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Die eckigen Planken werden der Rumpf-Rundung angepasst, alle Unebenheiten werden geglättet © Leo Sampson
Refit-Projekt

Boot putzen, bis die Arme wehtun

Die Erholungspause für die Crew nach der Whiskyplanke war kurz. Jetzt wird der Rumpf der Tally Ho geglättet.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Die Whiskyplanke sitzt und es wurde gefeiert. Damit ist die letzte Lücke in der Außenhautbeplankung der Tally Ho geschlossen. Die Erholungspause danach ist kurz ausgefallen, denn jetzt muss der Rumpf beim Refit-Projekt von Leo Sampson geglättet werden.

Das Team, mit dem Leo Sampson den englischen Albert-Strange-Cutter von 1909 wieder aufbaut, besteht inzwischen außer ihm und dem Shipwright Pete nur noch aus den beiden Voluntären Rowan und David. Sie sind nun schon einige Monate mit viel Spaß in Sequim nahe Seattle dabei. Außerdem bevölkern noch einige Hühner, zwei Hunde und Papageiendame Pancho die Bootsbaustelle.

Diese Idyllle auf der Halbinsel Olympia wird aber bald ein Ende finden. Denn Leo hat sich entschlossen, mit der halbfertigen Tally Ho nach Port Townsend umzuziehen, sobald sie steif genug für den Transport ist. Ein Nachbar hatte sich beschwert und eine behördliche Untersuchung veranlasst. Leo Sampson ist zwar mit Anwaltshilfe unbeschadet aus der Sache herausgekommen. Er möchte aber auch nicht, dass das Refit-Projekt Tally Ho zum lokalen Ärgernis wird.

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Pancho bei der Arbeit © Leo Sampson
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Petes Hund namens Backyard © Leo Sampson

Harte laute Arbeit

Vorher muss der Nachbar allerdings noch eine gute Woche das Kreischen der E-Hobel ertragen, die für das Putzen gebraucht werden. Das ist eine wahrlich kräfteraubende Angelegenheit, denn meist wird die Maschine mit erhobenen Armen gehalten. Die eckigen Planken werden der Rundung des Rumpfs angepasst, dann glätten die Bootswerker alle Unebenheiten.

Dabei kommt es darauf an, dass eine harmonische, in jeder Richtung strakende Fläche erzeugt wird. Immer wieder prüfen Pete (auf der einen Seite des Rumpfs) und Leo (auf der anderen Seite) die Fläche mit der Hand und ihrer Straklatte auf mögliche Buckel und Löcher. Ein langer Prozess beim Refit-Projekt, der viel Gefühl erfordert. Außerdem kommen noch große Tellerschleifer zum Einsatz. Dies ist der erste Durchgang, nach dem Kalfatern kommt der zweite.

  • Leo SampsonKontrolle mit der Straklatte © Leo Sampson
  • Leo SampsonPetes Hand fühlt jeden Buckel © Leo Sampson
  • Leo SampsonPutzen mit dem E-Hobel geht in die Arme © Leo Sampson

Danach wird eine Farbgrundierung aufgetragen, bevor mit langen Schleifbrettern der letzte Schliff erfolgt. Einige Schrauben werden nach dem Putzen tiefer gesenkt, damit die Holzpfropfen (auf Englisch Bungs genannt), mit denen die Löcher verschlossen werden, richtig gut sitzen.

Rowan macht Proppen

Das ist wieder ein Job für Rowan. Mit einem Fräsbohrer macht er an der Ständerbohrmaschine Unmengen dieser „Proppen“ aus Wana-Holz. Dann schneidet er sie an der Bandsäge ab. Wie viele? „So an die 4.000 Stück“, sagt er.
Ob das reicht? „Na schön, dann mach nochmal 1.000 Stück aus Angelique.“ Schön, dass ihm die gute Laune nicht vergeht.

  • Refit-ProjektRowan konzentriert beim Proppen-Bohren © Leo Sampson
  • Refit-ProjektSo an die 4.000 Stück © Leo Sampson
  • Refit-ProjektDavid beim Spantenphasen © Leo Sampson
  • Refit-ProjektDas geht nur in Handarbeit © Leo Sampson

Die gute Stimmung erhält sich auch David, der für den Innenraum zuständig ist. Mit einem Schinder (dem Spokeshave) bricht er die Kanten aller Spanten und bringt eine Phase an. Das geht nur in Handarbeit, wegen der vielen Nieten. Anschließend rundet er sie noch mit Schleifpapier. Die Arbeit macht ihn richtig glücklich.

Fast fertig zum Verholen

Das grobe Putzen der Planken ist die Vorbereitung auf das Kalfatern (das „Caulking“), wobei Baumwolle in die Plankennähte geschlagen wird. Für diesen Job kommen zwei Profis aus Port Townsend, denn es sind einige hundert Meter Naht abzuarbeiten. Das sind weitere zwei Wochen, die der Nachbar die Hammerschläge ertragen muss. Ist ja Holz und kein Stahl, denn das wäre lauter.

Das Kalfatern bringt weitere Steifigkeit in den Rumpf, schiebt die Planken zusammen und es bringt nachher die Dichtigkeit nach dem Einwassern. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Zunächst soll dieser Arbeitsschritt die Tally Ho für den Transport an ihren neuen Bauplatz bereit machen. Das Deck muss wohl noch etwas warten.

Leo Sampson
Leo Sampson © Leo Sampson

Leo ist zufrieden, dass es bald mit dem Kalfatern losgehen kann. Und wir sind gespannt, wann der Umzug erfolgt. Die Facebook-Seite von Sampson Boat Co. hat inzwischen über 300.000 Abonnenten, die die Fortschritte verfolgen. Viele unterstützen das Tally-Ho-Projekt. Wer dabei sein möchte, folge diesem Link.

Leos April-Scherz mit dem Makita-grünen Schiffsrumpf hat nicht jeder verstanden. Und so ist er seinen Fans eine Erklärung schuldig: Natürlich wird bei seinem Refit-Projekt der Rumpf nicht türkisgrün, sondern gebrochen weiß – so wie früher und ohne Werbeaufschrift.

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