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fallback hero image Tally Ho und die Corona-Pandemie © Unsplash
Refit-Projekt

Tally Ho und die Corona-Pandemie

Leo Sampson setzt alleine die Balkweger in vier Metern Höhe in Position, und er sucht dringend einen neuen Mitarbeiter.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Sie bestehen den Biegetest ohne Risse. Die Rede ist von den Balkwegern, die Leo Sampson beim Einbau auf der gesamten Länge um etwa 25 Grad verdrehen muss. Aber was waren noch schnell Balkweger? Wo liegen diese an Bord der Tally Ho, dem Refit-Projekt von Leo Sampson?

Es ist die innere Gurtung, die den Albert-Strange-Cutter aus dem Jahr 1910 im Längsverband zusammenhält. Also die wesentliche Verbindung zwischen dem Querverband aus Spanten und Decksbalken und dem Längsverband der Beplankung. Auf den 15 Meter langen, jeweils etwa 200 Kilo schweren Balkwegern ruhen künftig die Decksbalken. Eingebaut werden sie von Leo in vier Metern Höhe.

Tally Ho
Die alte Drehbank muss repariert werden, ein Teil ist gebrochen © Leo Sampson

Die alte Drehbank, mit der Leo die Gewinde auf die Laschenbolzen geschnitten hat, muss nun doch  überholt werden. Marshall, der Pink Fireman, der die Eiche für die Decksbalken gratis durch die USA nach Sequim brachte, hat noch etwas Zeit. Er widmet sich mit Leidenschaft der kleinen Maschine. Aber ein Bauteil ist gebrochen und lässt sich nicht reparieren. Keith Rucker, Spezialist für Oldtimer-Maschinen, verspricht Hilfe. Und gut verpackt in der selbst gebauten Holzkiste geht das alte Stück zu ihm auf die Reise.

Ein neues Heim für das Starboot

Der alte Holz-Star, ein ehemaliges Olympia-Boot, das Leo schon seit einiger Zeit verkaufen will, hat endlich ein neues Zuhause in einer Flotte alter Stare am Michigan Lake gefunden. Mit ihm hat Marshall, der Trucker, nun auch eine kostbare Fracht für die Heimreise an die Ostküste, und die Spritkosten sind wieder drin. Zu seiner großen Freude sind durch das letzte Video reichlich neue Spenden und Unterstützer für seine Brustkrebs-Stiftung Für drei Schwestern reingekommen. Die Reise hat sich also sehr gelohnt. Leo ist jetzt auch Mitglied der Gemeinschaft.

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Leo Sampson Tally Ho
Marshall bringt den Star zum Michigan-See © Leo Sampson

Allein mit Schwergewichten

Lange, schwere Hölzer, große Höhe, genaue Einpassarbeit und viel Druck – das ist die neue Herausforderung für Leo beim Refit-Projekt Tally Ho. Was im Zeitraffer nur Minuten dauert, braucht in Wiklichkeit Tage. Leo nimmt auch diese Hürde mit Bravour. Dank Gabelstapler, Flaschenzügen und dem großen Holzhammer sitzen die Weger schließlich genau an ihrem Platz.

Weil das Holz noch grün ist, macht es die starke Biegung und Torsion gut mit, ohne das Spantgerüst auseinander zu drücken. Dabei erklärt Leo uns den feinen Unterschied zwischen amerikanischen und englischen Balkwegern.

Refit-Projekt
Schwere Hölzer © Leo Sampson
Refit-Projekt
Große Höhe © Leo Sampson

Die Tally Ho ist viel Arbeit für einen Solisten

Auch wenn man so agil und ideenreich wie Leo Sampson ist: Die Sanierung der Tally Ho bleibt für eine Person alleine ein extrem großes Refit-Projekt. Die administrative Arbeit bremst. Außerdem kostet das Produzieren der Videos Zeit. Es ist aber wesentlich, damit die Fan-Gemeinde erfährt, wie es weiter geht.

Dank deren großer Unterstützung kann Leo es sich jetzt leisten, einen Schiffszimmerer oder eine Bootsbauerin einzustellen. Gemeinsam könnten sie die Volunteers besser anleiten. Und Leo kann sein Ziel, 2022 mit der „Tally Ho“ nach England zu segeln, vielleicht noch erreichen.

Bootsbau in Zeiten der Corona-Pandemie

Mitte März lässt es sich nicht mehr leugnen: Corona hat auch die USA erobert. Da hilft auch keine Mauer. Das nahe Seattle war sogar der Ort, wo das Virus erstmals in den USA bemerkt wurde. Leos Taktik bei sozialer Isolation: Auf der Werft bleiben und am Boot arbeiten. Wie läuft das konkret?

Er wünscht allen Followern, dass sie ihre Lieblingsspielzeuge zu Hause bei sich haben, um diese Zeit sicher und glücklich zu überstehen. Der Einzelkämpfer macht also entspannt weiter, biegt mit vielen Flaschenzügen und neuen Hydraulik-Spreizern die Balkweger in den Rumpf. Und er freut sich über die reparierten Teile für die Gewinde-Drehbank.

Ein MacGyver der Drehbank

Keith Rucker hat in kurzer Zeit einen Spitzenjob gemacht – coole Typen, diese amerikanischen Oldtimer-Handwerker. Leo muss doch noch Hand anlegen und sich aus einer 3/8 Zoll-Kluppe (dem Einsatz für Hand-Gewindeschneider), einem alten, grob ausgebrannten Stück schwarzem Stahl und einer Nuss aus dem Knarrenkasten ein Schneidwerkzeug zusammenbraten.

Tally Ho Leo Sampson
Leo bastelt noch schnell ein neues Schneidwerkzeug © Leo Sampson

Jeder Schlosser würde verzweifeln, denn schwarzen Stahl und Chrom-Vanadium darf man nicht zusammenschweißen. Aber Leo mit seiner unbefangenen Art macht es einfach, und es funktioniert. Jetzt kann er für das Refit-Projekt seine 3/8-Zoll-Bolzen drehen, um die Balkweger zu befestigen. Später baut er sich noch ein einfaches Werkzeug, um Bolzen mit gestauchten Köpfen herzustellen. Die Zähigkeit der Silizium-Bronze mit hohem Kupferanteil kommt ihm da entgegen.

Bootsbauer oder Schiffszimmerer gefunden?

Leo verbringt viel Zeit am Telefon, um einen geeigneten Schiffszimmerer zu finden. Einer hat zugesagt, und er soll in den nächsten Wochen zur Probe arbeiten, damit sie sich beschnuppern können. Ob das klappt oder ob Covid-19 ihm einen Strich durch die Rechnung macht, sehen wir bald.

Bleibt solange zu Hause und schön gesund! Wer Leo unterstützen möchte, kann das hier tun.

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