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Mit Fähren, Wassertaxis und Arbeitsbooten erschließt sich Torqeedo ein neues Segment abseits von Freizeitbooten.
Unternehmen

Torqeedo nimmt Kurs auf gewerbliche Schifffahrt

Mit Fähren, Wassertaxis und Arbeitsbooten erschließt sich Torqeedo ein neues Segment abseits von Freizeitbooten.

Kerstin Zillmer
von in
4 Minuten

Knapp ein Jahr nach dem Kauf durch den Kölner Dieselmotorenhersteller Deutz präsentiert das Ex-Startup Torqeedo eine Reihe neuer Projekte für Elektroboote im gewerblichen Bereich. Ausflugsschiffe und Fähren sind ein besonders interessanter Markt für elektrische Antriebe: Die Boote sind in überschaubaren Reichweiten unterwegs und können immer wieder Strom nachtanken.

Außerdem wird bei dieser Anwendung keine Geschwindigkeit erwartet, ganz im Gegenteil. Man möchte ja die Giraffen nicht im Flug vorbeirauschen sehen. Ebenso hält es sich bei Fähren, den knuffigen Wassertaxis namens Sea Bubbles auf der Seine und Prestigeprojekten wie der elektrischen Ruderbarkasse der britischen Königin Elizabeth II. Hier sind die neuesten Entwicklungen.

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Ausflugsboote in Vietnam

Torqeedo liefert den elektrischen Antrieb für 15 Ausflugsboote eines neuen Urlaubsresorts in Vietnam. Die neun Meter langen GFK-Tenderboote sind mit Elektro-Inbordermotoren des Typs Torqeedo Deep Blue 80 motorisiert. Als Energiespeicher dienen Lithium-Ionen-Batterien aus dem BMW i3. Die fünfzehn Boote sind unterwegs im Nam Hoi An Resort. Es wurde im Frühjahr 2018 eröffnet und erstreckt sich über eine Fläche von 35 Hektar. Die Boote sind unter anderem auf Fluss-Safaris im Dschungelpark unterwegs. Der nahezu lautlose Antrieb der Boote ermöglicht den Besuchern die unauffällige Beobachtung seltener Tiere in deren natürlichem Lebensraum.

Torqeedo beobachtet seit einiger Zeit in Asien eine stark steigende Nachfrage für Boote mit Elektro- oder Hybridantrieben. Flottenbetreiber und Behörden setzen verstärkt auf umweltfreundliche Technologien zur Reduzierung von Abgasen und Gewässerverschmutzung, so Torqeedo. Der bayerische Elektromotorenhersteller unter dem Dach von Deutz arbeitet derzeit an zahlreichen Projekten für elektrische Bootsantriebe in China und Südostasien.

EcoCAT

Ecocat zu 100 Prozent mit Solarstrom betrieben © EcoCAT, Javi Sumillera

Solarfähre für Südspanien

Die 18 Meter lange Fähre namens Ecocat wird zu 100 Prozent mit Solarstrom betrieben – ohne zusätzlichen Generator – und auf dem Mar Menor als Fähre eingesetzt. Die in der spanischen Region Murcia liegende Salzwasser-Lagune ist Europas größtes salzhaltiges Binnengewässer. Die 18 m lange Katamaran-Passagierfähre aus Aluminium, die im Frühjahr bei Metaltec Naval in Spanien vom Stapel gelassen wurde, kann bis zu 120 Personen aufnehmen.

Es ist die erste spanische Werft, die ein Passagierschiff mit Elektroantrieb baut. Das Schiff läuft zu 100 Prozent mit Strom, der per Solarenergie über die Batterie eingespeist wird. Der Ecocat hat keinen zusätzlichen Verbrennungsmotor als Backup. Er wird von zwei 50 kW starken Torqeedo Deep Blue Elektromotoren angetrieben. Mit acht BMW i3 Hochvolt-Batterien, die je 30,5 kWh Leistung bieten, schafft der Kat ohne Nachladen eine Betriebsdauer von mehr als acht Stunden.

EcoCAT

Ecocat für das Mar Menor in der Region Murcia © EcoCAT, Javi Sumillera

Den European Commercial Maine Award (ECM) erhielt Torqeedo dafür auf der Fachmesse Seawork International 2018. Belohnt wurden auf der Schau in Southampton „herausragende Leistungen im Bereich Initiative für Umwelt und Nachhaltigkeit“.

Arbeitsboote in China

Die Stadt Suzhou im Osten Chinas leidet unter massiver Umweltverschmutzung. Für ihren Fluss Suzhou, dem die 10-Millionen-Einwohner-Metropole ihren Namen verdankt, hat die Stadtverwaltung ein eigenes „Suzhou River Management“ gegründet. Der mächtige Strom fließt von Suzhou weiter nach Shanghai. Als Teil des städtischen Säuberungsprogramms hat das China Ship Scientific Research Center nun entsprechende Boote entworfen.

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Müllschiffe für Suzhou © CSSR

Seit kurzem setzt man dort eine Flotte von 177 Arbeitsbooten ein, die mit Torqeedo-Motoren angetrieben werden. Ihre Aufgabe ist es, Müll und Schutt auf den ausgedehnten Kanälen und Wasserstraßen zu holen und zu beseitigen. Die Stahlkatamarane bis zu 18 Metern Länge fahren mit Cruise 4.0 Außenbordern, dazu kommen kleine Holzboote, die mit Cruise 2.0 Außenbordern ausgerüstet sind.

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Kanalfahrten in San Antinio jetzt elektrisch © City of San Antonio

Im Vergnügungspark in Texas

Die Stadt San Antonio, Texas, hat eine Flotte von 43 elektrischen Passagierbooten für ihr Downtown-Kanalsystem in Dienst gestellt. Die 27-Fuß-Schiffe, die seit letztem Oktober auf dem River Walk fahren, werden von einem Torqeedo-Antriebssystem mit eingebautem Landstromanschluss für schnelles Aufladen angetrieben. Das System besteht aus einem Cruise 10.0 Elektro-Außenbordmotor und 16 kompakten Lithium-Batterien des Typs Power 26-104.

Die neuen Schiffe fahren typischerweise mit vier Knoten. Sie können normalerweise bis zu 12 Stunden ohne Nachladen betrieben werden, so die Betreiber auf dem River Walk. Die Boote bieten Platz für 40 Passagiere. Außer für Touren wie auf dem River Walk sind sie auch als schwimmendes Restaurant und Wassertaxi nutzbar.

Flautenschieber

Hanse 153 mit Torqeedo Cruise Fixed Pod 2.0/4.0 FP © Torqeedo

Groß geworden mit Flautenschiebern

Mit Anwendungen für Fähren, Wassertaxis und Arbeitsboote erschließt sich Torqeedo ein neues Segment. Groß geworden ist der Gilchinger Pionier für Elektrobootsmotoren mit Systemen für die Freizeitschifffahrt. Neben elektrischen Außenbordern für Segelboote ist Torqeedo erfolgreich mit dem Hochvolt-Antriebssystem Deep Blue, das marinisierte Batterien des BMWi nutzt. Es wird unter anderem bei schnellen E-Motorbooten und für das komplette Energiemanagement von Segel-Kats eingesetzt wird.

Mit dem Zukauf des Technik-Startups Torqeedo im September 2017 will der Diesel- und Gasmotorenhersteller Deutz mit Hilfe von Torqeedo in die Elektromobilität einsteigen. Erste Produkte der e-Deutz-Strategie werden für 2019 erwartet.

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