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Es rumpelt auf der Insel: Die London Boat Show und Broom Boats geben auf.
Wirtschaft

Stürmische Zeiten für Englands Bootsbranche

Es rumpelt auf der Insel: Die London Boat Show und Broom Boats geben auf.

float Redaktion
von in
3 Minuten

„Stellt euch vor, es ist Messe und keiner geht hin“ – so ähnlich müssen die Gedanken der Organisatoren der London Boat Show gewesen sein, bevor sie in dieser Woche verkündeten, die Messe 2019 nicht stattfinden zu lassen. Die Messe in der englischen Hauptstadt, einst das internationale Schaufenster der britischen Marineindustrie, findet kurz vor der boot Düsseldorf statt. Die Veranstaltung im nächsten Januar wurde aufgrund von mangelndem Interesse seitens der Aussteller und der abnehmenden Besucherzahlen eingestellt. Die Website wurde bereits abgeschaltet.

Direkt nach der London Boat Show war Murray Ellis, der Verantwortliche für die beiden Messen von British Marine in England, von seinem Posten zurückgetreten. Sein Rückzug erfolgte „aus persönlichen Gründen“ – was nicht ganz der Wahrheit entsprechen dürfte. Ellis war zuvor für 25 Jahre eine der führenden Figuren bei der Organisationen der beiden Bootsmessen.

London Boat Show

Das letzte Mal: London Boat Show 2018 © Motorboat Owner

Laut Veranstalter British Marine krankte die London Boat Show an einem signifikanten Rückgang der Unterstützung durch Bootsbauer, Werften und Händler. Man könne keine Messe durchführen, bei der bereits im Vorfeld klar sei, dass sie unrentabel sein werde und die Kundenzufriedenheit nicht gegeben sei, heißt es, hier dokumentiert, aus dem Direktorium von British Marine. Man wolle sich nun auf die profitablere Southampton Boat Show konzentrieren. Vom 14. bis 23. September ist auch das Wetter besser.

Traditionsmarken wackeln

Die Schließung der traditionsreichen Bootsmesse in London ist nicht der einzige Krisenfall, den die britische Bootsindustrie in diesem Jahr zu verkraften hat. Nach der Insolvenz der Segelyachtwerft Oyster im Februar hat es wenig später den Motorbootshersteller Broom Boats erwischt. Die an der englischen Südküste ansässige Werft kündigte vor wenigen Wochen an, den Bootsbau in Brundall nach 120 Jahren einzustellen. Das berichtet zuerst das Magazin Motorboat Owner

Oyster Yachts

Konnte sich nicht durchsetzen: Broom 35 Coupé © Werft

Schluss mit Bootsbau nach 120 Jahren

Mit Broom Boats verschwindet eine britische Traditionsmarke vom Markt. Das Unternehmen selbst bleibt erhalten. Mit der Umstrukturierung zum „leisure operator“ wird Broom in Zukunft vor allem seine große Vermietflotte an der englischen Südküste betreiben. Dazu kommen Service- und Marinaleistungen für Bootseigner. Das machte schon bisher einen wesentlichen Teil des Geschäfts unter dem Namen der Traditionsmarke an. Im letzten Herbst war die Firmenführung der Aktiengesellschaft ausgetauscht worden, im Dezember stellte man das Brokerage-Geschäft ein.

Bei den Bootsbauern im Werk Brundall sind Arbeitsplatzverluste sicher. „In den letzten Jahren hat sich der Markt für den Bau und Verkauf von Booten erheblich verändert, was die geringe Kundennachfrage, den Wettbewerb in Übersee und die steigenden Kosten zeigen.“ heißt es etwas ratlos in einem  Firmenstatement. Die Investitionen waren deshalb schon länger in Richtung Verleihflotte gegangen. Nun zog man die Reißleine. „Dies wird leider zum Verlust einiger Arbeitsplätze führen.“ Broom, dessen Geschichte bis ins Jahr 1898 zurückreicht, gibt auch die Produktion der English Harbour Yachts-Reihe auf.

Handcrafted | Broom Boats

Ein Image-Video von Broom Boats aus besseren Zeiten

Ein Gaming-Unternehmer als Retter

Für die Luxusmarke Oyster Yachts gab es nach großem Erschrecken in der Bootsbranche dagegen Entwarnung. Zuletzt Oyster Yachts durch gravierende Qualitätsmängel ins Schlingern geraten. Das Unternehmen ging nach kurzer Atempause in neuen Besitz. Neuer CEO ist der britische Unternehmer Richard Hadida, Gründer des Softwareunternehmens Evolution Gaming Group und Segler seit jeher.

Oyster 115

Die neue Oyster 115 am Haken – noch ohne Kiel © Youtube

Er habe das Unternehmen „mit der festen Verpflichtung übernommen, Oyster wieder als den Premium-Designer und Hersteller von Segelyachten weltweit zu etablieren“, heißt es auf der Werft-Website seit Mitte März. Seitdem hört man von der reformbedürftigen Luxuswerft keine weiteren öffentlichen Statements.

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