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RowHHome RowHHome ruderte als erstes deutsches Team beim Talisker Race über den Atlantik © Atlantic Campaigns
Rudern über den Atlantik

Sie haben es geschafft!

Das Frauenteam RowHHome ist das erste deutsche Team, das beim Talisker Race über den Atlantik gerudert ist.

Kerstin Zillmer
von in
4 Minuten | 1 Kommentar

Um 12:21 Uhr deutscher Zeit kam heute, am 23. Januar 2020, das Frauen-Ruderteam RowHHome als erstes deutsches Team überhaupt in Antigua ins Ziel. Es ist ein dreifacher Sieg für die vier Hamburgerinnen bei der Talisker Atlantic Challenge, bei der es nur mit Muskelkraft über den Atlantik geht: Die vier Frauen sind nicht nur das erste Team aus Deutschland. Sie sind als erstes deutsches Frauenteam nach 42 Tagen und 46 Minuten auch die schnellsten Deutschen, die jemals den Atlantik im Ruderboot überquert haben. Was für eine Leistung!

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Eine großartige Leistung! © Atlantic Campaigns

Insgesamt 103 Ruderer und Ruderinnen, 88 Männer und 15 Frauen aus 12 Ländern sind bei der Taliker Atlantic Challenge dieses Jahr an den Start gegangen, und es war zeitweise hart für die deutschen Ruderinnen. Am 12. Dezember 2019, pünktlich um 10:35 Uhr, waren die vier Hamburgerinnen auf La Gomera gestartet – und sind fast eineinhalb Monate über den Atlantik gepullt. Die vier Frauen haben die Seekrankheit überwunden, sich durch meterhohe Wellen gekämpft und auf ihrem Ruderboot Geschwindigkeiten bis zu fünf Knoten erreicht.

RowHHome – Frauenpower aus Hamburg

Steuerfrau Catharina Streit (33), dazu Meike Ramuschkat (33), Stefanie Kluge (51) und ihre Tochter Timna Bicker (26) haben unter dem Teamnamen RowHHome in ihrem Boot „Doris“ bei der härtesten Ruderregatta der Welt teilgenommen. Das HH im Namen steht für Hamburg. Sie wollten den Urgewalten trotzen und das Rennen über den Atlantik schaffen. Das haben sie heute sehr erfolgreich bewiesen!

Sie sind keine Spitzensportlerinnen. Zwei von ihnen haben erst 2018 begonnen zu rudern. Zusammen wollten sie sich mit der Atlantiküberquerung im Ruderboot einen Lebenstraum erfüllen. „Bisher sind mehr Menschen in den Weltraum geflogen als über den Atlantik gerudert. Das ist eine unglaubliche Herausforderung“, sagt Kardiologin Meike Ramuschkat.

Vier Frauen teilen sich 16 Quadratmeter

Die letzten eineinhalb Monate haben sie auf acht Metern in dem speziellen Ozean-Ruderboot gelebt. An Bord: Drei Ruderplätze, zwei Kabinen zum Schlafen, Stauraum für Essen, Kleidung und technische Ausrüstung. Keine Intimsphäre, nur rudern, rudern, rudern.

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Das ozeantaugliche Ruderboot Doris © Atlantic Campaigns

Ihr Boot „Doris“ wurde speziell für sie in England bei der Werft Rannoch Adventure gebaut. Auf einer Fläche von 16 Quadratmetern sind die vier Frauen 2.740 Seemeilen – das entspricht 5.575 Kilometern – über den Atlantischen Ozean gerudert. Tag und Nacht, im Wechsel von zwei Stunden: pullen, schlafen, essen, ruhen.

Als es hart kam, haben sie den Treibanker geworfen und sich in den beiden Kabinen verschanzt, bis der Sturm vorüber war. Das Boot ist unsinkbar und kann ohne Probleme durchkentern. Gelenkt haben sie mit dem Autopiloten oder dem Fußsteuer.

Leben an Bord

An Bord hatten sie eine Tonne Ausrüstung: Essen, Sicherheitsausrüstung, Medizin, Kleidung und technisches Equipment. Mit der Rennleitung und ihren Familien war die Crew über Satellitentelefon in Kontakt – gespeist aus Solarstrom, der auch den Autopiloten, die GoPro-Kameras und MP3-Player versorgte. Besonders der Kontakt zu ihrem Wetterfrosch Robert war wesentlich: Er hat sie mit seinem Wetter-Routing sicher über den Atlantik geführt.

Mental war das Rennen für das Team eine harte Prüfung. Wochenlang haben die vier Frauen nichts als Wellen und Himmel gesehen und hockten zusammen auf engstem Raum. Die einzige Ablenkung war die Musik, die sie über ihre Musikspieler hören konnten – und der kurze Kontakt nach Hause.

Talisker Atlantic Challenge
Das Team mit Proviant © RowHHome
Talisker Atlantic Challenge
Zwei rudern, zwei ruhen © RowHHome

4.000 Kalorien in genau abgezählten Päckchen haben sie täglich in Form von Astronautennahrung zu sich genommen. Mindestens sechs Liter aufbereitetes Meerwasser am Tag aus dem automatischen Wasserbereiter haben ihren Durst gestillt. Trotzdem haben alle an Bord unter der immensen Anstrengung viel Gewicht verloren. Die Sonne und das Salzwasser hat ihrer Haut zugesetzt, ihre Hände haben vom Rudern Blasen und Risse bekommen.

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Die Spuren des Pullens © RowHHome

Die Talisker Atlantic Challenge

Die Atlantic Challenge wird als Ruderregatta über den Atlantik seit 1997 ausgetragen. Ihren heutigen Namen trägt sie, seit 2011 eine schottische Whisky-Brennerei als Sponsor eingestiegen ist. Die Route des Rennens verläuft quer über den Nordatlantik von La Gomera zur Karibikinsel Antigua.

Ohne fremde Unterstützung verbringen die Teams aus aller Welt bis zu 90 Tage auf hoher See. Doch sie sind nicht ganz alleine: Zwei Segelboote haben das Feld vorne und hinten flankiert. Über die Wochen der Rennens kann sich das Feld jedoch bis auf 1.500 Seemeilen auffächern.

Alle Crews verfügen über ein gutes Sicherheitssystem und sind – wie große Schiffe – über das automatische Identifikationssystem AIS jederzeit zu orten.  Besuch gab es für die vier Hamburgerinnen auch: Am 14. Januar 2020 besuchte die Support-Yacht „Suntiki“ das Rowhhome-Team.

RowHHome
Erster Kontakt nach Wochen allein auf See. © Talisker Race

Mehr Teams als je zuvor traten an

Mit 35 Teams, vom Solo-Ruderer bis zu Fünferteams, ist dieses Jahr die größte Flotte seit 1997 unterwegs – mit der höchsten Anzahl weiblicher Teilnehmerinnen in der Geschichte des Rennens. In jeder Ruder-Klasse sind Frauen dabei, bei den Viererteams sind sogar zwei rein weibliche Crews dabei. Neben den RowHHome-Frauen rudern die „Swiss Ocean Dancers“, zu dem auch zwei deutsche Frauen gehören, als zweites Frauenteam ins Ziel.

Am Ende ist das Team RowHHome als Team Nummer 17 ins Ziel gerudert. Damit haben die vier Hamburgerinnen eine sehr eine ordentliche Platzierung geschafft, auf Platz 10 in ihrer Gruppe. Kurz vorm Startschuss auf La Gomera hatte Skipperin Catharina Streit erklärt, was das Ziel der vier ist: „Wir waren inspiriert von „Four Women On a Boat“ und dachten: Wenn die das schaffen, dann können wir das auch.“ Sie hatten Recht!

Das Filmprojekt Wellenbrecherinnen begleitet das Frauenteam seit eineinhalb Jahren mit der Kamera und gibt sehr schöne Einblicke von Beginn an. Bald wird es auch einen Kinofilm über die Atlantiküberquerung von RowHHome geben.

Das Team von RowHHome unterstützt mit ihrer Teilnahme am Talisker Race zwei Vereine, die Kindern bssre Startchancen ins Leben ermöglichen wollen: Zeit für Zukunft – Mentoren für Kinder e.V. und Kinderlachen e.V..

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