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Die Seenotretter nehmen eine stark seekranke Seekajakfahrerin an Bord © Die Seenotretter / DGzRS
Seemannschaft

Seid sicher auf See!

Wie sich Notlagen auf dem Wasser durch gute Vorbereitung vermeiden lassen, wissen die Seenotretter. Hier sind ihre Tipps.

von
Kerstin Zillmer
in
4 Minuten

Sicherheit ist Trumpf. Das gilt besonders für Wassersportler. Das Risiko ist extrem hoch, die Vorausschau besonders wichtig. Wir wollen keine Spielverderber sein. Aber bevor die Saison beginnt, sollte man sich bewusst machen, wie traurig sie enden könnte. Vorsicht ist die Mutter der GFK-Kiste. Hier die Tipps von den Profis der DGzRS.

Die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sind 2020 auf Nord- und Ostsee 1.720 Mal im Einsatz gewesen. 1.100 dieser Einsätze galten Wassersportlern. Viele davon ließen sich vermeiden. Gute Vorbereitung ist nicht nur für die mehrwöchige Seereise wichtig, sondern auch für den Tagestörn oder den kurzen Ausflug aufs Meer.

Die Seenotretter schleppe ein Motorschiff ab
Ein Motorschiff wird nach einem Motorschaden vom Seenotrettungsboot Gerhard Elsner eingeschleppt © Die Seenotretter / DGzRS

Immer wieder kommt es zu lebensgefährlichen Notfällen. Die Seenotretter liefen im vergangenen Jahr acht Mal nach einer Alarmierung „Mensch über Bord“ aus, sechs Mal bei Feuer an Bord und 18 Mal bei Wassereinbruch. In diesen Fällen bleibt kaum Zeit, um die Menschen zu retten. Wer auf Hilfe von außerhalb warten muss, ist verloren. Die persönliche Schutzausrüstung ist die Lebensversicherung für Wassersportler. Wir haben es geprobt, mit einer achtköpfigen Familie.

Rettungswesten müssen passen

Eine für Gewicht und Bekleidung passende Rettungsweste muss so angelegt sein, dass sie beim Sturz über Bord zuverlässig schützt. Entscheidend ist, dass das höchstzulässige Gewicht des Trägers beziehungsweise der Trägerin nicht überschritten wird und die Weste perfekt sitzt. Rettungswesten halten nicht ewig. Darum müssen die Westen regelmäßig gewartet werden, und zwar in den vom Hersteller empfohlenen Intervallen.

Die Seenotretter nehmen zwei Jugendliche mit
Die Seenotretter nehmen zwei mit einem SUP abtreibende Jugendliche mit © Die Seenotretter / DGzRS

Um den Sturz ins Wasser möglichst ganz zu vermeiden, sollten Wassersportler bei schlechtem Wetter und nachts Sicherheitsleinen tragen und diese am ausgebrachten Strecktau (Laufleinen) befestigen.

Zu den häufigsten Einsatzursachen im Wassersport zählten auch im vergangenen Jahr wieder Grundberührungen mit nahezu 30 Prozent und Maschinenprobleme mit weit über 30 Prozent. Das legt nahe, dass Wassersportler vor allem ihrer Navigation sowie der Maschinenwartung mehr Aufmerksamkeit widmen sollten.

Die Seenotretter nehmen zwei Jugendliche mit
Ein Alleinsegler verletzte sich schwer am Kopf, als er mit seinem Segelboot strandete © Die Seenotretter / DGzRS

Bei vielen Einsätzen der Seenotretter kommt es zum Glück durch rechtzeitige Hilfeleistung nicht zu einem lebensbedrohlichen Notfall. Dennoch: Der beste Einsatz ist der, der gar nicht erst gefahren werden muss. Deshalb stellen die Seenotretter auf ihrer Präventionswebsite Sicherheitschecklisten zur Verfügung.

Es gibt sie für Segler, Motorbootfahrer, Kiter, Windsurfer, Stand-Up-Paddler, Angler, Seekajakfahrer, Schwimmer und Wattwanderer. Bevor man das erste Mal aufs Wasser geht, bietet es sich an, die Listen gründlich abzuarbeiten.

Surfer sollten verlorenes Material melden

Kite- und Windsurfer sollten niemals allein unterwegs sein, damit im Notfall Hilfe gerufen werden kann. Die Seenotretter bitten darum, verloren gegangenes Material sofort an die Seenotleitung Bremen der DGzRS zu melden. Auf diese Weise können aufwändige Suchen vermieden werden, wenn herrenloses Material gefunden wird. Eine kurze E-Mail mit Beschreibung des Materials, einer Telefonnummer und dem Ort des Verlustes an die E-Mail-Adresse [email protected] genügt. Aber Achtung: Eine Alarmierung im Notfall sollte immer sofort telefonisch oder per Funk erfolgen. Ein Alarmierungsweg ist die E-Mail nicht.

Die Seenotretter nehmen zwei Jugendliche mit
Seenotretter und Feuerwehr konzentrieren sich darauf, den Steg zu retten. Das in Vollbrand stehende Boot versank. © Die Seenotretter / DGzRS

Für Kites und Boards bietet die DGzRS darüber hinaus spezielle Sticker an. Findet jemand Material auf See oder an Land, können die Seenotretter Kontakt aufnehmen und leichter ermitteln, ob eine Notlage vorliegt. Das spart Zeit und vermeidet unnötige Suchen. Kiter können das praktische und spurenlos wieder zu entfernende Aufkleberset für ihren persönlichen Bedarf bei den Seenotrettern kostenlos über die Website bestellen.

Position an die Seenotleitung

Die Tracking-App SafeTrx der DGzRS kann im Notfall die Sicherheit wesentlich erhöhen. SafeTrx (kurz für: Safe-Tracks / „sichere Törns“) zeichnet über das Handy des Nutzers dessen Route in der App auf. Auf diese hat die Seenotleitung der DGzRS Zugriff in Echtzeit. Sollte es auf See zu einem Notfall kommen oder ein Wassersportler technische Hilfeleistung benötigen, kennt die Seenotleitung die hinterlegte Route. Und die zuletzt über das Mobilfunknetz gesendete Position des Wassersportlers. Auch bei einem Anruf über die App wird gleichzeitig die Position an die Seenotleitung übertragen. Die App SafeTrx für iOS und Android kann kostenlos in den App-Stores heruntergeladen werden.

Die Tracking-App der DGzRS
Mit SafeTrx haben Retter direkten Zugriff auf Position und gefahrene Route © Die Seenotretter / DGzRS

Alarmierung im Notfall

Die Seenotleitung Bremen ist rund um die Uhr besetzt. Für eine Alarmierung im Notfall steht die Telefonnummer (0421) 53 68 70 zur Verfügung. Ebenfalls kann eine Alarmierung per Funk über UKW-Kanal 16 und 70 (DSC) sowie Grenzwelle 2187,5 kHz (DSC) an die dort integrierte Seenotküstenfunkstelle Bremen Rescue Radio der DGzRS erfolgen. Der Rufname ist Bremen Rescue.

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