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Leo Sampson Ep 76 Der Heckspiegel der Tally Ho ist endlich fest montiert © Leo Sampson
Refit-Projekt

Spieglein, Spieglein…

Leo Sampson setzt den Heckspiegel der Tally Ho fest ein – und folgt dabei den klassischen Methoden beim Abdichten.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Vier kräftige Männer arbeiten am Albert-Strange-Cutter „Tally Ho“ von 1910, dem Refit-Projekt von Leo Sampson. Seit über zwei Jahren baut er mit verschiedenen freiwilligen Helfern und nun auch mit einem festangestellten Schiffszimmerer den alten englischen Rennkutter wieder neu auf.

In einem stürmischen Fastnet-Race 1927 hatte die „Tally Ho“ zwar nicht die Nase ganz vorn, gewann aber in einem spannenden Match-Race nach berechneter Zeit gegen den amerikanischen Schoner „La Goleta“. Und sie waren die einzigen: Von 15 Startern waren die beiden Yachten die einzigen, die den harten Bedingungen trotzen konnten.

Die alten Hölzer müssen weg

Leo hat sich dagegen entschieden, die alten Hölzer zu erhalten. Zu sehr hatte der Zahn der Zeit an ihnen genagt. So wird fast das ganze Boot aus neuem Holz sowie Schrauben, Bolzen, Bodenwrangen und Knien aus Silizium-Bronze neu aufgebaut.

Lep Sampson Ep 76
Ein großer Teil des originalen Heckspiegels aus Teakholz © Leo Sampson

Aber ganz wollte er doch nicht auf das alte Material verzichten. Neben dem Ballastkiel konnte er große Teile der Heckspiegelplatte, dem Transom, retten – gute zwei Zoll (etwa 52 mm) ist das Teakholz stark, das die letzten 110 Jahre fast unbeschadet überstanden hat. Das übrige Holz hat er günstig erstanden.

  • Lep Sampson Ep 76Bleimennige und Dolfinite, verdünnt mit Wurzelteer © Leo Sampson
  • Lep Sampson Ep 76Bolzenlöcher bohren © Leo Sampson
  • Lep Sampson Ep 76Bolzen setzen © Leo Sampson

Er hatte den Spiegel aus fünf Planken vor ein paar Wochen nur angeheftet. Jetzt zeigt er uns genau, wie er endgültig befestigt wird. Und zwar mit 5/8 Zoll (16 mm) großen Gewindebolzen, die am Kopf mit Baumwollpackung versehen sind, und mit dicken Holzschrauben. Überall, wo Holz auf Holz liegt, trägt er Bleimennige und Dolfinite – eine in den USA bekannte klassische Dichtmasse –, verdünnt mit Wurzelteer (dem pinetar) auf, um dem Rott Paroli zu bieten.

  • Lep Sampson Refit-ProjektEine Nut wird in die Plankennähte gedrückt © Leo Sampson
  • Lep Sampson Refit-ProjektSpäter quillt beides zusammen auf © Leo Sampson

Die beste klassische Abdichtung für außen

Besondere Sorgfalt legt Leo Sampson auf die Abdichtung. Die Leisten seiner Nut- und Federkonstruktion sind aus aufquellendem Weichholz geschnitten. In die Plankennähte drückt er mit der Kugelpinne seines Hammers eine Nut für einen dünnen Baumwollfaden. Beides quillt zusammen auf. Es ist die beste klassische Abdichtung, die man sich für ein Stück Außenhaut ohne Kalfaternaht denken kann.

Am Ende werden die Schraubenlöcher mit Holzpfropfen und PU-Leim versiegelt und das gute Stück noch fünfmal verdünnt lackiert. So bekommt der Begriff „Spiegel“ als zweites Glanzstück der Tally Ho einen doppelten Sinn.

  • Lep Sampson Ep 76Die Schraubenlöcher werden versiegelt © Leo Sampson
  • Lep Sampson Ep 76Überschüssiges wird abgesägt © Leo Sampson
  • Lep Sampson Ep 76Dann kommt das Lackieren... © Leo Sampson
  • Lep Sampson Ep 76...und noch mehr Lackieren © Leo Sampson

Clark mag es gerne glänzend

Clark befasst sich derweil mit den Wrangen, die als Rohguss in seine fleißigen Hände gelangen. Er schleift sie solange mit der Flex bis sie genau an ihren Platz passen. Nach fünf Arbeitsgängen ist es dann nicht mehr viel Arbeit, sie auf Hochglanz zu polieren.

Dieses Finish war nicht für alle Wrangen geplant, es schadet aber auch nicht. Und Clark mag es gerne glänzend. So hat Leo später einen Job für besonders eifrige Decksleute: „Ab in die Bilge, Wrangen nachpolieren.“

  • Lep Sampson Tally HoClark poliert mit der Bohrmaschine © Leo Sampson
  • Lep Sampson Refit-ProjektAlle Wrangen wurden auf Hochglanz poliert © Leo Sampson

Pat verbringt die Zeit in der Gießerei, wo er mit Meister Pete Langley die Wrangen-Produktion optimiert. Durch die Verwendung von drei anstatt zwei Guss-Sandkästen (den flasks) und die Verdichtung des Formensands mit Luftdruckgeräten haben sie schon ein gutes Drittel der geplanten Zeit eingespart.

Lep Sampson Ep 76
In der nahen Gießerei werden weitere Wrangen produziert © Leo Sampson

Harmonischer Verlauf auf Totholz

„Hey, Pete, what are you doing?“ Leo Sampson rückt seinem Schiffbauer wieder mit der Kamera auf den Pelz. Pete quittiert es wie stets leicht genervt und mit Humor, gibt aber bereitwillig Auskunft. Er ist seit Wochen damit beschäftigt, die Sponung (auch rabbet genannt) auszuarbeiten. Die Innenkante im Holzkiel, Vor- und Achtersteven muss genau rechtwinkelig sein, um dann die erste Planke, die garboard plank genannte Kielplanke aufzunehmen. Dabei verändert sie stets ihre Form.

  • Lep Sampson Ep 76Die Sponung wird ausgearbeitet © Leo Sampson
  • Lep Sampson Ep 76Leos Mitstreiter bei der Arbeit © Leo Sampson
  • Lep Sampson Ep 76Ein perfekter rechter Winkel © Leo Sampson

Dafür muss ein harmonischer Verlauf auf Totholz und an den Spanten herausgearbeitet werden. Alle Planken sollten natürlich optimal auf dem Spantengerüst sitzen. Die Kielplanke macht allerdings am meisten Vorarbeit erforderlich. Pete arbeitet ruhig und stetig mit Dechsel, Elektrohobel und Straklatte. Pancho, die Papageiendame, hat wie immer ein waches Auge auf die Truppe. Sie tanzt auch gerne mal zur coolen Musik.

BoatBuilding - Finishing the Transom (EP76)

Ein Tipp zum besseren Verständnis dieser interessanten Episode: Stellt die Untertitel in deutsch ein. Achtung! Rabbet hat nichts mit Kaninchen zu tun. Wer das Refit-Projekt der „Tally Ho“ unterstützen möchte, hier der Support-Link.

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