float Magazine

Mann und Hund erkunden die Buchten auf Sardinien © Brambusch
Sailing Dilly Dally

Sardinien, wir kommen!

Auf lange Sicht will die Dilly-Dally den Atlantik überqueren. Das ist aber kein Grund, Sardinien nicht ausgiebig zu genießen.

von
in
7 Minuten

Das war wohl nichts! Nachdem wir eine große Gewitterfront in San Vito lo Capo abgewartet haben, wollen wir am nächsten Tag unsere nächste Nachtfahrt in Angriff nehmen. 160 Seemeilen liegen vor uns, von Sizilien nach Sardinien. Bei einer realistischen Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten wären das 32 Stunden, bei 5,5 Knoten immerhin noch 29. Eine Mütze voll Schlaf wäre daher nicht schlecht. Doch das Gewitter hat ein kleines, gemeines Geschenk dagelassen: Schwell!

Solange Wind weht, ist das auch vor Anker nicht schlimm, sofern der aus der gleichen Richtung wie der Schwell kommt. Dann dreht die Dilly-Dally sich mit dem Bug in die Welle und die Bewegung an Bord ist minimal. Doch spät am Abend verabschiedet sich auch das letzte laue Lüftchen. Unsere Moody 425 legt sich quer zur gar nicht mal so hohen Welle und schaukelt sich in die Nacht.

Aber wir sind hellwach. Das Boot wackelt so dermaßen, dass wir mehr als einmal beinahe aus dem Bett fallen. Immer wieder stopfen wir Handtücher, Lappen oder Klamotten in die Schränke, um das Klappern von Geschirr, Flaschen oder sonstigem Zeug abzufedern. Katze und Hund schauen uns mit großen Augen an. Was ist hier los?

Schlaflose Nacht

Um sechs Uhr krieche ich mit verquollenen Augen aus den Federn. Gegen elf Uhr wollten wir aufbrechen, um Sardinien noch in der Helligkeit zu erreichen. Immer noch geigt die Dilly-Dally im Wiegeschritt einen Walzer nach dem anderem, an Schlaf ist nicht zu denken. Also Anker auf und los. Die ersten paar Stunden machen wir unter Genua und Groß gute Fahrt.

Dann motorsegeln wir in den Sonnenuntergang und schließlich ist der Wind ganz weg. Das war auch so angesagt. Ein Freund, der bereits auf Sardinien wartet, spottete vor der Abfahrt: Ihr wollt doch nicht allen Ernstes nach Sardinien motoren? Mal kurz überlegen…

Genua
Gute Fahrt unter Genua und Groß © Brambusch
Doch, wollten wir. Denn seit unserer Gewitterpassage von Griechenland nach Italien ist der Wind nicht mehr die erste Priorität, die wir setzen. Neptun scheint sein Zepter abgegeben zu haben. An Thor, den Gott des Donners. Und so war es uns wichtiger, in keine Gewitter zu kommen, als auf besseren Wind zu warten.

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Denn man muss es leider so sagen: Seit den Gewittern vor Italien sind wir ein stückweit paranoid. Immer wieder checken wir die Unwetter-Apps, jedes noch so kleine Licht am Ufer, und sei es nur das Blitzlicht einen Fotoapparats, lässt uns zusammenschrecken.

Mitten durch die tiefschwarze Nacht

Schon am Morgen bereiten wir alles für die Nachtfahrt vor. Arzum zaubert in der Pantry, ich lege das Sicherheitsequipment bereit, überprüfe, ob alle elektronischen Geräte aufgeladen sind und funktionieren. Eine Nachtfahrt, wie wir sie erwarten, ist problemlos.

Nachtfahrt
Wir motorsegeln in den Sonnenuntergang © Brambusch
Dennoch sollte man immer auf den worst case vorbereitet sein. Das heißt, die Schwimmwesten sollten griffbereit liegen, bei schwerem Wetter legen wir zudem ein Mob-AIS, das Alarm auflöst und ein AIS-Signal aussendet, um auf dem Wasser wiedergefunden zu werden. Hund und Katze haben Schwimmwesten mit einfachen Sendern. Sollten sich die Sender mehr als zehn Meter von der Empfangsstation entfernen, schrillt der Alarm.

Gleichzeitig wird auf dem Plotter angezeigt, an welcher Position das Signal verloren gegangen ist. Nicht optimal, aber immerhin besser als nichts. Wer das geschützte Cockpit bei Nacht verlässt, trägt Schwimmweste. Ein Scheinwerfer liegt immer griffbereit, natürlich das Fernglas sowie die Handfunke. Bei Nacht trägt jeder eine Stirnlampe, die über Rotlicht verfügt. Für mich das wichtigste Utensil ist aber der Thermo-Kaffeebecher.

Sonne
Wo hört das Meer auf und fängt der Himmel an? © Brambusch
Und so tuckern wir bei 1.500 Umdrehungen sanft in einen atemberaubenden Sonnenuntergang. Der Himmel färbt sich tiefrot, als sich die Sonne im Meer direkt vor unserem Bug versenkt. Und dann ist es plötzlich duster. Oder besser: schwarz.

Es ist eine Nacht nach Neumond und die schmale Sichel ist bereits verschwunden, da erhellte die untergegangene Sonne noch den Horizont.

Das Sternenzelt über uns ist gewaltig. Und wir fühlen uns ganz klein. Hier mitten auf dem Meer, irgendwo zwischen Sizilien und Sardinien, kommt uns die Milchstraße wie eine befahrene Autobahn bei Nacht vor. Hin und wieder saust eine Sternschnuppe vom Himmel, hell strahlt die Venus wie ein Scheinwerfer.

Gespenstisch und wunderschön zugleich

Einerseits sind wir fasziniert, andererseits immer noch angespannt. In der tiefschwarzen Nacht können wir keine Wolken am Himmel erkennen und jedes Dunstfeld wird zunächst mit Schrecken wahrgenommen. Doch sobald wir durch unser Marine-Fernglas der NVA hinter den dünnen Wölkchen Sterne erkennen, sind wir wieder beruhigt.

Gegen halb sechs verändert sich der Himmel im Osten. Langsam schiebt sich die Sonne an den Rand des Meeres, spendet Licht und uns damit Entspannung. Hinter uns erleben wir ein Feuerwerk an Farben, vor uns liegt die Welt in einem graublauen Schleier. Wo hört das Meer auf, wo fängt der Himmel an? Die See ist ruhig, so ruhig, wie wir sie selten gesehen haben. Gespenstisch und wunderschön zugleich.

Der erste Fisch des Tages zappelt kurz nach Sonnenaufgang an der Angel. Aber er schafft es noch einmal der Pfanne zu entkommen. Als die Angelschnur erneut surrt, haben wir Sardinien bereits im Blick. Eine kleine Makrele konnte unserem Köder nicht widerstehen. Hund und Katze freut das sehr. Als Belohnung für die Nachtfahrt gibt es an diesem Abend ein Festessen für sie.

Angeln
Das Angeln freut vor allem Hund und Katze © Brambusch
In Villasimius, im Südosten Sardiniens, lassen wir den Anker ins türkisfarbene Meer fallen. Der Strand ist lang und weiß und feinkörnig. Ein alter Turm wacht auf einem grün bewachsenen Hügel über die Bucht. Ganz wie aus dem Reiseprospekt. Nur die hunderte Sonnenschirme stören ein wenig das Szenario. Uns stört es nicht. Ebenso wie der Schwell, den wir anscheinend mitgebracht haben. Wir sind zu müde, aber glücklich. Dann fallen auch schon die Lider zu. Wieder eine Etappe geschafft!

Hangeln von Bucht zu Bucht

Auf Sardinien haben wir keine konkreten Ziele. Außer, dass wir an der Ostküste gen Norden segeln wollen. In kleinen Etappen. An die Costa Smeralda, um von dort einen Abstecher nach Korsika zu machen. Wir hangeln uns von Bucht zu Bucht, ankern mal als einziges Boot vor traumhafter Kulisse, mal vor einsamen Sandstränden, mal vor imposanten Klippen mit Höhlen. Spätestens am Nachmittag, wenn die Tagesausflügler in ihren hochmotorisierten RIBs zurück zum nächsten Hafen müssen, sind wir oft allein. Und genießen die Natur und Ruhe.

Ostküste
Die Dilly-Dally hangelt sich die Ostküste Sardiniens hoch © Brambusch
Fast jeden Tag haben wir herrlichen Segelwind. Und 1.600 Seemeilen nach unserer Abreise in der Türkei können wir sogar erstmals den Parasailor für ein paar Stunden setzen. Wir sausen die Küste Sardiniens empor. Herz, was willst du mehr?
Nur einmal entscheiden wir uns für eine Marina. In Porto Ottiolu sind wir froh einen Liegeplatz für eine Nacht zu bekommen. Die Preise sind nach der Hauptsaison auch wieder erschwinglich. Für die Nacht und den Morgen sind Gewitter angesagt, in einem Hafen fühlen wir uns da geborgener. Außerdem müssen wir mal wieder einkaufen gehen. Und den Müll wegbringen. Zudem meint Arzum, ich könnte mal wieder eine lange Dusche vertragen. Na gut, das lasse ich unkommentiert.
Marina
Die Nachsaison bringt erträgliche Marina-Gebühren © Brambusch
Für eine Nacht zahlen wir 69 Euro, inklusive Strom (den wir aber aufgrund der Solaranlage nicht brauchen) und Wasser. Das brauchen wir eigentlich auch nicht, denn wir füllen ausschließlich Wasser aus dem Watermaker in den Tank, aber die Dilly-Dally hat eine Dusche mindestens ebenso so nötig wie der Skipper.

Eine dicke Salzkruste überzieht die Moody, die Solarpanele haben Krusten angesetzt und die Schoten könnten senkrecht an den Mast angelehnt werden. Vor allem aber müssen wir mal wieder unseren Müll entsorgen. Und das kann auf Sardinien teuer werden. Von Ankerliegern verlangen Marinas für deren Müllentsorgung schon mal 50 Euro pro Sack.

Ein Hafentag zum Entspannen

Porto Ottiolu steht auf der Sightseeing-Liste Sardiniens sicherlich nicht ganz oben. Aber die kleine Marina gefällt uns. Die Marina-Mitarbeiter sind ausgesprochen nett, die italienischen Stegnachbarn hilfsbereit und tolerant bis freudig überrascht, wenn unser Bordkatze spontan zu einem Besuch herüberkommt und sich in fremden Kabinen fläzt. Ottiolu ist ein Ferienort durch und durch. Und doch freuen wir uns über einen entspannten Abend bei Pizza und Wein an Land und eine Nacht ohne Schwell. Das angekündigte Gewitter ist dann übrigens doch nicht gekommen.

Badeparadies
Ein Badeparadies in Türkisgrün © Brambusch
Das schönste und abwechslungsreichste Segelrevier liegt im Nordosten Sardiniens an der Costa Smeralda und den vorgelagerten Inseln. Ein Badeparadies in Türkisgrün. Wir liegen wieder einmal vor Anker, hinter uns strahlt feiner Sand, über uns blauer Himmel. Herrlich. Wie immer, wenn der Anker sich im Untergrund eingegraben hat, ist es Zeit, den Bordhund Gassi zu führen.

Der coolste Hund der Bucht

Trotz ihrer 13 Jahre genießt Cingene es, mit dem SUP an Land gepaddelt zu werden. Stolz steht sie vorne auf dem Brett, reckt keck ihren Kopf in den Wind, auf dass ihre großen Ohren im Wind flattern. Kinder am Strand bekommen großen Augen, Kameras klicken auf Booten. Ein Hund auf einem SUP? Wie cool!

  • CingeneBordhund Cingene … © Brambusch
  • SUP… wird auf dem SUP … © Brambusch
  • Dackel… von einem Dackel die Schau gestohlen. © Brambusch
Doch an diesem Tag passiert das Unfassbare. Ausgerechnet ein Dackel stiehlt Cingene die Schau. Von einer schicken Motoryacht aus startet eine junge Frau elegant ihren Ritt auf einem e-Foil-Board. Vorne auf dem über das Wasser fliegenden Brett steht erhaben und in eine rote Schwimmweste gekleidet der Dackel! Und genießt sichtlich die Fahrt. Arme Cingene. Aber man kann eben nicht jeden Tag der coolste Hund in der Bucht sein.

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