Die CEOs der Hanse Yachts AG, Hanjo Runde, und Bavaria Yachtbau, Marc Diening, haben eins gemeinsam: Beide sind deutlich kürzer als ein Jahr im Amt, und beide waren bis zum Start ihrer Führungsaufgaben zuvor nicht in der Bootsbranche tätig. Von ihren Vorgängern haben die Mittvierziger nicht nur die Führung der größten Serienbootwerften in Deutschland übernommen, sondern auch die Herausforderungen unserer Zeit.
Dazu gehören die Folgen der Pandemie, knirschende Lieferketten und die unverändert sehr gute Nachfrage nach Booten, wie es gerade erst der Wirtschaftsverband Wassersport bestätigte.
Mit welcher Strategie, welcher Vision und welchen Zielen gehen Hanse und Bavaria in die Zukunft? Das fragten wir die beiden Manager wenige Wochen nach dem Beginn der neuen Zeitrechnung, dem Beginn des Kriegs in der Ukraine.
Wie hat Ihr Unternehmen die vergangenen zwei Jahre abgewettert – mit Brexit, Pandemie, problematischen Lieferketten und nun mit dem Ukraine-Krieg?
Marc Diening: Es waren sicherlich die turbulentesten zwei Jahre, die die Bootsbranche in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. In den ersten Monaten der Pandemie gab es eine große Unsicherheit, auch weil niemand wusste, was mit der Nachfrage passiert. Nach drei, vier Monaten hat sich das Blatt komplett gewendet: Dann ging es nur noch darum, wie wir die sprunghaft angestiegene Nachfrage optimal abbilden.
Nachdem wir uns sicher waren, dass dieser Trend mittelfristig anhält, haben wir mit dem entsprechenden Vorlauf mit neuen Arbeitsprozessen das Personal gefunden, das wir brauchen, um den Auftragseingang abzuarbeiten. Welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg – von heute betrachtet – in 12 oder 18 Monaten hat, ist extrem schwierig zu sagen. Keiner weiß, wie sich das auf die weltweiten Lieferketten auswirkt.
Produktino trotz Pandemie
Hanjo Runde: Es waren vor allem die Auswirkungen der Pandemie, die der ganzen Branche zu schaffen machten, zuallererst durch recht hohe Abwesenheiten. Und es ist aktuell deutlich schwerer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, weil die Bereitschaft umzuziehen nicht mehr so hoch ist wie früher.
Wir haben seit Beginn der Pandemie recht intensiv Maßnahmen ergriffen, um das Personal zu schützen. Wir haben es geschafft, trotz der großen Themen in der Corona-Zeit, unsere Produktionsbänder immer weiter laufen zu lassen, was ja auch im Sinne der Kunden ist.
Herr Runde, ist der Ukraine-Krieg auch für Hanse zu spüren, speziell an ihrem Standort in Polen?
Hanjo Runde: Den Ukraine-Krieg als aktuelles Thema verfolgen wir mit großer Bestürzung und Betroffenheit. Wir haben selbst über 120 ukrainische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein beachtlicher Teil davon ist in den Krieg gezogen. Wir werden sie auf unbestimmte Zeit wohl nicht wiedersehen.
Ukraine als unwägbares Risiko
Es geht aktuell nicht so sehr um wirtschaftliche Aspekte, sondern eher darum, wie wir helfen können: mit Sachspenden oder ganz pragmatischen Dingen wie einer Unterkunft. Mir widerstrebt es, da in die Wirtschaftlichkeit zu gucken.
Wie steht es aktuell mit dem Auftragsbuch? Und wie schnell werden angesichts gespannter Lieferketten die Aufträge abgearbeitet?
Hanjo Runde: Es gibt neben Themen wie Fehlteilen und Personalmangel, die wir täglich managen, auch einen positiven Effekt: Wir haben ein Auftragsbuch – Stand Februar 2022 – von 330 Millionen Euro. Das ist Rekordniveau.
Dem entgegen steht, dass es durch Lücken in den Logistikketten große Schwierigkeiten gibt, das Boot fertigzustellen. Und es auszuliefern, wenn der Kunde es bestellt hat. Wichtig ist, dem Kunden gegenüber Transparenz darüber herzustellen, wo die aktuellen Probleme liegen. Wir haben aktuell Verspätungen! Das ist, denke ich, nachvollziehbar.
Die Ukraine-Krise wird massive Folgen haben, weil die Logistikkapazitäten reduziert und aktuell deutlich langsamer sind. Es schaut so aus, dass Hanse bei der Fehlteile-Verfügbarkeit nicht so betroffen ist, was unsere Zulieferer angeht.
Die Nachfrage bleibt hoch
Marc Diening: Wir haben ein extrem starkes Auftragsbuch. Das Auftragsbuch würden wir gerne schneller abarbeiten. Wir sind bei den Lieferzeiten heute, je nach Modell, in der Größenordnung von 18 Monaten, manchmal auch etwas länger.