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Über den Atlantik trampen © Lukas Grasberger
Reportage

Per Anhalter über den Atlantik

Auf den Kanaren warten viele Tramper auf einen Lift.

Lukas Grasberger
von in
2 Minuten

Per Anhalter über den Atlantik – das ist das Ziel zahlreicher junger Glücksritter, die man besonders in den Wintermonaten im Sporthafen von Las Palmas auf Gran Canaria treffen kann. Dann finden die meisten Atlantiküberquerungen statt. Die Hauptstadt der Kanarischen Inseln ist einer der besten Startpunkte und strategischer Zwischenstopp für Skipper auf der Überfahrt vom europäischen Festland in die Karibik oder nach Südamerika.

Viele Segler bunkern auf den Kanaren noch einmal Proviant oder reparieren Schäden am Boot. Manche heuern im Puerto Deportivo aber auch zusätzliche Crew-Mitglieder an. Dies hat sich bei den Segel-Trampern in spe herumgesprochen.

per Anhalter über den Atlantik

Die See-Rucksäcke warten schon © Lukas Grasberger

Ob Kamil aus Polen, Sègoléne aus Frankreich oder Simon aus dem nordhein-westfälischen Borken: Mittlerweile hat sich eine regelrechte Szene aus europäischen Backpackern gebildet, die in Las Palmas auf Booten anheuern wollen. „Wir sind eine wirklich starke Gemeinschaft“, lacht Simon Schnermann. „Wir helfen einander, wie in einer Familie.“

Wie findet man am besten Segler auf der Suche nach einer Crew? Welche Fertigkeiten sollte man haben? Wo und wie spricht man Skipper am günstigsten an? Diese Fragen werden von den Segel-Trampern in der Hafenbar „Sailors Bay“ lebhaft diskutiert. Die Erfahrungen auf See, die sie mitbringen, sind sehr unterschiedlich. Simon kann trotz seiner erst 20 Jahre bereits vier Segelscheine nachweisen und  ist schon als Skipper von Deutschland nach England gesegelt. Andere, wie der Spanier Daniel, haben keinerlei Hochsee-Erfahrung. Sie werben aber auf Aushängen in den Läden am Hafen damit, kochen zu können – oder schlicht damit, sympathisch zu sein.

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per Anhalter über den Atlantik © Andrew Neel

Skeptische Skipper, motivierte Tramper

Die Kapitäne sehen die „Anhalter der Meere“, die die Skipper gern an den Piers abpassen, zwiespältig: „Wenn überhaupt, würde ich vielleicht Damen mitnehmen“, sagt der Kölner Segler Volker Bree. Da gibt es die Befürchtung, eine männliche Crew könnte gewaltsam das Steuer übernehmen. Dazu komme die Verantwortung für Mitsegler, die schon einmal seekrank werden könnten. Ganz zu schweigen davon, dass der Kapitän im Zweifel auch finanziell dafür Sorge tragen müsse, dass ein Crew-Mitglied das Zielland auch wieder verlässt. „Wenn man doch jemanden mitnimmt, geht’s eigentlich immer um die Nachtwache“, betont Bree. Auf AIS allein will er sich nicht verlassen.

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Mit dem Daumen über den Ozean © Matthias Jordan

Simon Schnermann wird trotz der Skepsis vieler Skipper sein Können bei einer Atlantik-Überquerung unter Beweis stellen: Nach gut zwei Wochen hat er ein Boot gefunden, das ihn mit nach Puerto Rico nimmt. Geholfen hat dabei nicht etwa sein fantasievoll gestaltetes Tramper-Schild – sondern ein kostenpflichtiges Gesuch im Internet, mit dem er einen australischen Skipper von seiner Segel-Erfahrung überzeugen konnte. Er ist nicht der erste und sicher auch nicht der letzte Atlantiktramper in dieser Saison.

Wer nicht genügend Zeit hat, im Hafen zu warten, um per Anhalter über den Atlantik zu kommen, kann sein Glück auch im Internet versuchen. Aber das ist natürlich weitaus weniger abenteuerlich und romantisch.

Crewbörsen im Internet: crewseekers.net, findacrew.net, handgegenkoje.de

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