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Rosie hat ihr Handwerk beim Refit-Projekt Tally Ho erlernt © Leo Sampson
Refit-Projekt

Tally Ho wird umziehen

Die Bedrohung für das Refit-Projekt von Sampson Boat Co ist abgewendet, das Gericht hat entschieden.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Damit hatte keiner im County gerechnet: Kurz nach Veröffentlichung von Leos letztem Video hagelte es E-Mails aus aller Welt mit der Bitte, das Projekt nicht in Gefahr zu bringen. Viele waren freundlich, einige harsch und anklagend: Alle wollen, dass die 111 Jahre alte „Tally Ho“ weiter restauriert werden kann, nachdem ein Nachbar sich beschwert hatte.

Seit vier Jahren baut Leo Sampson in seiner Freiluftwerft Sampson Boat Co die Kutter-Segelyacht „Tally Ho“ wieder auf, seitdem berichtet float darüber. Die Gewinnerin des Fastnet Race von 1927 wird hinter dem Haus seiner Gastgeber in Sequim im US-Bundesstaat Washington restauriert. In bald 100 exzellenten Videos zeigt Leo auf unterhaltsame Weise, wie traditioneller Bootsbau praktisch abläuft. Eine riesige Fangemeinde spendet ihm Werkzeug und Geld, Know-how und immer wieder auch seelischen Beistand.

Mit seinem Team freiwilliger Helfer, der Auszubildenden Rosie und Pete, dem fest angestellten Holzschiffbauer, sind in zwei Jahren ein neuer Kiel, Vor- und Achtersteven, Spiegel, Spanten, Balk- und Kimmweger und Decksbalken entstanden. Seit Dezember wird der Rumpf beplankt. Jetzt steht der Schiffskörper kurz vorm Einsetzen der Schlussplanke.

Tally Ho, Sampson Boat
Der Rumpf schließt sich © Leo Sampson

Eine dunkle Bedrohung

Das gesamte Projekt war zuletzt bedroht, weil ein genervter Nachbar sich wiederholt bei der Gemeindeverwaltung über Leo beschwert hatte. In einem amtlichen Brief wurde Leo Sampson unter Androhung eines Bußgelds untersagt, Baulärm und Staub zu verursachen sowie Videos zu drehen und darüber Spenden einzuwerben.

Es gab daraufhin eine offizielle Anhörung und jetzt auch ein befriedigendes Ergebnis. Vielleicht auch, weil viele Fans Leo Sampson Rückendeckung gegeben haben. Zwei Anwälte aus der Gegend haben ihn gegenüber dem County vertreten.

Tally Ho, Sampson Boat
Die kleine Werft in Sequim © Leo Sampson

Am Ende musste die oberste Gemeinderätin öffentlich zugeben, dass der Verfasser des Briefs seine Kompetenzen überschritten hat. Leo darf in Ruhe weiter bauen, Videos veröffentlichen und Spenden sammeln, solange er sich an die Ruhezeiten hält. Aber er versteht die Menschen, die nicht neben einer Bootswerft wohnen möchten. Vor allem möchte er keinen Rechtsstreit führen.

Bootssuppe, Trunnels und Buttocks

Zunächst aber geht es im aktuellen Video um den Bootsbau selbst, und Leo beantwortet Fragen seiner Unterstützer. Rosie erklärt, dass der Rumpf von außen farbig lackiert wird, weil das der beste Schutz gegen UV-Strahlung ist. Von innen wird das Holz mit Boots-Suppe, einer Mischung aus Holzteer, Leinöl und Terpentin behandelt. Beim Bohren der Löcher für die Nieten werden manchmal auch die Holznägel (Trunnels) getroffen, mit denen die einzelnen Spantenteile (Buttocks) verbunden sind. Sie sind dicker als die Nieten, und der Gesamtverbund bringt zudem die Festigkeit.

Tally Ho, Sampson Boat
Rosie ist happy © Leo Sampson

Warum verwendet Leo unterschiedliche Holzsorten in der Beplankung? Das festere und gegen Rott resistentere Angelique bildet die Kielplanken (garboards) und die breiten Planken (broads) im Unterwasserschiff. Hier drohen von innen Fäulnis und von außen Felsen. Im Schergang laufen viele strukturelle Befestigungen zusammen.

Er bildet die Verbindung zum Deck und muss bei unsanften Manövern auch mal einen Stoß abfedern. Für die dazwischenliegenden Planken kann das günstigere Wana-Holz (Red Louro) verwendet werden. Den ganzen Rumpf mit Angelique zu beplanken, würde das Budget übersteigen.

Schergang-Biegung und Spiegel-Ansatz

Die allerletzte Angelique-Bohle ist voller Holzfehler. Daraus den Backbord-Schergang zu schneiden, ist eine Herausforderung. Die nötige Querbiegung beim Ansetzen ist aber noch im grünen Bereich. Warum laufen die Planken von außen an den Spiegel (also die Heckplatte), so dass das empfindliche Hirnholz (das end-grain) der Sonne ausgesetzt ist?
Leo bevorzugt diese Methode, er wird die Enden mit farbigem Lack verschließen. Den Spiegel auf Gehrung zu bauen, wäre zu „yachtig“. Von außen auf die Planken gesetzt, fänden die Schrauben im Hirnholz nicht ausreichend Halt. Bei einer Kollision könnte der ganze Spiegel abreißen.

  • Tally Ho, Sampson BoatKabel durchgehobelt: Das passiert auch dem Profi © Leo Sampson
  • Tally HoLeo und der Backbord-Schergang © Leo Sampson
  • Sampson BoatLeo und Pancho bei der Arbeit © Leo Sampson
  • Tally Ho, Sampson BoatDer Spiegel © Leo Sampson

Schwinden und Quellen, Haken und Feder

„Hey Pete, sollte man nicht Luft zwischen den Planken lassen, damit sie quellen können?“, wird gefragt. „Nicht nötig. Das Holz trocknet eh noch mehr auf, bevor Tally Ho ins Wasser kommt.“ Die Plankenenden im unteren Bereich des Vorstevens in Haken und Federn auslaufen zu lassen, ist eine gute Idee. Denn in dem flachen Winkel würden die feinen Spitzen keinen Halt finden. Weiter oben wird der Winkel steiler.

Rowan schraubt und treibt die Nieten durch Planken und Spanten ein, während David innen die Köpfe vernietet. Es sind an die 5.000 Stück. Nebenbei bauen sie einen Hühnerstall, damit der Waschbär keine Hühner mehr stibitzt. Cecca wird sich freuen.

Tally Ho, Sampson Boat
Die vorderen Enden © Leo Sampson

Rosie zieht weiter

Und dann ist es für Rosie Zeit zu gehen. Nach acht Monaten Volunteer-Lehrzeit hat sie einen bezahlten Job bei der Port Townsend Shipwrights Coop gefunden. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlässt sie die Tally-Ho-Crew. Vieles von dem, was sie von Pete und Leo gelernt hat, bringt sie nun in das Projekt Western Flyer ein. Leo lässt sie ungern gehen. Aber er ist schon ein bisschen stolz darauf, dass die von ihm ausgebildete Bootsbauerin nun einen richtigen Job gefunden hat.

Tally Ho, Sampson Boat
Rosie hat ihr Bündel geschnürt © Leo Sampson

Auch Tally Ho zieht um

Sie werden sich auch bald öfter sehen, denn Leo hat beschlossen, mit Tally Ho nach Port Townsend umzuziehen. Das wird erst passieren, wenn das 111 Jahre alte Holzschiff reisefertig ist. Die Bootsbauer-Community an der Westküste wird ihm beim Umzug helfen. Auf das Video mit dem Transport nach Port Townsend können wir gespannt sein.

Damit verabschiedet sich Leo, nicht ohne sich für die großartige Unterstützung vor allem durch seine Anwälte zu bedanken, mit dem bekannten Satz: „See you next time!“ Wer das Tally-Ho-Projekt unterstützen möchte, kann dies hier tun.

County Problem Solved?! / Goodbye Rosie (Rebuilding Tally Ho / EP93)

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