer an der Wand lang

„Die Ora, der Wind, ist relativ konstant und ändert sich wenig. Aber, umso dichter man zur Wand fährt, beschleunigt sich der Wind durch die Enge und legt mit 1 bis 2 Knoten zu. Da kannst du halt nicht wegfahren von der Wand. Du musst das nutzen. Besonders ärgerlich war, so empfanden wir das, dass die Wettfahrtleitung leider eine nicht so hohe Motivation hatte und bei den Starts die Frühstarter nicht rausgepfiffen hat.

Viele Trainer, auch unser Vater, lagen ja in der Peilung zur Startlinie und haben gesehen, wie viele Boote – bis zu 20! – über der Linie waren. Aber das hat die nicht sonderlich interessiert. Uns ist leider erst relativ spät klargeworden, dass das deshalb nicht funktioniert hat. Wir sind zwischendurch auch mal einen Ersten gefahren. Es war also schon möglich für das, was wir uns erwartet hatten. Gewonnen haben nachher die Dänen (Jens-Christian + Jens-Philip Dehn-Toftehoj), die bei der KW dritter geworden sind.“

  • Brüder SachAnton Sach © privat
  • Brüder SachAnton Sach © privat
  • Brüder SachJohann Sach © privat

Nun steht für die beiden das Wintertraining an. Zunehmen wollen sie nicht unbedingt, ihr Gewicht finden sie ok. Zunächst einmal: Auf dem Hof gibt es immer was zu tun. Aber (sie lachen): „Kondition kriegen wir aber nicht nur durchs Holzhacken, sondern auch durchs Eishockeyspielen im Winter.“ Ich bin einigermaßen erstaunt.

Wie soll das gehen bei den meist milden Wintern in den letzten Jahren hier im Norden? Welcher Teich im Dorf friert dann dauerhaft zu?
„Nein, nicht auf dem Dorfteich! Wir spielen beide in Timmdorfer Strand aktiv in einer Jugendliga (U17/U15) Eishockey. Oft haben wir am Wochenende Spiele. Sogar in Hannover oder Bremerhaven. Das Training dauert eineinhalb Stunden, und danach ist man durch. Das ist anstrengender als eineinhalb Stunden Fußballspielen. Oft fangen die Spiele früh 6:00 Uhr an, weil danach die normalen öffentlichen Eiszeiten sind.“

Olympia 2028

Kondition fürs Segeln wird also beim Eishockey trainiert. Unglaublich. In diesem Winter fahren die Brüder über den Jahreswechsel dann noch für eineinhalb Wochen ans Mittelmeer nach El Balis in der Nähe von Barcelona. Dort findet im nächsten Jahr die WM statt und sie wollen schon mal das Revier kennenlernen. Da werden dann auch mehrere Skandinavier hinkommen. Aus Kiel wohl niemand, da vor allem inzwischen viele Ältere auf den 49er umgestiegen sind.

Das ist für die beiden jedoch noch Zukunftsmusik. Aber über die Vorstellung, eines Tages mit Segeln vielleicht auch Geld zu verdienen, also das Ganze professionell zu betreiben, haben sie sich schon mal Gedanken gemacht? Träumen ist schließlich erlaubt – und Ehrgeiz haben die beiden. „Wenn das weiter mit uns funktioniert und Anton Lust hat und wir immer noch auf dem gleichen Level segeln wollen, dann könnte das zunächst erst einmal in Richtung einer Olympia-Kampagne gehen. Das ist schon unser Plan. Wahrscheinlich für 2028. Das wäre schon cool, da mal segeln zu können. Das ist natürlich dann auch eine Ehre, wenn man das dahin schafft.“

Nun gilt es aber zunächst einmal, weiter Erfahrung in der 29er-Klasse zu sammeln. Dann käme im übernächsten Jahr wohl der Umstieg: Zunächst in den 49er FX, die Frauen-Olympiaklasse, die auch Übergangsstation für die noch nicht so schweren männlichen Nachwuchsteams ist. Hier ist die Segelfläche von Groß und vor allem des Gennakers im Vergleich zum 49er kleiner. Und dann, bei idealem Gewicht, auf den 49er.

Sach
Christian Sach © privat
Sach
Helge Sach © privat

Und wenn es später nicht zum professionellen Segeln reichen sollte? Der 16-Jährige hat auch dazu ganz konkrete Vorstellungen: „Ansonsten, wenn nicht, würde ich wohl später in einen handwerklichen Beruf gehen. Wenn ich was studieren würde, dann wahrscheinlich in Richtung Maschinenbau. Und sonst, da hätte ich auch viel Lust drauf, Landschaftsgärtner. Das machen wir ja hier auch viel – mit Halle bauen, Garten anlegen, mit Maschinen umgehen, das macht schon Spaß. Wir sind ja auf einem Bauernhof groß geworden.“

Ähnlich denkt auch Anton. Aber das ist noch alles ein bisschen Zukunftsmusik. Er hat noch ein bisschen länger Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. „Erst einmal segeln!“

Eltern greifen tief in die Tasche

Das Fleckchen Erde, auf dem sie groß geworden sind, wird sie also immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückführen. Segeln gibt es nicht zum Nulltarif.

Vater Christian Sach dazu ganz ehrlich: „Es ist schon ein recht elitärer Sport, den sich nicht viele leisten können. Und schon gar nicht, wenn man leistungsmäßig auf einem international hohen Level mithalten möchte.“ Trainingsfahrten, Meldegelder, Ausrüstung, notwendiges und bestes Material – das alles kostet Geld.

Auf die Frage, ob schon Sponsoren anklopfen, um die beiden zu unterstützen, zum Beispiel Segelmacher, stellt Johann klar: „Nein, die nicht. Dadurch, dass es eine Einheitsklasse ist, gibt es da nichts. Eher geht es um Klamottensponsoren. Dann auch über unseren Vater, der hat eine IT-Firma als Sponsor, die uns vielleicht auch mal unterstützen wird. Mit dem KiWo-Sieg hat man ja gesehen, dass man doch schon ein bisschen Reichweite hat. Und das interessiert die dann schon.“ Vater Christian relativiert: „Die größten Sponsoren sind zu diesem Zeitpunkt aber immer noch die Eltern!“

Sach
Johann und Anton Sach auf ihrem 29er GER 2735 mit rotem Gennaker © privat

Das regelmäßige Training, die Teilnahme an nationalen und internationalen Events – gibt es vonseiten der Schule immer grünes Licht, daran teilzunehmen? „Grundsätzlich ja! Wir kriegen, wann immer es nötig ist, frei“, sind sich beide einig. Und sollte es leistungsmäßig am Schuljahresende einmal nicht ganz reichen, wäre es für die Eltern der beiden wohl auch kein Beinbruch. Vater Christian Sach dazu: „Das Erlebnis nimmt ihnen keiner mehr. Davon zehren sie ein ganzes Leben!“

Und wie lief es nun bei der Meisterschaft der Meister in Hamburg? Wann wurden die Brüder eingeladen? „Schon ein paar Stunden, nachdem wir in Berlin gewonnen hatten, wurden wir angerufen. Die kennen natürlich Papa alle. Der war ja auch schon oft damals dabei. Das war schon cool. Wir kennen auch schon viele, die da waren. Beispielsweise die aus dem 49er, die wir vom Sehen kennen. Viel spielt sich in Kiel ab, wenn man ein wenig professioneller segeln will. Das war schon cool, die mal zu treffen.“

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Wie lief es auf dem Wasser? „Das war etwas ganz anderes. Ein anderes Boot, den Laser Bahia, den kann man nicht so mit dem 29er vergleichen. Dazu kommt, dass die Alster ein wirklich schwieriges Revier ist. Zuletzt sind wir Zwanzigste von 27 geworden. Das war schon okay, auch wenn es nicht unbedingt unser Ziel war. Wir sind in einem Lauf ja auch mal Zweite geworden.“

Wer war deutlich vor den Brüdern Sach im 29er? „Per Schwall mit Vorschoter Simon Schmidt. Die sind aber jetzt in den 49er umgestiegen. Erst in den 49er FX, weil man da noch nicht so schwer sein muss. Die sind Fünfzehnte geworden. Die Unterschiede waren in den einzelnen Rennen aber nicht so sehr groß. Mal war man vorne mit dabei, oft auch mal ganz hinten. Da war auch ein bisschen Glück mit dabei auf der Alster. Wir segelten teilweise sehr dicht unter Land, damit es auch was für die Zuschauer zu sehen gab.“

Jedenfalls scheinen selbst hier die Äpfel nicht weit vom Stamm gefallen zu sein. Vater Christian wurde mit seinem Bruder nämlich auch nie Meister der Meister. Aber das kann bei den Söhnen ja noch werden.

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