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Tutima segelt Fastnet Race 2019 Tutima-Seglerinnen kurz vor der Umrundung des Fastnet Rocks © Tutima
Tutima Sailing Team

Once in a lifetime

Tutima ging als erste deutsche Frauencrew beim Fastnet Race erfolgreich durchs Ziel.

von
Kerstin Zillmer
in
4 Minuten

Die einzige rein weibliche Crew unter den 390 Teams aus 29 Ländern hat das Fastnet Race vorgestern Abend erfolgreich beendet. Das Tutima Sailing Team liegt dabei im guten Mittelfeld. Für ein Amateurteam, das nicht professionell segelt und ohne neues Schiff antritt, ist das ein ordentliches Ergebnis.

Es war ein spannendes Mitfiebern auf dem Race-Tracker beim Vergleichen der Positionen der vielen Boote. Mehr Schiffe denn je waren für die Hochseeregatta gemeldet. Am Dienstagabend um 21:43 Uhr fuhr die Crew der 13 Seglerinnen nach drei Tagen, 22 Stunden und 8 Minuten in Plymouth durchs Ziel.

  • Tutima segelt Fastnet RaceTutima vor den Kreidefelsen bei Cowes © Felix Diemer
  • Tutima segelt Fastnet RaceGuter Start bei leichtem Wind © Felix Diemer
  • Tutima segelt Fastnet Race © Felix Diemer

Gut durch die Flautenfelder gekommen

Am Samstag, den 3. August, startet das Frauenteam in Cowes in Gruppe 1 bei Leichtwind, der wegen der starken Tide etwas ungewohnt ist. Dank des Wetter-Routings, das Sebastian Wache im Auftrag von float für die Tutima-Crew erstellt hat, kommen die Seglerinnen gut durch die angekündigten Flautenfelder. Am ersten Tag ist ihr Schiff immer im vorderen Drittel seiner Gruppe.

Die erste Nacht ist so ruhig, dass die Segel im Wind flattern und die Navigatorin Laila erstaunt meldet, dass sie rückwärts fahren. Unter sternenklarem Himmel begleitet sie eine Delfinschule im phosphorisierten Wasser.

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  • Tutima segelt Fastnet Race © Tutima
  • Tutima segelt Fastnet Race © Tutima
  • Tutima segelt Fastnet Race © Tutima
  • Tutima segelt Fastnet RaceAcht Seglerinnen werden Seekrank bei der schweren See © Tutima

Am nächsten Tag kommt die angekündigte Wetterfront. Bis zu vier Meter hohe Wellen und fast durchgängig 30 Knoten Wind machen das Segeln für die Crew zu einer körperlichen und navigatorischen Herausforderung. Die Tutima stampft durch die Wellen, dass es nur so kracht. Ständig kommt Wasser über.

Acht von 13 Seglerinnen werden seekrank, und der Wachrhythmus, bei dem durchgängig sechs Frauen an Deck sein mussten, kommt immer wieder durcheinander. Unter Deck hängt das nasse Segelzeug wie Stalaktiten in einer Tropfsteinhöhle von der Decke.

Tutima segelt Fastnet Race
Der legendäre Felsen endlich in Sicht © Tutima

Dann kommt der Felsen

Dann kommt der Felsen. Am Montag um 16:11 Uhr umrundet die Crew den Fastnet Rock, auf den alle so hingefiebert haben. Die Magie des Moments bei der Fels-Umrundung wird durch die Sonne verstärkt, die im richtigen Augenblick durchbricht. Die, die noch können, stoßen mit Tutima-Sekt an. Und schon sind sie rum bei 20 Knoten Wind.

Der Rückweg ist nicht viel besser. Die sternenlose zweite Nacht machen sie förmlich im Blindflug, kontrollieren die Segel mit Strahlern und den Kurs nur mit dem Plotter. Der Wind frischt bis 37 Knoten auf. Sie segeln streckenweise mit zwei Reffs. „Wir bekamen ordentlich auf die Mütze“, sagt Skipperin Kirsten Harmstorf-Schönwitz am Telefon nach dem Rennen.

Es ist immer noch etwas besonderes, wenn reine Frauenteams bei Regatten antreten. So besonders, dass man sich in der Presseabteilung des RORC, der das Fastnet Race jedes Jahr organisiert, sich nicht genau erinnern kann, in welchem Jahr zum letzten Mal eine Frauencrew zum Offshore-Racing um den Felsen angetreten ist.

Beim Durchforsten der letzten Teilnehmer-Jahrgänge war bis in die frühen Neunziger Jahre keines zu finden. Auch dieses Jahr ist international kaum bemerkt worden, dass ein Frauenteam mitsegelte. Immerhin, Tutima taucht im Video des Fastnet Races auf.

Rolex Fastnet Race 2019 – 6 August – Tough, Inspiring and Recognizable

direkt zum Video

Teil der Legende sein

Gemischte Teams gab es einige beim diesjährigen Rennen um den Felsen – teils mit Skipperinnen am Steuer. Und es gab auch Frauen, die sich mit dem Fastnet Race auf die Vendee Globe vorbereiten wie Pip Hare, Sam Davies und Hannah Stodel, die sogar mit Handicap segelt.

Die Tutima-Crew hat sich einen Traum erfüllt. Die 13 Seglerinnen sind die wildeste, spannendste und nasseste Regatta in ihrer zehnjährigen Regattageschichte gefahren. Sie sind sehr stolz, so gut durchgekommen zu sein. Das Fastnet Race ist eine Legende, und wer dabei war, hat sich hinausgewagt auf die wilde Irische See. Das gilt besonders im 40. Jahr nach dem tragischen Unglück, als in einem Sturm 15 Segler ihr Leben verloren.

Sie haben es nicht übertrieben. Kirsten, die Skipperin, sagt, dass sie auf Sicherheit gesetzt habe. Sie hätten schneller sein können, aber die Herausforderung war groß genug, und sie wollten kein Risiko eingehen. Und nächste Woche geht es ja gleich weiter. Da segeln sie die Cowes Week mit. Dafür brauchen sie auch noch etwas Kraft.

Und was bedeutet das Fastnet Race für die Seglerinnen? „Once in a lifetime“ ruft es von hinten, von wo aus die Crew dem Telefonat mit der float-Redaktion zuhört. Glückwunsch, Mädels! Die Tutima Sailing Crew geht in die Geschichte des Fastnet Race ein, als erste deutsche Frauencrew ever.

Tutima segelt Fastnet Race
13 Frauen segelten das Race © Felix Diemer

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