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Uku Randmaa wurde erst von Seepocken, dann von einem Hai verfolgt © PPL/GGR
Golden Globe Race

Spurt durch den Südatlantik

Die letzten Segler des Golden Globe Race 2018 erwartet nach Kap Hoorn der Atlantik. Dem Letzten drohen noch Stürme im Südlichen Ozean.

Stefan Gerhard
von in
3 Minuten

Das verbliebene kleine Teilnehmerfeld beim Golden Globe Race macht sich bereit für die letzte große Etappe der Weltumseglung: den Atlantischen Ozean. Der Drittplatzierte Uku Randmaa hat heute (Mittwoch, 19.12.2018, um fünf Uhr morgens unserer Zeit, Kap Hoorn bei 20 Knoten Wind und rund drei Metern Welle umrundet. Oder sie sind schon mittendrin, so wie der 73-jährige Favorit Jean Luc van den Heede und der Niederländer Mark Slats. Doch beide haben Probleme an Bord bei ihrem immer enger werdenden Spurt durch den Südatlantik. Verdorbene Milch und ein angeknackster Mast machen dem Führungsduo zu schaffen.

Golden Globe Race 2018

Uku Randmaa zieht an Kap Hoorn vorbei © PPL/GGR

Es wird enger für den Favoriten

Der Niederländer Mark Slats hat in den letzten sieben Tagen seinen Abstand auf den führenden Jean-Luc Van Den Heede auf 794 Meilen reduziert – um immerhin 154 Meilen. Noch sind es rund 4.300 Meilen bis zum Ziel in Les Sables d’Olonne, wo der Sieger gegen Ende Januar erwartet wird.

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Milch machte Mark Slats mürb © PPL/GGR

Beide Segler sind zurzeit im Südatlantik unterwegs, und beide hatten sie in der vergangenen Woche, nach der Rettung von Susie Goodall, Probleme an Bord. Mark Slats litt unter einer schweren Magenverstimmung, bis er merkte, dass vergammelte Milch die Ursache für seine Pein war. Zum ersten Mal während der seit einem halben Jahr laufenden Nonstop-Regatta war er gezwungen, unter Deck zu liegen. Zuvor war er in starken Gegenwind geraten.

Gegenwind gefährdet Wackelmast

Seitdem hat sich das Wetter wieder normalisiert. Doch Slats muss noch weitere 500 Meilen durch Wind von Norden segeln, bevor er in die Region kommt, wo Mitsegler Van Den Heede – jetzt 13 Grad nördlich – vom Ostwind profitiert. Dieser Gegenwind gab dem franzosen Ende letzter Woche Grund zur Besorgnis. Das Stampfen des Boots auch bei gemäßigten Bedingungen vergrößerte den Riss im beschädigten Mast der „Matmut“.

Der 73-jährige Franzose war gezwungen, zum sechsten Mal in den Mast zu klettern, um die provisorische Befestigung zu verstärken. Im Moment, bei besseren Windbedingungen, schient alles in Ordnung zu sein. JDH weiß aber, so drückt es die Regattaleitung aus, dass er „sehr konservativ segeln“ muss.

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Jean Luc Van den Heede will es wissen © PPL/GGR

Zwei segeln hinterher

Der Viertplatzierte Istvan Kopar hat die defekten Lager im Steuerstand an Bord seiner Tradewind 35 Puffin repariert. Nachdem er dem Sturm, der ihn letzte Woche einzuholen drohte, erfolgreich ausgewichen ist, indem er Richtung Süden in die NO-GO-Zone ging, droht ihm nun ein weiteres Tief. Angekündigt sind 60 bis 70 Knoten Wind und 12 bis 15 Meter hohe Wellen. Die Rennleitung hat Kopar geraten, sich südlich vom ersten kleineren Sturm zu halten, aber vor dem 20. Dezember nicht unter den 53. südlichen Breitengrad zu fallen.

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Istvan Kopars 35-Fuß-Boot © PPL/GGR

Der Finne Tapio Lehtinen, dessen Gaia 36 Asteria auf Platz 5 und rund 6.300 Meilen hinter dem Spitzenreiter liegt, hat bei typischem Südmeerwetter eine gute Brise. Zuvor hatte er vor einer Begegnung mit einem Hai gegen Seepocken gekämpft. In der vergangenen Woche hat sein Boot 102 Meilen gegenüber dem Führungsschiff gewonnen.

Er hatte zuvor darum gekämpft, sich von der Südspitze Neuseelands in Lee freizuhalten und hatte berichtet: „STRESSIG NAHE ZUM LAND“. Dann, nach einer unruhigen Nacht: „SCHLECHTE STEUERFÄHIGKEIT WG. SEEPOCKEN, MUSSTE FÜR LEE-RAUM WENDEN.“ Die Folgen dieses Manövers beschäftigen den Finnen bis heute.

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Tapio Lehtinen hangelt sich von Sturm zu Sturm © PPL/GGR

Seefahrers Feinde: Stürme und Seepocken

Der Russe Igor Zaretskiy war letzte Woche in Albany im Westen Australiens von Bord gegangen, um seinen Rumpf von Seepocken zu befreien und Reparaturen durchzuführen. Er kündigte am Wochenende an, dass er zu einem Gesundheits-Check nach Moskau zurückkehren wird. Anschließend will er das Rennen fortsetzen. Im Jahr 2010 hatte der russische Segler einen Herzinfarkt erlitten. Kurz davor hatte er die Jester Challenge, ein Rennen solo über den Atlantik, gewonnen.

Es gibt kein Zeitlimit für einen Neustart in der Chichester-Klasse. Francis Chichester hatte während seiner One-Stop-Umrundung 1966/67 einen Stopp von 48 Tagen in Sydney eingelegt. Aber es gibt für Igor Zaretskiy praktische Einschränkungen. Nach dem Beginn der Wintersturmsaison im Südlichen Ozean ist es nicht ratsam zu starten. Nach Ende März sollte keine Umrundung von Kap Hoorn versuchen, bevor der nächste Frühling auf der südlichen Halbkugel kommt.

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Kehrt heim zum Arzt: Igor Zaretskiy © PPL/GGR

Letzte Woche musterte auch „Captain Coconut“ Mark Sinclair vom Golden Globe Race ab. Der australische Segler wird nicht in der Chichester Class teilnehmen, das einen Landstopp erlaubt. Sinclair hat beschlossen, nach seiner Reise um den halben Globus in seinem Heimathafen Adelaide zu bleiben.

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