float Magazine

Das Steinhuder Meer so wie Stefan es liebt © Stefan Hansen
Porträt

Stefan liebt das Leben an Bord

Stefan Hansen ist Teilzeit-Liveaboard am Steinhuder Meer. Kerstin Zillmer porträtierte ihn für den Foto-Kalender 2020 zu Gunsten der Seenotretter.

von
Kerstin Zillmer
in
3 Minuten

Es begann im Urlaub in Schweden. Am Sommerhaus lag ein Opti und der Vermieter hatte zu Stefan gesagt: „Steig mal ein, ich zeige dir wie das geht.“ Die gesamten vier Ferienwochen verbrachte der Junge auf dem See und legte dabei den Grundstein für sein Leben auf dem Wasser. Es sollten viele Sommer vergehen, bis er wieder ein Boot bestieg. Ein paar Mal segelte Stefan beim Onkel an der Schlei und war viel mit dem Surfbrett unterwegs, aber fürs eigene Boot war nie das nötige Geld da.

„Wenn man dann genug gespart hat, geht es los“, sagt Stefan. Da ist es 2016 und er 40. Er kauft sich eine Neptun 22, legt sie ans Steinhuder Meer, macht einen Segelschein und erste Erfahrungen. Den ganzen Sommer verbringt er auf dem Wasser. Er will bleiben, auch im Winter, aber am Steinhuder Meer werden im Herbst die Stege eingeklappt.

Als ihm seine Wohnung zu groß wird und Stefan eine kleinere sucht, findet er stattdessen Luise. Sie ist ein 33-Fuß-Kings-Cruiser und beide sind gleich alt, Baujahr 1976. Ihr Heimathafen wird Europa, in Bremen. Seit letztem Jahr lebt Stefan jetzt auf dem Schiff. Ihm gefällt das ruhige, rustikale Althafen-Flair. Er ist nicht allein hier im Hafen, es gibt noch andere Liveabords. Das ist seine Steg-WG, sagt Stefan. Total freundschaftlich, eine bunt gemischte Gemeinschaft.

Stefan ist jetzt Teilzeit-Liveabord. Unter der Woche fährt er im Außendienst durch Deutschland. Wenn er am Wochenende nach Hause an Bord kommt oder einen Tag „Boat-Office“ macht, sitzt er im Salon oder in der Plicht mit seinem Laptop. Manche sagen, zum Leben sei es zu klein an Bord, aber ihm gefällt das. „Du stehst einmal kurz auf und bist in der Küche, noch einen Schritt weiter und bist draußen“ – alles ist dicht dran.

Du kommst mit weniger viel besser aus und bist glücklicher, findet Stefan. Seine Möbel hat er verkauft und sich auf das Wesentliche reduziert. Er hat einen Wohnsitz angemeldet, und die Post liegt im Sammelbriefkasten. Fehlt etwas? Ein bisschen mehr Natur wäre schön und eine Partnerin zum Teilen.

Helgoland! Das wäre eine tolle Sache für die neue Saison. Vorletztes Jahr ist er rund Fünen gesegelt, vierzehn Tage lang, letztes Jahr mit der Neptun und Freunden rund Ærø. Er ist ja noch am Anfang, da sollte man den Respekt vor der Natur nicht verlieren, meint Stefan. Seine Inspiration holt er sich aus Büchern. 1.200 Tage Samstag hat er gelesen, und die Erdmanns findet er gut. Denn auch sein Traum ist es, einmal auf Langfahrt zu gehen.

Der Sonnenuntergang ist eine Erinnerung an den zweiten Sommer in Steinhude, stellvertretend für die vielen Sonnenuntergänge, die Stefan schon fotografiert hat. Er kann sich an ihnen nicht sattsehen. Diese Ruhe und die Geborgenheit in der Natur holen ihn runter. Es ist ein Privileg, dass man so wohnen kann und darf, sagt Stefan.

Stefan Hansen
Stefan Hansen © Stefan Hansen
Kerstin Zillmer
Kerstin Zillmer © Lene Münch

Kerstin Zillmer

Vor drei Jahren gründete Kerstin Zillmer float, das Online-Magazin für alles, was auf dem Wasser bewegt, das sie seitdem als Redakteurin leitet. Seit mehr als 15 Jahren ist sie als Fotografin, Autorin und Testerin in ihrem Element auf dem Wasser unterwegs. Die deutsche Jurorin für den Best of Boats Award liebt schöne, schnelle Boote, mit und ohne Segel. Am liebsten fotografiert und schreibt sie Geschichten über Menschen auf dem Wasser.

Segelkalender
Der Segelkalender im Juli © Knuth Hornbogen

Wie der Segelkalender in die Welt kam

Im November 2018 nahm sich die Facebook-Gruppe fb-segeln-liebt DGzRS vor, den Seenotrettern mit einer Spendenaktion zu danken. Aus den schönsten Sonnenauf- und -untergängen, aufgenommen von Hobbyfotografen mit Liebe zum Meer und auf Facebook geteilt, wurde gemeinschaftlich ein Kalender gestaltet und zugunsten der Seenotretter verkauft. Alle Akteure steuerten ehrenamtlich das bei, was sie konnten: Bilder, Texte und Lektorat, Gestaltung und Versand.

Sieben float-Autoren haben sich mit Beiträgen an dem tollen Projekt beteiligt. Wir spielen ihre Beiträge auf float über das Jahr aus. Die Kalender wurden zum Preis von 12,50 Euro verkauft, davon wurden 10 Euro gespendet. Die Spende wurde auf der boot Düsseldorf an die Seenotretter der DGzRS übergeben. Der zweite Vormann der „Hermann Rudolf Meyer“, Andreas Brensing, nahm die respektable Spendensumme von über 4.330 Euro entgegen.

Wie der Segelkalender der Gruppe entstand, lest ihr in unserem Beitrag 12 Sonnen, morgens und abends.

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