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Fast fertig, und schon farbig: die Tally Ho kurz vorm Umzug © Leo Sampson
Refit-Projekt

Tally Ho bekommt ein Farbkleid

Vom Gerüst befreit ist die Tally Ho fast reisebereit. Gespannte Ruhe vorm Umzug und Leo Sampsons Video Nummer 100.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Die „Tally Ho“ kriegt endlich ein Farbkleid und wird reisefertig gemacht. Nach letzten Vorarbeiten kann der Rumpf gestrichen werden, und er steht am Ende – vom Gerüst befreit – in weißer Außenhaut und orangefarbenem Unterwasserschiff da. Jetzt muss nur noch der Ballastkiel untergebolzt werden, und der lang geplante Umzug nach Port Townsend kann starten.

Der Ortswechsel für das ganze Projekt wurde notwendig, nachdem sich ein Nachbar bei der Gemeinde beschwert hatte. Kein Problem für Leo: Die Holzboot-Enthusiasten in Port Townsend nehmen ihn mit offenen Armen auf, eine gute Umgebung für die Tally Ho.

Leos Crew besteht inzwischen nur noch aus Pete, Megan und Patrick. Cody zieht es nach nur vier Wochen an dem Projekt im Sommer zum Fliegenfischen nach Montana. Allerdings nicht ohne zu versprechen, dass er wiederkommen wird, um noch mehr „Blut, Schweiß und Tränen“ in das Refit-Projekt Tally Ho zu stecken.

„Ready to move“

Nach dem Aufplanken und Kalfatern ist der Rumpf steif genug für den Transport. Das Holz soll aber durch ein paar Lagen Farbe gegen Austrocknen geschützt werden. Die letzten zwei Wochen wurde mit langen Brettern geschliffen. Und das, bis der Rumpf so glatt war, wie er eben sein kann bei einer Segelyacht, die dennoch den Charakter eines Arbeitsschiffs hat. Megan bohrt dicke Proppen und schlägt sie in die Bolzenlöcher in Vor- und Achtersteven. Wenn der Leim getrocknet ist, werden sie mit Stecheisen und Winkelschleifer verschlichtet.

Die Löcher der Tally Ho werden mit Proppen gestopft
Megan beim Proppen Setzen © Leo Sampson

Im letzten Statement vor dem Jubiläums-Video #100 erklärt Leo, dass es ihm wichtig war, das Schiff „unter Farbe“ zu bekommen. Das Versiegeln der Nähte kann auch später am neuen Standort erfolgen. Pete erzählt uns, warum ein Schiff im Stil der Tally Ho nicht in Natur lackiert werden sollte. Jede Unregelmäßigkeit im Holz wäre sichtbar, ebenso die Kalfatnähte. Das Holz und der Lack würden auch unter der UV-Strahlung leiden. Und, so Pete: Es passt einfach nicht zum Cutter-Charakter des Fastnet-Race-Siegers.

Frische Farbe vom Traditionsbetrieb

Die verwendeten Farben stammen allesamt von Familie Kirby, die an der Ostküste seit 175 Jahren Farben anrührt. Leo verwendet nur einkomponentige Farben, die nicht so hart werden wie Polyurethan-(DD)-Lacke oder Epoxydharz-Farben. Diese Lacke wären zwar dauerhafter und hätten einen höheren Glanz, sind aber auf einer geplankten Vollholzyacht ungeeignet. Warum das?
Die harte Beschichtung könnte durch das Quellen und Schwinden des Holzes reißen und absplittern.  Daher nehmen die Holzboot-Enthusiasten lieber in Kauf, alle paar Jahre eine neue Schicht Alkydharz-Lack oder Lacköl aufzutragen.

  • Alle arbeiten zusammen am Streichen des Rumpfes mit FarbeTeamwork © Leo Sampson
  • Die weiße Farbe der Tally Ho glänzt und spiegeltPete und Megan © Leo Sampson
  • Die weiße Farbe der Tally Ho glänzt und spiegeltDer Rumpf glänzt © Leo Sampson

Leo und Pete sind keine Lackier-Experten. Und so machen sie die schmerzliche Erfahrung, dass der Auftrag nur mit der Rolle Orangenhaut und harte Übergänge ergibt. Also muss der Überwasserbereich noch einmal geschliffen werden. Malen im Zweierteam bringt das beste Ergebnis: Einer trägt mit der Rolle die Farbe auf und sein Team-Mate verschlichtet mit dem Pinsel – das so genannte Tipping.

Wasserlinienkunst

Die Außenhaut oberhalb der Wasserlinie bekommt zwei Schichten weiße Vorstreichfarbe. Darauf kommen mehrere Lagen Alkydharzlack. Er hat den eigens bei Kirby entwickelten Farbton „Tally Ho Off-White“. Ein öliges Additiv hilft, die Farbe nach dem Auftrag länger flüssig zu halten, um eine homogene Fläche ohne sichtbare Übergänge hinzukriegen.

Unter der Wasserlinie werden zwei Schichten aus dickem orange-farbenem Unterwasserprimer als Grundierung für das Antifouling aufgetragen – ein Tipp der amerikanischen Holzschiffsbauer.

  • Leo klebt mithilfe eines Lasers blauen Krepp unter die WasserlinieLeo mit Laser © Leo Sampson
  • Pete zieht das Tape der Tally Ho abPete und Megan am Bug © Leo Sampson
  • Pat zieht das Tape der Tally Ho abPat, der Tape Abzieh-Spezialist © Leo Sampson

Die Wasserlinie anzuzeichnen ist eine Kunst für sich. Denn das Schiff schwimmt nicht immer auf der vom Konstrukteur erdachten Linie. Sie hängt vom Rigg, den Aufbauten und der Verteilung aller Einrichtungsgegenstände ab.

Durch Innenballast kann die aufgetragene Konstruktions-Wasserlinie (die CWL) auf dem Rumpf der tatsächlichen Schwimmwasserlinie angepasst werden. Um sie so genau wie möglich anzureißen, wird die Tally Ho zu den Seiten und in Kielrichtung ausgerichtet. Zuerst wird der orangefarbene U-Schiff-Primer 15 Zentimeter in den Überwasserbereich laufend aufgetragen. Mithilfe eines Linienlasers klebt Leo dann eine breite gerade Linie mit blauem Krepp ab. Sie liegt fünf Zentimeter unter der eigentlichen Wasserlinie.

Mit einem Bettgestell geübt

Bis hierhin wird der Überwasseranstrich gezogen. Das gibt den nötigen Spielraum, um später, wenn nötig, die Linie etwas höher zu setzen. Dann wird ein paar Tage intensiv mit der ganzen Crew gestrichen. Aber erst, nachdem sie an einem Bettgestell geübt haben. Am Ende wird das blaue Tape abgezogen und die Tally Ho steht in ihrem Farbkleid da wie ein stolzer Vogel. Für Leo ist es, man merkt es, einer der schönsten Momente des Wieder-Aufbaues.

Während die Crew schon das Gerüst und die alte Schiffsäge abbaut, verrät Leo Sampson uns die nächsten Schritte. Der alte Ballastkiel muss überarbeitet und unter den Rumpf gebolzt werden. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Mehr davon sehen wir in Episode 100. Wir sind gespannt.

Wer Leo Sampsons Refit-Projekt unterstützen möchte, folge diesem Link.

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